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Kultur

Synchronisierte Lebenswelten

Auf der Kanareninsel Teneriffa treffen Schüler der Deutschen Schule Teneriffa auf afrikanische Flüchtlingskinder – und tanzen gemeinsam Choreographien von Royston Maldoom und Tamara McLorg.

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Die Jüngsten sind gerade mal 6 Jahre alt

Plötzlich wird es still. Mucksmäuschen still. Dort wo vorher noch emsiges Treiben herrschte, wo Kinder durcheinander hüpften, tobten und kreischten, kehrt jetzt Ruhe ein. Konzentriert suchen sich die Kinder ihren Platz. Ein letztes Mal ertönt die Stimme von Royston Maldoom: „Concentration“!

Aufwärmen, dann noch einmal die wichtigsten Tanzschritte und Hebefiguren durchgehen, schließlich steht die Premierenaufführung im Auditorium von Teneriffa an. Elisa steht in der dritten Reihe und ist hoch konzentriert. Getanzt hat die 16-Jährige schon vorher, neu ist für die Zehntklässlerin die Gruppenerfahrung: „Du musst der Gruppe zuhören, sie spüren, eins mit ihr werden. Dann ist es so, als ob alle im Tanz eine Person werden“.

Tanzen für mehr Integration

Das Auditorium von Teneriffa.

Für das Tanzprojekt hat die Inselregierung die Konzerthalle und das Symphonieorchester Teneriffa zur Verfügung gestellt

Auch Kamé aus Mali ist mittendrin, übt mit den anderen Kindern noch ein letztes Mal seine Hebefigur. Eins, zwei, drei und hoch. Kamé ist seit einem Jahr auf Teneriffa, in einem Holzboot kam er auf die Kanareninsel. Vier Tage hat sie gedauert, die Überfahrt, seine Familie musste er in Mali zurücklassen. Jetzt lebt Kamé wie Tausende andere afrikanische Jugendliche in einem Auffanglager auf Teneriffa, hat Schulunterricht, lernt Spanisch, wird gut betreut. Aber der Kontakt zu Kindern außerhalb des Lagers, der habe ihm vorher gefehlt.

Der 13-Jährige ist eines von 35 afrikanischen Flüchtlingskindern, die zusammen mit 185 Kindern der Deutschen Schule Teneriffa tanzen. Initiiert wurde das Projekt von Ulla Camin, Leiterin der Grundschule: "Als die afrikanischen Kinder zur ersten Probe rein kamen, waren sie ganz schüchtern, fast beschämt. Und während der Probe kam so ein Lachen auf. Das war ein irrer Moment. Richtig bewegend."

Selbstbewusstsein und Mut

Kinder der Deutschen Schule Teneriffa und ein afrikanisches Flüchtlingskind üben eine Hebefigur.

Bitte gut festhalten

Drei Wochen lang, sechs Stunden täglich haben Royston Maldoom und Tamara McLorg mit den Schülern gearbeitet und Tanzabläufe einstudiert. In den Pausen haben die Kinder zusammen Fußball gespielt. „Ich hoffe, dass sie durch das Tanzen ihr enormes Potenzial entdecken, Selbstvertrauen gewinnen und sich für Neues öffnen“, sagt Royston Maldoom.

Community Dance, das ist Schwitzen, Hochheben, Laufen, Springen zugleich. Das sind synchronisierte Lebenswelten. Die Inselregierung bezeichnet "Grandes Pasos – große Sprünge" als das wichtigste soziale und kulturelle Projekt des Jahres. Teneriffas Finanzminister Victor Manuel Pérez Borrego setzt große Hoffnungen in den Community Dance: "Es zeigt, dass der Tanz, die Musik und die Kunst ein Mittel der sozialen Integration junger Immigranten sein kann." Der Finanzminister will alles dafür tun, dass ähnliche Projekte folgen. Und auch Ulla Camin von der Deutschen Schule Teneriffa freut sich schon darauf.

"Wir sind Freunde"

Kinder tanzen auf einer Bühne.

Gemeinsam tanzen zu Musik von Philip Glass

Maldoom und MacLorg bemühen sich darum, dass das, was durch ihre Arbeit entstanden ist, weitergeführt wird. "Es macht keinen Sinn, Hoffnungen zu schüren und dann einfach wegzugehen, als wäre nichts geschehen", sagt Maldoom. Konkrete Gespräche und Planungen laufen bereits, lokale Choreographen sollen ausgebildet werden und die weitere Projektarbeit übernehmen. Kamé stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Anstrengend war sie, die letzte Probe vor der Aufführung. "Somos Amigos", Freunde seien sie geworden in den letzten drei Wochen, die Kinder der Deutschen Schule Teneriffa und er. In fünf Jahren ist der Junge aus Mali volljährig, dann darf er das Auffanglager für afrikanische Flüchtlingskinder verlassen. Darauf freut er sich. Schließlich kenne er dann schon Leute.

Autorin: Viktoria Will

Redaktion: Sabine Oelze

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