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Asien

Sydney trauert: "Das Herz der Stadt ist gebrochen"

Das Geiseldrama mitten im Herzen von Sydney hat die Bewohner der australischen Metropole aufgewühlt. Nicht nur die Titelseiten der australischen Zeitungen einen Tag nach dem Ende der blutigen Geiselnahme sprechen Bände.

"Das Böse hat unser Herz getroffen" titelt die Tageszeitung "Daily Telegraph Sydney". Und "Australian Newspaper" schreibt: "Eine entsetzliche, eine hässliche Tragödie". Der "Guardian Sydney" befürchtet, dass das Geiseldrama von den Gesetzgebern instrumentalisiert werden könnte und fordert: "Die Belagerung in Sydney sollte nicht drakonische neue Anti-Terrorismus-Gesetze rechtfertigen". Die Titelfotos der Zeitungen zeigen zumeist den Tatort der Geiselnahme, den mitten im Zentrum gelegenen Martin Place, der zu einem Ort des Gedenkens geworden ist.

"Viele Menschen versammeln sich jetzt vor dem Cafe Lindt, in dem das Geiseldrama stattfand, und das Blumenmeer wächst im wahrsten Sinne des Wortes", bestätigt der ABC-Nachrichten-Reporter Steve Chase im Interview mit der Deutschen Welle. Gerade die Einwohner von Sydney und insbesondere diejenigen, die in diesem Viertel arbeiten, fühlten sich emotional sehr betroffen, weil der Platz und das Café für sie ein beliebter und stark frequentierter Platz sei. "Sie können nicht glauben, dass so etwas im Herzstück ihrer Stadt passieren konnte, das normalerweise so friedlich ist", so Chase.

„Die Hölle hat uns berührt“

Ein besonderes Zeichen setzte an diesem Ort der Katastrophe ein 19jähriges Mädchen. "Sie hatte ihre Gitarre dabei und begann, vor dem Blumenmeer das Lied "Amazing Grace" zu singen und versuchte, die Menschenmenge dazu zu bewegen, mitzusingen", erzählt Chase. Anschließend habe sie sich an die versammelten Medienvertreter gewandt und gesagt, dass so etwas nicht in Sydney passieren sollte, "weil wir so stolz auf unser Land sind."

Trauernde trösten sich am Ort des Geiseldramas (Foto: Mark Metcalfe/Getty Images)

Trauernde trösten sich am Ort des Geiseldramas

Die Betroffenheit und die Stimmung der Menschen beschreibt Sydneys Erzbischof Anthony Fischer bei einer Trauermesse so: "Das Herz der Stadt ist gebrochen, die Hölle hat uns berührt". Das Verbrechen habe die Leichtigkeit des Lebens in Sydney radikal verändert, so Fischer. Gleichzeitig rief er zur Besonnenheit auf.

Der "Sydney Morning Herald" sieht die Geiselnahme sowohl als Prüfung für jeden einzelnen Australier als auch für die zivile und demokratische Gesellschaft im Ganzen. "Wir leben in einem Land mit überwältigender Einwanderungsgeschichte, dennoch muss die Menschlichkeit über den Rufen nach Ausgrenzung und Verfolgung stehen. Wenn wir Antworten auf die Geiselnahme finden wollen, müssen wir ruhig bleiben", rät die australische Zeitung. Und das ist schwer genug, denn die australische Gesellschaft sei aufgewühlt, berichtet ABC Nachrichtenmann Chase. Er beschreibt die momentane Gefühlslage knapp mit den Worten: Viel Gefühl und viel Empörung.