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Politik

Syrien-kritischer Politiker in Beirut getötet

Bei einem Autobomben-Anschlag am Stadtrand von Beirut ist laut Polizei der syrien-kritische Abgeordnete und Journalist Dschubran Tueini ums Leben gekommen. Ein weiteres Opfer einer gezielten Anschlagsserie?

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Das Auto wurde völlig zerfetzt

Libanon Beirut Bombenanschlag Rote-Kreuz-Mitarbeiter bei den Aufräumarbeiten

Das Szenario ist immer gleich. Irgendwo in Libanon explodiert eine Bombe am Straßenrand oder unter der Karosserie eines Autos. Voller Wut und Angst, getrieben von einem Gefühl der Hilflosigkeit laufen die Menschen auf die Straße, um zu sehen, welchen Politiker oder Journalisten es diesmal getroffen hat. Die meisten von ihnen werfen der syrischen Regierung vor, die Bomben platziert zu haben, um Gegner auszuschalten und um sich für den erzwungenen Abzug ihrer Truppen im vergangenen April zu rächen. Einige wenige Libanesen glauben, dass die USA und der israelische Geheimdienst hinter dem Terror stecken.

Nicht tatenlos im Ausland zusehen

Dass es an diesem Montag Dschubran Tueini (48) war, dessen Leiche abtransportiert wurde, überrascht nicht. Der syrienkritische Chefredakteur und Verleger der Zeitung "An-Nahar" wusste, dass er im Visier derjenigen ist, die in seiner Heimat Chaos verbreiten wollen. Anders als sein politischer Freund Saad Hariri, der Sohn des im Februar ermordeten Ex-Regierungschefs Rafik Hariri, wollte Tueini nicht im Ausland ausharren, bis die Attentatsserie eventuell aufgeklärt wird und sich der Sturm des Terrors gelegt hat. Tueini war bei den Wahlen im Sommer auf der Liste von Saad Hariri ins Parlament gewählt worden. Für seinen Mut hat Dschubran Tueini mit dem Leben bezahlt.Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:

Rückkehr mit dem Leben bezahlt

Den Ermittlern zufolge sprengten Attentäter Tueinis gepanzerten Geländewagen in die Luft, als er am Montagmorgen (12.12.2005) durch das vor allem von Christen bewohnte Viertel Mekalis fuhr. Mindestens drei der Insassen seien so stark verbrannt, dass sie nicht mehr zu erkennen seien. Mindestens zehn Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, berichteten Polizei und Ärzte. Mehrere andere Autos gerieten den Angaben zufolge in Brand. Augenzeugen berichteten, durch die Wucht der Detonation sei ein Auto in ein Tal neben der Straße geschleudert worden. Die 100 Kilogramm Dynamit seien in einem am Straßenrand geparkten Fahrzeug versteckt gewesen. Der Knall war in der ganzen Hauptstadt zu hören. Tueini war erst am Vortag des Attentats aus Paris zurückgekehrt, wo er die vergangenen Monate aus Angst vor einem Attentat gelebt hatte. Sein Onkel, der drusische Telekommunikationsminister Marwan Hamadeh, entging im vergangenen Jahr einem Anschlag.

Hariri war prominentestes Opfer

In diesem Jahr sind in Beirut zahlreiche Bombenanschläge verübt worden, der schwerste im Februar gegen den früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri. Hariri war ein vehementer Kritiker der langjährigen Präsenz Syriens in Libanon. Die syrische Führung streitet jede Verwicklung in das Attentat ab, obwohl eine Ermittlungskommission der Vereinten Nationen unter Leitung des deutschen Oberstaatsanwalts Detlev Mehlis dem widersprechende Hinweise gefunden hat. Mehlis verdächtigt syrische und libanesische Geheimdienste hinter der Tat zu stecken. Er hat am Sonntag (Ortszeit) in New York seinen zweiten Untersuchungsbericht an UN-Generalsekretär Kofi Annan übergeben. Details sind noch nicht bekannt.

Serie von Mordanschlägen

Seit dem Mord an Hariri gab es einige Sprengstoffanschläge, für die viele Libanesen Syrien verantwortlich machen. Am 2. Juni war der syrienkritische Journalist Samir Kassir bei einem Bombenanschlag getötet worden. Im selben Monat kam der frühere libanesische KP-Chef Georges Hawi durch eine Bombe ums Leben. Am 17. September wurden bei einem Sprengstoffanschlag in einem christlichen Viertel von Beirut ein Mensch getötet und 28 weitere verletzt. Zuletzt wurde die prominente christliche Fernsehjournalistin May Chidiac vom libanesischen Fernsehsender LBC bei einem Anschlag schwer verletzt.

Steckt Syrien (wieder) dahinter?

Die Syrer geben sich derweil als Opfer. Kurz nach dem Attentat auf Tueini meldete sich in Damaskus Informationsminister Mahdi Dachlallah zu Wort. Er behauptet, hinter dem Anschlag steckten "Feinde der Araber". Diese wollten Syrien - einen Tag bevor der Weltsicherheitsrat in New York über den neuesten Bericht des UN- Ermittlerteams zum Hariri-Attentat berät - auf die Anklagebank schicken. Der Berliner Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis, der das Team leitet und den Bericht verfasst hat, ist überzeugt, dass libanesische und syrische Geheimagenten in den Hariri-Mord verwickelt waren. Auch glaubt er an eine Verbindung zwischen diesem und anderen Anschlägen.

Das syrische Parlament in Damaskus ließ verbreiten, es verurteile "entschieden" die terroristischen Akte, welche die "Stabilität und den zivilen Frieden im Libanon" untergraben sollten, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Montag. Die Urheber und die Ausführenden dieser kriminellen Taten seien "Feinde des Libanon", erklärte das Parlament. (arn)

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