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Wirtschaft

Swissair-Prozess: Freisprüche für alle Angeklagten

Alle angeklagten Manager der 2001 in Insolvenz gegangenen Schweizer Fluglinie Swissair sind vom Vorwurf des geschäftsschädigenden Managements freigesprochen worden. Sie bekommen Prozess-Entschädigung.

Flugzeuge bei Swissair-Symbolen

Einst ein Symbol für Schweizer Zuverlässigkeit (Archiv)

Das Bezirksgericht in Bülach bei Zürich folgte in seinem Urteil am Donnerstag (7.6.07) in keinem Punkt den Anträgen der Kläger. Die Staatsanwaltschaft hatte der Führung der einstigen Nationalen Schweizer Fluggesellschaft in einem mehr als zwei Monate langen Prozess Konkursverschleppung, ungetreue Geschäftsführung sowie Gläubigerschädigung vorgeworfen. Der Richter urteilte, dass die von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten unternehmerischen Fehler nicht bewiesen werden könnten oder nicht vor Gericht relevant seien. Nun erhalten die 19 Angeklagten, darunter zahlreiche Schweizer Top-Manager, teils sechsstellige Summen als Prozessentschädigung.

Millionen-Entschädigung

Allein Ex-Swissair-Chef Mario Corti bekommt umgerechnet 300.000 Euro für die durch den Prozess entstandenen Nachteile. Auch die anderen Angeklagten erhielten teils hohe Entschädigungen. Darunter waren Cortis Vorgänger Philipp Bruggisser und Ex-Crédit-Suisse-Chef Lukas Mühlemann, der als damaliger Verwaltungsrat von Swissair angeklagt war. Auch der Schweizer Milliardär Thomas Schmidheiny erhält eine hohe Prozessentschädigung. Die Staatsanwalt hatte Bußgelder von bis zu 620.000 Euro und Haft ohne Bewährung für Corti gefordert. Gegen das Urteil kann binnen zehn Tagen Berufung eingelegt werden.

Tausende verloren ihren Job

Die Anklage hatte den Swissair-Verantwortlichen vorgeworfen, das Unternehmen fahrlässig in die Pleite geführt zu haben. So hatte die Swissair etwa in den Jahren vor dem Zusammenbruch neue Airlines im Ausland übernommen. Im Jahr 2001 teilte Swissair dann plötzlich mit, dass sie auf einem Schuldenberg von umgerechnet rund elf Milliarden Euro sitze. Die Airline schlitterte binnen weniger Monate in den Bankrott und im Oktober mussten die Flugzeuge mit der Schweizer Flagge am Leitwerk am Boden bleiben. Tausende Mitarbeiter verloren ihren Job.

Urs Eicher, ein ehemaliger Vertreter der Bordpersonal-Gewerkschaft, zeigte sich nach dem Urteil enttäuscht. "Wir haben die Freisprüche erwartet, aber nicht die Entschädigungen", sagte er dem Schweizer Fernsehsender SF. Ex-Swissair-Pilot Roland Bürki sagte: "Ich kann das Urteil einfach nicht verstehen und am Ende muss auch noch der Steuerzahler für das Swissair-Fiasko aufkommen."

Swissair verlor nach der Pleite den Großteil seiner Vermögenswerte. Der Rest der Firma wurde mit einer regionalen Airline verschmolzen. Die daraus entstandene Fluggesellschaft Swiss hat noch 5500 Mitarbeiter, ein Drittel der einstigen Swissair-Belegschaft. Seit 2002 gehört die Swiss zur Lufthansa.

Viele Klein-Anleger betroffen Die Swissair war einst eine der größten Fluggesellschaften in Europa und galt als Symbol für Schweizer Zuverlässigkeit. Nach der Privatisierung in den 80er-Jahren wurde die Swissair zu einer Schweizer Volksaktie. Deshalb hatten auch viele ältere Sparer die Papiere des Unternehmens und verloren durch die Pleite häufig große Geldsummen. Einige Gläubiger und Anleger versuchen bis heute, ihr beim Bankrott verlorenes Geld wieder zurück zu erstreiten. (kas)

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