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Nahost/Nordafrika

Syrien: Bürgerjournalisten riskieren ihr Leben

Die DW Akademie engagiert sich seit vielen Jahren in Syrien. Doch derzeit können Trainings nur noch außerhalb des Landes stattfinden. Teilnehmer Omar al-Khani berichtet über alltägliche Gefahren.

A member of the Free Syrian Army secures a street in the Damascus suburb of Saqba August 17, 2012. Syria's government and rebels have chosen the path of war, a U.N. peacekeeping chief said as the world body ended its doomed monitoring mission to Damascus and deadlock persists among world powers over how to contain the spreading conflict (Foto: REUTERS/Omar al-Khani).

Krieg in Syrien Kämpfe in Damaskus

Im April konnte die DW Akademie acht syrische Bürgerjournalisten für einen Workshop nach Istanbul einladen. Eine ungewöhnliche Situation sowohl für die Trainer als auch für die Teilnehmer. Bis kurz vor Trainingsbeginn war unklar, ob alle Syrer auch wirklich die Reise nach Istanbul antreten könnten. Das einwöchige Training "Advanced Video Reporting" drehte sich um Drehplanung, Storytelling und journalistische Standards. Einer der Teilnehmer, Omar al-Khani, erzählt im Interview, wie er sich als Journalist und Fotograf in Syrien durchkämpft.

Omar al-Khani ist in Damaskus geboren und aufgewachsen. Nach Abschluss seines Marketing-Studiums an der Universität von Damaskus arbeitete er ab 2003 im Ausland, u.a. im Sudan. Als die Arabellion in Tunesien und Ägypten ausbrach, kündigte Omar al-Khani seine Stelle und kehrte zu seiner Familie nach Syrien zurück - in der Hoffnung, auch in seinem Land einen politischen Wechsel erkämpfen zu können. Heute arbeitet er als Journalist und Fotograf für verschiedene ausländische Nachrichtensender von Syrien aus, seine Fotos sind u.a. in der Times, New York Times und The Guardian zu sehen.

Wie schwierig ist es derzeit, in Syrien journalistisch zu arbeiten?
Omar al-Khani: Kurz nachdem ich nach Syrien zurückgekehrt bin, nahm ich an einer Demonstration in der Nähe des Innenministeriums teil um mich für die Freilassung von politischen Häftlingen einzusetzen. Gemeinsam mit Freunden nahm ich Film- und Fotomaterial von Inhaftierten, Verletzten und Märtyrern auf, um es verschiedenen Medien zukommen zu lassen. Wir haben auch selbst Demonstrationen organisiert, Flyer gedruckt und Slogans auf Wände gesprüht, um mehr Menschen auf die Straßen zu holen. Dafür wurde ich kurz darauf vom Sicherheitsdienst zwei Wochen lang festgenommen. Alle unsere Aktionen waren aber in keiner Weise gewalttätig und forderten lediglich Gerechtigkeit ein.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Ich berichte den ausländischen Medien und Regierungen von unserer Situation und den aktuellen Entwicklungen. Ebenso unterstütze ich syrische Journalisten, helfe ihnen bei Berichten und Übersetzungen. Seit 2012 arbeite ich als Pressefotograf für Reuters, und meine Fotos sind mittlerweile weltweit zu sehen. Ich habe außerdem gerade meinen ersten Dokumentarfilm über das vergangene Jahr in Damaskus und den Vororten fertig gestellt.

A Syrian girl rides her bicycle in an almost deserted street in the Teshrin neighborhood of the Qabun area in Damascus on January 3, 2013. US troops began arriving in Turkey to man Patriot missile batteries against threats from neighbouring Syria, where the 21-month conflict between the regime and rebels has escalated (Foto: OMAR AL-KHANI/AFP/Getty Images).

Die Fotos von Omar al-Khani zeigen den tristen Alltag in Syrien


Ist es möglich, Menschen auf der Straße zu interviewen?
In manchen befriedeten Gegenden, die nicht unter der Kontrolle des Regimes stehen, ist es möglich. Allerdings sind die meisten Menschen viel zu verängstigt, um Interviews zu geben.

Wie kommen Sie an Ihre Informationen?
Vor allem mit Hilfe der Sozialen Medien. Ich bin Mitbegründer der Facebook-Seite "Free Qabon" und unsere Mitglieder sind über das ganze Land verteilt. Außerdem bekommen wir viele Emails von Augenzeugen.

War es schwierig für Sie, am Workshop in Istanbul teilzunehmen?
Das war eine sehr schwierige Reise. Ich konnte natürlich nicht die offizielle Route über die Checkpointe der Assad-Armee nehmen. Ich musste einen großen Umweg fahren, um zu einem Grenzübergang zu kommen, der nicht unter der Kontrolle des Regimes ist. Dort können wir ohne Dokumente passieren - die türkische Regierung ist sehr hilfsbereit.

Wie hat Ihnen der Workshop gefallen?
Ich fand ihn ungemein nützlich. Ich habe sehr viel Neues gelernt, insbesondere hinsichtlich der Grundlagen für einen professionellen TV-Beitrag. Auch viele Details sind uns vermittelt worden wie die richtigen Lichtverhältnisse oder der Umgang mit Ton - wir können jetzt eigenständig unsere eigenen Beiträge produzieren. Meine Kenntnisse in TV-Journalismus zu vertiefen - das wollte ich schon so lange. Die DW Akademie ist diesbezüglich weltweit die beste Adresse, und für mich war dieser Workshop eine große Chance.

Members of the Free Syrian Army hold their rifles as they secure a street in the Damascus suburb of Saqba August 17, 2012. Syria's government and rebels have chosen the path of war, a U.N. peacekeeping chief said as the world body ended its doomed monitoring mission to Damascus and deadlock persists among world powers over how to contain the spreading conflict. (Foto: REUTERS/Omar al-Khani).

"Für meine Fotos bin ich oft mitten in der Gefechtszone und stehe dann nicht selten selbst unter Beschuss."


Wie gefährlich ist es derzeit, als Fotograf und Journalist zu arbeiten?
Sehr gefährlich, besonders als Fotograf. Für meine Fotos bin ich oft mitten in der Gefechtszone und stehe dann nicht selten selbst unter Beschuss. Aber es zwingt mich keiner dazu, ich habe mich dafür entschieden, weil ich daran glaube, dass meine Arbeit wichtig ist.

Wenige Tage nach dem Workshop der DW Akademie in Istanbul ist Mohammed Al-Khalf, einer der Teilnehmer, bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen.
Es ist wirklich sehr schwer für mich, erneut einen Freund zu verlieren. So viele meiner Freunde und Kollegen sind bereits ums Leben gekommen.

Was ist bezüglich der aktuellen Situation ihre größte Sorge?
Es wird wohl noch sehr lange dauern, bis wir in dem Land leben, von dem wir alle träumen. Die Revolution dauert schon so lange an und es ist auch schon so viel Blut geflossen.

Was erwarten Sie von der internationalen Gemeinschaft?
Seit zwei Jahren bekommen wir nur Lippenbekenntnisse zu hören. Bislang hat niemand ernsthaft vor, uns zu helfen. Es scheint, als ob die internationale Gemeinschaft mit der Situation, wie sie jetzt ist, zufrieden oder einverstanden ist.

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