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Syrien-Konflikt: Israel in Habachtstellung

In den Krieg im Nachbarland will sich Israel nicht einmischen. Gleichwohl ist die Regierung in Jerusalem besorgt - vor allem über den Einfluss des Iran in der Region und ein mögliches Erstarken der Hisbollah.

Israel Panzer-Übung in den Golanhöhen (picture-alliance/dpa/A. Safadi)

Israel demonstriert mit einer Panzerübung auf den Golan-Höhen Stärke

Im Interesse Israels sei ein Syrien ohne Baschar al-Assad und ohne Iran, sagte Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman vergangene Woche. Doch nach dem Fall Aleppos ist klar geworden, dass der syrische Präsident so schnell nicht gehen wird. Israel mischt sich in den Krieg in Syrien nicht ein, hat im Gegensatz zu den Nachbarländern Libanon und Jordanien auch weniger davon zu spüren bekommen.

Nur in den Golan-Höhen ist es seitdem unruhig geworden: Seit Beginn des Krieges in Syrien 2011 hat es immer wieder Schusswechsel an der Grenze gegeben, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wenn Schüsse israelisch kontrolliertes Gebiet treffen, reagiert die Armee mit Gegenbeschuss, um eine klare Botschaft zu senden: Eine Verletzung der Souveränität wird nicht toleriert. Die meisten Vorfälle gelten als unabsichtlich. Aber erst kürzlich griffen mit dem IS verbündete Kämpfer von Syrien aus israelische Soldaten direkt an.

Status Quo erhalten

Die heutige Grenze zwischen den beiden Ländern ist die Waffenstillstandslinie von 1967, die nach Israels Besetzung der Golan-Höhen im Sechstagekrieg gezogen wurde. Seit der Staatsgründung sind Israel und Syrien entweder im Waffenstillstand - oder im Kriegszustand. Syrien hat den jüdischen Staat nie anerkannt, dementsprechend gab und gibt es keine diplomatischen Beziehungen.

Israel - Außenminister Avigdor Lieberman (GALI TIBBON/AFP/Getty Images)

Lieberman: "In unserem Interesse ist ein Syrien ohne Assad und ohne Iran"

Israels Regierung versucht aktuell, den Status Quo im Golan zu erhalten. Die Armee soll kontrollieren, dass die Ereignisse im Nachbarland nicht auf ihr Gebiet übergreifen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und andere Regierungsvertreter haben ihre Position oft wiederholt: Israel greife in Syrien nicht ein, aber verteidige, wo nötig, seine Sicherheitsinteressen.

Zu denen gehört auch, zu vehindern, "dass hochentwickelte Waffen, militärische Ausrüstung und Massenvernichtungswaffen in die Hände der Hisbollah geraten", wie Verteidigungsminister Lieberman vor zwei Wochen in einem Gespräch mit EU-Vertretern erklärte. Er bezog sich damit auf inoffizielle Berichte, die in der israelischen und arabischen Presse weithin als bestätigt gelten, dass Israel in der Nacht zuvor zwei Angriffe in der Nähe von Damaskus geflogen habe. Eines der Ziele soll ein Waffenkonvoi gewesen sein, der für die Hisbollah gedacht war.

Angst vor Stärkung der Hisbollah

Viel größer als die Angst vor IS-verbündeten Kämpfern vor der Haustür im Golan ist Israels Sorge, dass die vom Iran und von Assad unterstützte Hisbollah erstarkt aus dem Krieg hervorgeht. Und dass der Iran in Syrien an Einfluss gewinnt. "Der IS ist eine taktische Bedrohung, der Iran mit der Hisbollah eine weit größere, strategische," so die Sicherheitsexpertin Benedetta Berti vom unabhängigen Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv: "Für Israel gilt die Hisbollah als Gefahr Nummer eins unter den nicht-staatlichen Akteuren, gefährlicher als die Hamas." Die Organisation im Libanon wird von Israel, den USA, Kanada und der Arabischen Liga als terroristische Gruppierung eingeordnet und kämpft mit 3000 bis 4000 Soldaten im syrischen Krieg an der Seite Assads. Auch Iran hat Soldaten nach Syrien geschickt.

Assad war schon vor Beginn des Krieges 2011 mit Iran und der Hisbollah alliiert. "Aber durch den Krieg ist jetzt eine physische Präsenz hinzugekommen - Soldaten und Waffen", so Benedette Berti. "Und das Assad-Regime hat sich durch den Krieg verändert, ist abhängiger von äußeren Akteuren und Unterstützern." Die Bedrohung für Israel sei langfristig sehr ernst zu nehmen; letztendlich werde die ganze Region einen Preis für die Instabilität bezahlen - auch Israel. Diese Bedrohung sei aber nicht akut, denn noch seien die verschiedenen Kriegsparteien auf anderen Fronten gebunden.

Libanon Beirut Sheik Hassan Nasrallah (picture-alliance/dpa)

Auf Plakaten zeigt sich Hisbollah-Shef Sayyed Hassan Nasrallah (links) gerne an der Seite der iranischen Führer Khamenei (Mitte) und Khomeini (rechts)

Lieber mehr Einfluss Russlands als des Iran

Der israelische Journalist und Militär-Experte Yossi Melman interpretiert das sogar als Vorteil für Israel: "Die Hisbollah gewinnt zwar an Kriegserfahrung, aber hat durch den Verlust vieler ihrer Kämpfer in Syrien einen schweren Schlag erlitten." Mit dem Angriff auf syrisches Gebiet - der vermutlich abseits gemeinsamer Absprachen mit den Russen ausgeführt wurde - hat Israel auch den Ärger mit Wladimir Putin riskiert, der Assad unterstützt. Melman schließt daraus, dass die Ziele für Israel von großer Wichtigkeit gewesen sein müssen, sonst wäre das Risiko eines Streits mit Russland nicht eingegangen worden: "Israel ist vor allem besorgt um Waffen und Ausrüstung, welche die Präzision von Hisbollah-Raketen steigern wird und sie damit befähigt, fast jedes strategisches oder militärisches Ziel in Israel zu treffen - einschließlich des nuklearen Reaktors in Dimona und das Hauptquartier der israelischen Armee in Tel Aviv."

Die Beziehungen zwischen Israel und Russland sind innerhalb des letzten Jahres enger geworden. Mehrfach war Netanjahu zu Besuch in Moskau. Einer der Gründe ist die Koordination potenzieller Aktivitäten im syrischen Luftraum. Ein anderer ist, dass Netanjahu hofft, die russische Präsenz im Nachbarland könne den Einfluss von Israels Feinden eindämmen. Aber es ist ein zweischneidiges Schwert: Israel achtet jetzt akribisch darauf, der Großmacht vor der Haustür nicht in die Quere zu kommen.