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Deutschlehrer-Info

Syrer im Deutsch-Fieber

Nach vier Jahren Krieg wollen viele Syrer nur noch raus aus ihrem Land. Ihr Ziel in den meisten Fällen: Deutschland. In der Hoffnung, dort ein neues Leben beginnen zu können, belegen sie schon in der Heimat Deutschkurse.

Vor dem Krieg bot das Goethe-Institut in Syriens Hauptstadt Damaskus Deutschkurse an, doch seit 2012 ist es geschlossen. Bis dahin konnten junge Syrer hier die notwendigen Sprachkenntnisse erwerben, die nötig sind, um ein Studentenvisum für Deutschland zu bekommen. "2011, vor Beginn der Krise, haben wir etwa 6500 Visa pro Jahr ausgestellt", erzählt ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Libanons Hauptstadt Beirut, die auch für Syrien zuständig ist. Mit so einem Papier in der Tasche konnte man ohne Probleme in ein Flugzeug nach Frankfurt steigen.

Große Nachfrage nach Deutschkursen

Für die meisten Flüchtlinge bleibt ein Visum allerdings ein Traum. Sie schlagen sich auf illegalen Wegen zu Land und zu Wasser bis zur deutschen Grenze durch. Deutschkenntnisse wollen sie trotzdem im Gepäck haben. In die Lücke, die die Schließung des Goethe-Instituts hinterlassen hat, sind deshalb 25 private Sprachschulen gesprungen. Die Nachfrage ist riesig: Im „Ibn Sina-Zentrum“ hat man sogar alle Englischkurse gestrichen und durch Deutschkurse ersetzt. „Vor drei Jahren haben wir im Monat fünf Deutschklassen unterrichtet, jetzt sind es 15, und die Zahl der Deutschlehrer haben wir von drei auf acht erhöht“, berichtet Schulleiter Mohammed el Omari. Im Klassenraum hängen große Deutschlandkarten.

Hoffen auf ein Studentenvisum

Unter den Schülern sitzt auch der 26-jährige Arzt Mumen Sarsur. Er träumt davon, eines Tages als Internist in einem deutschen Krankenhaus zu arbeiten. „Ich habe mich über drei Länder erkundigt“, sagt er, „Deutschland, Großbritannien und die USA. Und ich denke, Deutschland bietet die besten Bedingungen für Ärzte.“ Nicht nur die Sprachkenntnisse muss er für das erhoffte Visum nachweisen, sondern auch 8200 Euro zur Finanzierung des Studiums.

Zwei Flüchtlinge mit Gepäck gehen an einem Schild mit der Aufschrift Germany und der Abbildung einer deutschen Flagge vorbei.

Traumziel für viele Syrer

Noch gilt Damaskus, die Heimatstadt des jungen Arztes, im Vergleich zu anderen Regionen Syriens als relativ sicher; dennoch kann er es kaum erwarten, seiner Heimat den Rücken zu kehren. Wie Mumen Sarsur denken auch viele andere. Büros für Übersetzer vom Arabischen ins Deutsche können sich vor Anfragen kaum retten; Urkunden, Belege, Ausweise – alles soll vorbereitet sein, wenn es auf die lange Reise nach Deutschland geht.

Auch der Student Ahmed al-Aschkar büffelt seit Monaten fleißig Deutsch. "Alle meine Freunde sind schon weg. In Damaskus zu bleiben fühlt sich an, als sei man im Exil", sagt er. Ahmed hatte bereits 2014 ein Visum beantragt - erfolglos. Durch den Kurs hofft er, das geforderte Sprachniveau zu erreichen. "Wenn sie den Visumantrag wieder ablehnen, dann versuche ich's übers Meer", sagt er. "Auf dem Meer besteht die Gefahr zu sterben. Aber wenn ich hierbleibe, komme ich ganz sicher um."

suc/mk (mit afdp)

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