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Afrika

Syndikate machen Jagd auf bedrohte Tiere

Südafrikas Artenschützer sind schockiert. Denn offenbar machen Syndikate im großen Stil Jagd auf vom Aussterben bedrohte Tiere. Die Wilderer haben es besonders auf Leoparden und Nashörner abgesehen.

Ein gefangener Leopard mit Blessuren und Wunden am Kopf, die eine Leopardenschutzorganisation in Südafrika gerettet hat (Foto: 'Leopard Conservation Project')

Gefangener Leopard mit Blessuren am Kopf

Nachdem ein mutmaßliches Nashorn-Syndikat im September 2010 aufgeflogen ist, versuchen die südafrikanische Regierung und Tierschutzbehörde gemeinsam die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Vor allem Nashörner und Leoparden werden skrupellos gejagt, niedergemetzelt und weltweit gewinnbringend verhökert. Allein in diesem Jahr wurden in Südafrika über 250 Nashörner wegen ihres Horns getötet, 200 mal mehr als in den Vorjahren.

Noch viel schlimmer stehe es um die Wilderei auf Leoparden, meint Südafrikas einzige Organisation, die sich um Leopardenschutz kümmert, das "Leopard Conservation Project". Der Diebstahl der Tiere falle nicht weiter auf, sagt Artenschützer Fred Berrange, da die meisten Leoparden wild auf Farmland lebten und keiner genau wisse, wie viele Katzen es überhaupt gibt.

Farmer machen Verluste

Ranger Fred Berrange von der Leopardenschutzorganisation 'Leopard Conservation Project' mit einem geretteten Leoparden (Foto: 'Leopard Conservation Project')

Fred Berrange mit gerettetem Leoparden

"Die Wilddiebe bauen die Käfige selber, stellen sie auf Farmen ab und bieten den Farmern eine Belohnung von rund 500 Euro pro Tier", so Berrange. Die meisten Farmer nehmen das Geschäft gerne an, da Leoparden, so argumentieren sie, ihr Wild und Vieh reißen. Farmer Anton Lid rechnet vor, dass er durch einen Leoparden rund fünf Kälber in sechs Monaten verliere. Das seien rund 2400 Euro. "Mir geht da richtig Geld flöten", sagt Lid, denn zusätzlich verliere er noch eine Impala-Antilope pro Woche an die Großkatze.

Der Farmer gibt zu, dass er früher einfach kurzen Prozess gemacht habe: er habe Leoparden auf seiner Farm schlicht abgeschossen und verscharrt oder als Trophäe aufgehängt. Bis er von Fred Berrange mehr über die vom Aussterben bedrohten Katzen erfuhr. Illegalen Handel habe er aber nie betrieben, so Lid, denn "wenn das jeder machen würde, dann haben wir bald keine Leoparden mehr."

Lukratives Geschäft

Leopardenkopf (Foto: 'Leopard Conservation Project')

Leopardenkopf

Für die operierenden Wilddiebe aber lohnt sich das Geschäft mit den vom Aussterben bedrohten Leoparden. Sobald ein Tier gefangen ist, wird ein Jäger, meist aus den USA oder Europa eingeflogen, der das seltene Tier erschießen darf und dafür 1500 bis 4000 Euro bezahlt, je nach Größe des Leoparden. Danach werden die Trophäe oder Fell, Knochen, Zähne und andere Einzelteile des Leoparden noch mal für bis zu 20 000 Euro vor allem wegen ihrer angeblichen Heilkräfte nach Asien verkauft.

Jedes Jahr, schätzt Fred Berrange, würden allein in Südafrika über 1000 Leoparden illegal geschossen, vergiftet oder gewildert. "Sie werden problemlos außer Landes geschmuggelt", sagt Fred, weil sie leicht in einer legal geschossenen Trophäe wie zum Beispiel einer Antilope versteckt werden könnten.

"Wilderer jagen uns unsere vom Aussterben bedrohten Tierarten weg", schimpft auch der Wildfarmer Ed Hern. Ihm wurden allein in diesem Jahr drei Nashörner mit Maschinengewehren niedergemetzelt und enthornt. "Das Geld, das sie für Hörner kriegen ist einfach zu attraktiv“, seufzt Hern. Daher befürchtet er, dass die Syndikate so lange weiterwildern, "bis Südafrikas einzigartige Nashorn-Population ausradiert ist". Für ein Horn bekommt man in China rund eine Million US-Dollar. Deshalb setzen Südafrikas Wilddiebe Hubschrauber, Maschinengewehre, teure Nachtsichtgeräte und schusssichere Westen ein. "Die können sich das leisten, weil es um viel Geld geht", so der engagierte Tierschützer Hern.

Staatlicher Schutz ?

Getötetes Nashorn mit entferntem Horn in Südafrika (Foto: 'lion and rhino park')

Getötetes Nashorn mit entferntem Horn in Südafrika

Die Regierung sei bislang viel zu nachlässig mit Wilderern umgegangen, meint Fred Berrange. Doch nachdem hunderte Nashörner in kurzer Zeit gewildert wurden, scheint der Staat wachgerüttelt. "Sie nehmen jetzt die Spitze des Eisbergs wahr", so Berrange. Er glaubt, dass die Wilddiebsyndikate in weitaus größerem Umfang operieren als bisher erahnt.

Problem erkannt?

Offenbar wurde der Artenschutz in Südafrika bislang nicht ernst genug genommen, nicht strikt genug kontrolliert und Vergehen nicht entsprechend harsch geahndet. Wanda Mkutshulwa von Sanparks, der Behörde, die Südafrikas Nationalparks betreut, versichert jedoch, dass das Problem erkannt sei: die Polizei arbeite jetzt eng mit ihren Rangern zusammen und alle betrachteten Wilderei inzwischen als sehr ernst zu nehmendes Vergehen. Kürzlich wurde ein Vietnamese am Flughafen festgenommen, weil er versuchte, acht Hörner aus dem Land zu schmuggeln. Er wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. "Das heißt, unser Land signalisiert sehr eindeutig, dass wir nicht bereit sind, so etwas zu tolerieren", sagt Mkutshulwa.

Wildfarmer Ed Hern, der außerhalb von Johannesburg einen Löwen- und Nashornwildpark betreibt, bezeichnet das als einen "Tropfen auf den heißen Stein". Es müsse doch vor allem die Nachfrage nach Nashorn-Hörnern gestoppt werden. Zwischen den Regierungen in Asien und Südafrika sollte es entsprechende Abkommen geben. "Unsere Regierung muss China sagen: stoppt den Import von Nashorn-Hörnern! Aber das macht sie natürlich nicht, weil China zu wichtig ist für unsere Politiker.“

Autorin: Dagmar Wittek

Redaktion: Klaudia Pape