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Kultur

Sylter im Clinch mit der Bahn

Die Preispolitik der Deutschen Bahn bringt die Sylter auf die Barrikaden. Künftig sollen nämlich nur noch Kunden, die ihren ersten Wohnsitz auf der Insel haben mit dem günstigen „Sylt-Tarif“ fahren dürfen.

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Ärger im Idyll

Die Bahnlinie zwischen dem Festland und der Insel Sylt ist für die Deutsche Bahn AG bundesweit eine der lukrativsten Einnahmequellen. Knapp eine halbe Million Fahrzeuge transportieren die Autozüge pro Jahr von und nach Sylt, hinzu kommen noch die Personenzug-Verbindungen. Doch am Hindenburgdamm scheiden sich immer wieder die Geister: Die Sylter liegen mit der Bahn regelmäßig im Clinch und werfen dem Unternehmen vor, seine Monopolstellung auszunutzen.

"Sylt-Tarif" nur für Kunden mit Erstwohnsitz

Aktueller Stein des Anstoßes: Die Bahn gewährt den günstigen "Sylt-Tarif" für den Autozug seit Jahresbeginn nur noch jenen Kunden, die ihren ersten Wohnsitz auf der Insel haben, und nicht länger Haltern, die ihr Fahrzeug auf der Insel zugelassen haben. Diese Neuregelung hat nicht nur zahllose Zweitwohnungsbesitzer, Unternehmer und Verbände auf den Plan gerufen, sondern in der Praxis auch groteske Züge angenommen. Wer den "Sylt-Tarif" in Anspruch nehmen will, muss jetzt nicht nur die Fahrzeugpapiere, sondern auch den Personalausweis vorlegen. Mehr noch: Sind der Fahrzeughalter und der Fahrer nicht identisch, so muss beispielsweise eine Ehefrau am Abfertigungsschalter glaubhaft machen, dass sie mit dem Halter verheiratet ist.

Tarifänderung hat gravierende Folgen

Nicht nur für die zahlreichen Zweitwohnungsbesitzer, sondern auch für die Sylter selbst hat die Änderung der Tarife gravierende Folgen. Rolf Olsson, Inhaber eines Transportunternehmens, klagt: "Unsere Fahrzeuge sind täglich vom Festland nach Sylt unterwegs. Durch die neuen Bestimmungen würden wir jährlich 320.000 Euro statt bislang 180.000 Euro an Fahrtkosten über den Damm bezahlen. Also müssten wir zwangsläufig Fahrten und Personal einsparen." Auch die Sylter Taxiunternehmen, die regelmäßig Krankentransporte zum Festland übernehmen, verhandeln derzeit mit der Bahn.

Bahn gerät nicht zum ersten Mal in die Kritik

Verlustgeschäft

Die Deutsche Bahn AG weist die Kritik zurück. "Wir sind uns bewusst, dass wir uns mit dieser Entscheidung nicht nur Freunde machen. Allerdings war diese Regelung aus wirtschaftlicher Sicht unumgänglich", sagt Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. "Es ist gerechter, wenn wirklich nur diejenigen, die auf der Insel wohnen, in den Genuss des 'Sylt-Tarifs' kommen." Die Bahn sei zu diesem Schritt gezwungen worden, da sich die Zahl der auf Sylt zugelassenen Fahrzeuge innerhalb der vergangenen zwei Jahre um 35 Prozent erhöht habe, betont Peter Schumann von DB Autozug.

Die Deutsche Bahn steht auf Sylt nicht zum ersten Mal im Kreuzfeuer der Kritik. So monierte der Fremdenverkehrsausschuss der Industrie- und Handelskammer Flensburg erst vor wenigen Monaten das veraltete und verschmutzte Wagenmaterial, Verspätungen und Überfüllungen der Personenzüge. Im vergangenen Sommer waren Hunderte von Sylt-Pendlern aufgrund heillos überfüllter Züge auf die Barrikaden gegangen.

Verkehrskollaps in Westerland

Zuletzt erregte die Bahn nach dem Jahreswechsel den Unmut ihrer Kunden. Am 2. Januar war es in Westerland zu einem regelrechten Verkehrskollaps gekommen. Bis zu vier Stunden mussten die Urlauber während der großen Abreisewelle nach Silvester ausharren, ehe die Fahrzeuge verladen wurden. Die kilometerlange Warteschlange hatte die Westerländer Innenstadt fast den ganzen Tag über blockiert. ddp/(pg)