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Kultur

Synode ohne Sensationen

"Zwei Schritte vor, einen zurück": So beschreibt der Münchner Kardinal Reinhard Marx den Debattenverlauf bei der Familiensynode im Vatikan. Sensationelle Neuerungen? Fehlanzeige!

Außer Spesen nichts gewesen? So weit wollte der Münchner Kardinal Reinhard Marx in seiner Einschätzung nicht gehen. Doch konnte er kaum verhehlen: die Abschlusserklärung der Synode zu Ehe, Familie und Sexualität bleibt hinter deutschen Erwartungen zurück. "Das Glas ist halbvoll" – fasst Marx zusammen. Hinter den Synodalen lägen spannungsreiche und spannende Tage in Rom – das zeigten die Abstimmungsergebnisse über Einzelthemen der sogenannten Relatio, des Abschlusspapiers, über das die Synodalen nach vielen Debatten am Samstag zu befinden hatten.

Mindestens fünf Punkte bleiben strittig und erhielten nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit der Synodalenstimmen. Dazu zählen der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, mit Homosexualität und die pastorale Begleitung von Menschen in "irregulären Situationen". Allesamt "schwierige Themen", so Marx, weil sie in den verschiedenen Weltgegenden jeweils unterschiedlich betrachtet würden. "Mit dem Ergebnis müssen wir jetzt leben", bilanziert der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Deutschlands Katholiken hatten sich mehr erhofft.

Zwischenbericht deutlich verändert

So ist vom streitbaren Aufbruch der ersten Sitzungswoche nicht viel geblieben. Viele Oberhirten hatten deutliche Veränderungen am Familienbild der katholischen Kirche verlangt. Der ungarische Kardinal Peter Erdö hatte die Forderungen in seinem am Montag veröffentlichten Zwischenbericht geschrieben. Damit deutete sich eine neue Haltung gegenüber Homosexuellen an. Diese könnten die Kirche mit ihren "Gaben und Eigenschaften" bereichern, hieß es. Beobachter sprachen schon von einem neuen Ton der Kirche. Doch Konservative kritisierten, das Papier gehe zu weit.

Der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx (Foto: dpa)

Der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx

Über Homosexualität heißt es in dem neuen Textvorschlag, dass gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften nicht mit einer Ehe gleichgesetzt werden dürften. Zugleich wird darin gefordert, Personen mit homosexueller Veranlagung mit "Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen und zu behandeln" und eine "ungerechte Diskriminierung" zu vermeiden. Im wesentlichen zitiert der betreffende Absatz eine frühere Äußerung der vatikanischen Glaubenskongregation zu homosexuellen Lebensgemeinschaften. Über wiederverheiratete Geschiedene heißt es dass eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion unter bestimmten Voraussetzungen weiter geprüft werden solle.

Die Synoden-Ratio sei kein lehramtlicher Text, betont Marx nun, sondern ein Etappentext, der weitergeführt werden müsse. "Und er wird erst verbindlich, wenn der Papst etwas dazu sagt!" Das sei bisher nicht der Fall. Auch müssten die Bischofskonferenzen die lehramtliche Verantwortung für ihre Länder wahrnehmen.

Zwei Wochen lang hatte die Synode über Ehe und Familie in der Synodenaula des Vatikan getagt. Zuvor hatte ein im vergangenen Winter vom Vatikan verschickter Fragebogen ergeben, dass viele Katholiken die kirchliche Lehre nicht mehr im Einklang mit ihrer modernen Lebenswirklichkeit sehen. Papst Franziskus, der mehr "Barmherzigkeit" für Homosexuelle und Geschiedene fordert, hatte denn auch an die Synodenteilnehmer appelliert, sich dieser Erkenntnis zu stellen und offen zu diskutieren.

Laien berichteten über ihr Familienleben

So kam es, dass sogar Laien zum Teilenehmerkreis zählten: Katholische Paare berichteten aus ihrem Eheleben. Die deutsche Synodenteilnehmerin Ute Eberl forderte die Kirchenmänner auf, sich doch "in die Wohnzimmer der Gläubigen zu setzen und zu hören, wie es den Familien geht", statt über die Vorgänge im Schlafzimmer zu urteilen.

Dies alles soll jetzt ein Jahr lang in den Bischofskonferenzen und lokalen Kirchen rund um den Globus diskutiert werden. Im Herbst 2015 steht dann die Ordentliche Synode in Rom an. Auf der Agenda wiederum: das Familienbild der Katholischen Kirche.

Aus Sicht der deutschen Synodenteilnehmerin Ute Eberl aus Berlin wollte der Papst vor allem einen Dialogprozess anstoßen: "Das ist ihm mit Note eins gelungen!" Die Internationale Laienbewegung "Wir sind Kirche" lobt in einer ersten Reaktion "einen für die gesamte Kirche überfälligen, breiten und offenen Dialogprozess", der mit der Synode eingeleitet worden sei. Der sei nun nicht mehr zu stoppen. "An der Diskussion der Synodenergebnisse müssen auch theologische Wissenschaftler und vor allem das Kirchenvolk beteiligt werden", fordert der Sprecher der Laienbewegung, Christian Weisner.

In seiner Abschiedsansprache im Vatikan machte Papst Franziskus schließlich noch einmal deutlich, was er von den Bischöfen seiner Kirche erwartet - bei den Menschen zu sein. Sein eigenes Amtsverständnis umriss der Pontifex so: "Der Papst ist der Garant der Einheit der Kirche. Ich bin der Papst. Und ich bin hier."

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