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Aktuell Nahost

Syrien-Beauftragter de Mistura schlägt Alarm

"Alle 25 Minuten ein Toter" - der Syrien-Beauftragte de Mistura hat in drastischen Worten vor einem endgültigen Ende der Waffenruhe gewarnt. Die Friedensgespräche in Genf hat er vorerst ausgesetzt.

In der einstigen Millionenstadt sollen noch rund 40.000 Menschen ausharren (Foto: Tass)

In der einstigen Millionenstadt sollen noch rund 40.000 Menschen ausharren

Angesichts der Gefahr eines völligen Zusammenbruchs der Waffenruhe in Syrien hat der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura die USA und Russland zu einer neuen Friedensinitiative aufgerufen. Erst wenn die seit Tagen anhaltenden Angriffe in Aleppo und anderen Orten aufhörten, könne ein Termin für die Fortsetzung der Genfer Syrien-Gespräche angesetzt werden, sagte de Mistura bei einer Pressekonferenz in Genf.

Staffan de Mistura bei der Pressekonferenz am Donnerstag (Foto: Reuters)

Staffan de Mistura bei der Pressekonferenz am Donnerstag

Die vor allem auf Drängen Washingtons und Moskaus vereinbarte Feuerpause, die zunächst einige Wochen gehalten habe, "ist nun in großer Gefahr und kann jederzeit kollabieren", warnte de Mistura. "In den vergangenen 48 Stunden wurde im Durchschnitt alle 25 Minuten ein Syrer getötet und alle 13 Minuten ein Syrer verletzt."

Zugleich betonte er, dass bei der am Mittwoch planmäßig beendeten dritten Runde indirekter Gespräche zwischen Vertretern der Regierung und Oppositionsgruppen zumindest einige gemeinsame Ansätze für einen politischen Übergangsprozess erkennbar gewesen seien. Daran müsse unbedingt angeknüpft werden.

Vor der Pressekonferenz hatte de Mistura per Video-Schalte den UN-Sicherheitsrat in New York über seine Einschätzung der Lage informiert und zur Unterstützung für die Sicherung der Waffenruhe in Syrien aufgerufen.

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Syrien: neue Luftangriffe auf Aleppo

Angriff auf ein Krankenhaus

Allein am Mittwoch wurden in der einstigen Millionenstadt Aleppo bei Luft- und Raketenangriffen mehr als 20 Menschen getötet. Bei einem Angriff der Luftwaffe von Machthaber Baschar al-Assad auf ein Krankenhaus und ein nahe gelegenes Wohnhaus seien 14 Menschen getötet worden, berichtete die als "Weißhelme" bekannte zivile Bürgerwehr.

Der Angriff habe das Viertel Sukkari in der von Rebellen kontrollierten östlichen Hälfte von Aleppo getroffen, sagten die freiwilligen Bergungskräfte der Nachrichtenagentur AFP. Die Luftwaffe setzte auch Fassbomben ein, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte im englischen Coventry bestätigte, die Attacke auf das Krankenhaus sei von einem "Flugzeug des Regimes" ausgeführt worden. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle stützt sich auf ein dichtes Netz an Informanten in Syrien, von unabhängiger Seite lassen sich ihre Angaben aber nur schwer überprüfen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Bei Raketenangriffen im Westteil Aleppos, der unter Kontrolle der Regierungstruppen steht, gab es nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Sana sieben Todesopfer und 35 Verletzte. Damaskus machte die islamistische Al-Nusra-Front und ihre Verbündeten dafür verantwortlich.

Nach Ausrufung des Waffenstillstands war es in der nordsyrischen Stadt zunächst ruhiger geworden. Seit vergangenem Freitag sind die Kämpfe wieder aufgeflammt. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden seither mehr als 100 Menschen getötet, darunter mehr als 30 Kinder.

Hilfe für Talbisseh

Unterdessen gelang es den UN, dem Internationalen Rotes Kreuz (IKRK) und dem Roten Halbmond erstmals seit einem Jahr, einen Hilfskonvoi in die von syrischen Regierungstruppen belagerte Stadt Talbisseh zu bringen. Nach Angaben von IKRK-Sprecher Pawel Krysiek trafen 35 Lastwagen mit Nahrungsmittelpaketen für 12.000 Familien, Medikamenten, medizinischen Geräten und Material zum Brunnenbau in der seit 2013 belagerten Stadt ein. 14 weitere Lastwagen sollten in den kommenden Tagen folgen.

Talbisseh liegt in der Provinz Homs. Vor Beginn des Bürgerkriegs vor über fünf Jahren zählte die Stadt 30.000 Einwohner, doch wegen der zahlreichen Binnenflüchtlinge hat sich ihre Zahl inzwischen verdoppelt. Seit Juni 2012 steht die Stadt unter der Kontrolle gemäßigter Rebellen.

Vor knapp einer Woche hatte der bislang größte Hilfskonvoi die ebenfalls von Aufständischen kontrollierte Nachbarstadt Rastan erreicht, ein zweiter Konvoi folgte vier Tage später. Insgesamt leben derzeit in Syrien mehr als vier Millionen Menschen in belagerten oder schwer zugänglichen Gebieten. Viele von ihnen haben wenig oder gar keinen Zugang zu Nahrungsmitteln und Medikamenten. Seit dem Beginn des Bürgerkrieges vor fünf Jahren wurden mehr als 270.000 Menschen getötet.

(afp, dpa, rtr, syriahr.com)

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