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Syrische Tragödie

Syrien bremst Offensive in Aleppo

Aus dem Osten der syrischen Großstadt werden weiter Gefechte gemeldet. Zugleich scheint die Evakuierung anzulaufen: Etliche Bewohner verließen ihre Viertel und ließen sich jenseits der Stadtgrenze mit Essen versorgen.

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Kämpfe in Syrien gehen trotz Waffenruhe weiter

Ungeachtet einer von Russland verkündeten Waffenruhe dauert die Schlacht um die nordsyrische Stadt Aleppo laut Kämpfern und Bewohnern an. Es gebe noch immer Gefechte zwischen Regimekräften und oppositionellen Milizen, meldete auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Einwohner der Rebellengebiete in Ost-Aleppo berichteten von Artilleriebeschuss und Jets am Himmel. Ein Sprecher der Rebellenmiliz Nur al-Din al-Sinki sagte, das Regime und Russland versuchten die Nachricht von einer Waffenruhe zu verbreiten, tatsächlich gebe es weiterhin Angriffe aus der Luft und mit Artillerie.

Zivilisten sollen raus 

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte zuvor erklärt, Syriens Armee habe ihre Angriffe in Aleppo unterbrochen, um etwa 8000 Zivilisten aus der Stadt zu bringen. Korrespondenten hatten berichtete, der Vormarsch der Truppen von Präsident Baschar al-Assad und mit ihm verbündeter Milizen habe sich zumindest verlangsamt, vielerorts gebe es nur noch vereinzelte Scharmützel.   

Menschen aus Ost-Aleppo kommen am Mittwoch in einem von der Regierungsarmee gehaltenen Viertel an (Reuters/Sana)

Menschen aus Ost-Aleppo kommen in einem von der Regierungsarmee gehaltenen Viertel an

In Fernsehberichten werden Kolonnen von Bewohnern gezeigt, die Aleppo verlassen und außerhalb der Stadtgrenze von russischen Soldaten und Helfern mit Essensrationen und Wasser versorgt werden. "Das ist die jüngste und größte Aktion zum Abzug von Zivilisten aus Ost-Aleppo", hatte Lawrow beim Außenministertreffen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Hamburg behauptet. Die Menschen müssten einen Weg von etwa fünf Kilometern aus der umkämpften Stadt zurücklegen.

Neuer diplomatischer Anlauf  

Nach Angaben der Agentur Interfax kündigte Lawrow ein Treffen russischer und amerikanischer Experten für Samstag in Genf an. Sie sollten ein Abkommen mit einer Lösung für Ost-Aleppo fertigstellen. Für Lawrow bestand diese Lösung darin, dass alle Regimegegner die Stadt verlassen und ebenso die Zivilisten, die das wünschten. Der Minister hatte am Rande der OSZE-Konferenz auch mit seinem US-Kollegen John Kerry gesprochen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sieht die Schuld für das Sterben in Aleppo auch bei Russland und dem Iran. Vorrangig sei jetzt aber, "Waffenpausen zu erreichen", um humanitäre Hilfe zu ermöglichen, sagte er dem Ersten Deutschen Fernsehen.  

Sergej Lawrow mit den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Hamburg (picture-alliance/dpa/J. Büttner)

Sergej Lawrow mit den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Hamburg

Zuvor hatten die UN eindringlich zu einer sofortigen Waffenruhe aufgerufen. Der Chef der UN-Hilfsmission für Syrien, Jan Egeland, erklärte in Genf, die Feuerpause sei dringend erforderlich, damit bis zu 500 kranke und verletzte Kinder Ost-Aleppo verlassen könnten. Derzeit liefen flüchtende Zivilisten Gefahr, ins "Kreuzfeuer" der Kriegsparteien zu geraten oder von "Heckenschützen" getroffen zu werden. Bei einer Feuerpause könnte das UN-Hilfspersonal von West-Aleppo aus Nahrungsmittel für 150.000 Menschen in den Ostteil der Stadt bringen.

Assad sucht die Entscheidung 

Präsident Assad hatte vor der Kampfpause der syrischen Tageszeitung "Al-Watan" gesagt, das Vorrücken der Regierungssoldaten im Osten Aleppos werde ein "riesiger Schritt zum Ende" des Konflikts sein. Wenn die USA jetzt auf eine Waffenruhe pochten, so deshalb, weil ihre "terroristischen Agenten" in einer "schwierigen Lage" seien. Damaskus begründet die Ablehnung einer Waffenruhe auch damit, dass die von den USA unterstützten Aufständischen eine Kampfpause dazu nutzen würden, sich neu zu sammeln und zu bewaffnen.

Große Teile Aleppos sind zerstört (Reuters/A. Ismail)

Große Teile Aleppos sind zerstört

Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und die USA hatten die Konfliktparteien am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung zu einem "sofortigen Waffenstillstand" in Aleppo aufgefordert. Eine Waffenruhe in der umkämpften Stadt sei das "dringlichste Ziel", damit die Vereinten Nationen humanitäre Hilfe zu den Menschen in Ost-Aleppo und den Flüchtlingen bringen könnten.

Seit dem Beginn einer Großoffensive Mitte November haben die Regierungstruppen einen großen Teil der von den Rebellen kontrollierten Stadtviertel im Osten von Aleppo zurückerobert. Nach Angaben von Aktivisten verloren die Aufständischen 85 Prozent der von ihnen kontrollierten Gebiete. Auch die Altstadt ist demnach wieder unter der Kontrolle der Regierung.

sc/stu/qu (afpe, ARD, APE, rtre, dpa)

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