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Kultur

Symbol des Überlebens

Die Jüdische Gemeinde zu Leipzig war einmal die sechstgrößte in Deutschland. Bis die Nazis sie fast komplett zerstörten. Heute hat sie wieder über 1000 Mitglieder und nach langem Streit ein neues Gemeindezentrum.

Rede vor dem neuen Begegnungszentrum der jüdischen Gemeinde Leipzig

Feierliche Eröffnung

Es ist ein warmer Frühlingstag in diesem Mai 2009, und Küf Kaufmann strahlt mit der Sonne um die Wette. Acht Jahre hat der Vorsitzende der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig darauf warten müssen, bis er die Türen des neuen jüdischen Begegnungszentrums öffnen konnte. Ganz weit, wie er betont, nicht nur für Gemeindemitglieder, sondern für alle Leipziger, "egal an welchen Gott sie glauben". Das Haus soll Berührungsängste abbauen, "wir möchten hier in Leipzig keine Exoten sein und unter uns bleiben, sondern ein Teil dieser Stadt sein", erklärt Gemeindevorstand Kaufmann. Proteste gegen Juden

Eröffnungsfeier mit Chor im neuen Begegnungszentrum der jüdischen Gemeinde Leipzig

Platz für Veranstaltungen

Im Vorfeld hatte es jede Menge Streitigkeiten gegeben. Jahrelang konnte nicht gebaut werden, weil Nachbarn gegen das Haus geklagt hatten. Offiziell gegen verschiedene Baubestimmungen und aus Angst vor Anschlägen, inoffiziell wollten einige Nachbarn die jüdische Gemeinde einfach nicht in ihrem Waldstraßenviertel haben. "Es wurde sogar gesagt: wir wollen keine Juden hier haben", erzählt Rolf Isaacsohn, der ehemalige Vorsitzende der Gemeinde. Am Ende haben sie vor Gericht gewonnen.

Integration als Hauptaufgabe

Das neue Begegnungszentrum besteht aus drei Teilen. Im Vorderhaus ist eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses aufgebaut, in den oberen Stockwerken befinden sich die Vereinsräume. Der Mittelbau ist eine unterirdische Aula, mit viel Platz für religiöse Veranstaltungen. Im Hinterhaus wird es schon bald Tanzkurse und Konzerte geben.

Gäste bei der Eröffnungsfeier des neuen Begegnungszentrums der jüdischen Gemeinde Leipzig

Charlotte Knobloch mit Eröffnungsgästen

Doch das Wichtigste soll die Integration der neuen Gemeindemitglieder sein, denn 90 Prozent stammen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. Sie sollen in der Leipziger Begegnungsstätte eine neue Heimat finden.

Ein Haus mit Geschichte

Das neue Begegnungszentrum, das sogenannte Ariowitsch-Haus ist kein Neubau, sondern ein vierstöckiges Gebäude aus den 1930er Jahren. Gebaut wurde es als jüdisches Altenheim, gestiftet von der Familie Ariowitsch. 1942 deportierte die Gestapo die Bewohner und Angestellten des Heims ins Konzentrationslager Theresienstadt. Nur wenige kehrten nach dem Krieg zurück. Noch 1989 zählte die jüdische Gemeinde Leipzig nicht mehr als 35 Mitglieder, heute sind es 1300. Das neue Zentrum mit seiner ambivalenten Geschichte sei "ein Symbol des Überlebens", sagt Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden. Und eine große Chance, Neugier für die jüdische Kultur zu wecken, sich auszutauschen und Toleranz zu üben.

Autor: Ronny Arnold

Redaktion: Marlis Schaum