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Wirtschaft

Swiss auf Partnersuche

Die Luftfahrtbranche kommt nicht zur Ruhe: Die krisengeschüttelte Schweizer Fluggesellschaft Swiss sucht dringend einen Partner. Doch die Liste der Kooperationswilligen ist kurz.

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Dringend zum Einstieg gesucht: eine starke Airline für Swiss

Zeitungsberichten zufolge verhandeln die Schweizer mit der größten europäischen Fluggesellschaft, British Airways (BA), über einen Beitritt zur Luftfahrtallianz Oneworld. In dieser Woche werde Swiss die Einladung der BA zu einem Beitritt erhalten, schreibt die Schweizer "SonntagsZeitung". Entschieden ist noch nichts: Der Verwaltungsrat der angeschlagenen Fluggesellschaft hat am Montag (11.8.2003) das Management mit einer noch rascheren Umsetzung der Restrukturierung beauftragt. Und er habe sich über den Stand der Restrukturierung sowie über einen detailliert ausgearbeiteten Businessplan informieren lassen.

Was dieser Businessplan genau vorsieht, darüber darf weiter spekuliert werden. Medienberichten zufolge geht es dabei um dreierlei Szenarien: um einen Beitritt zur weltweit zweitgrößten Luftfahrtallianz Oneworld, einen Verkauf an die Lufthansa oder einen weiteren Alleingang. Offiziell wurden diese Ideen aber nicht bestätigt. Doch die Swiss liebäugelt bereits seit längerem mit Oneworld. Zwar böte auch dies keine definitive Rettung, heißt es in der "SonntagsZeitung". Die Swiss müsse erst investieren. Sie würde aber von einem größeren Flugnetz und Synergien im Marketing und im Verkauf profitieren.

"Medien-Getrommel aus der Schweiz"

Oneworld-Mitglied American Airlines habe den Impuls für die Aufnahme der Swiss gegeben, schreibt die "SonntagsZeitung" weiter. Die Amerikaner wollten damit offenbar vermeiden, dass die Swiss unter dem Dach der Deutschen Lufthansa lande. Über eine Übernahme der Swiss durch die Lufthansa wird seit Wochen spekuliert.

Von DW-WORLD befragte Luftfahrt-Experten reagieren skeptisch auf das angebliche Angebot an Swiss, unter das Dach von Oneworld zu flüchten. "Die Meldung von einem Interesse hört sich nach Medien-Getrommel aus der Schweiz an, um Druck auf Lufthansa auszuüben", vermutet ein Analyst einer deutschen Bank, der ungenannt bleiben will. "Die Swiss braucht die Lufthansa - und nicht umgekehrt."

"Swiss ist zu schwach"

Mario Kristl, Airline-Analyst bei Helaba Trust, sieht ebenfalls keine konkreten Übernahmepläne bei BA oder Lufthansa. "British Airways hatte eigentlich bislang kein großes Interesse an Swiss. Und ich glaube auch nicht, dass sich American Airlines vor einem Einstieg von Lufthansa bei Swiss fürchten muss", erläutert er und fügt hinzu: "Dafür ist Swiss derzeit einfach viel zu schwach."

Swiss schloss das erste Quartal 2003 mit einem Verlust von 200 Millionen Schweizer Franken (130 Mio. Euro) ab. Von den liquiden Mitteln verbrauchte das Unternehmen in den drei Monaten 343 Millionen Schweizer Franken (223 Mio. Euro) - oder rund ein Viertel. Doch das Unternehmensziel ist ehrgeizig: Swiss will ab 2004 einen positiven operativen Cash Flow erzielen und 2005 in die Gewinnzone zurückkehren. Das geht nicht ohne drastischen Personalabbau.

Erst am vergangenen Freitag (8. August 2003) stimmten die ehemaligen Crossair-Piloten der Airline nach langen Verhandlungen einem Entlassungsplan der Swiss zu. Damit müssen 526 der insgesamt 950 betroffenen Piloten gehen. Die Swiss war im April 2002 nach dem Konkurs der Swissair aus der Crossair entstanden. Mit den Piloten der ehemaligen Swissair gibt es bereits eine Einigung, sie müssen aber noch darüber abstimmen. Ende Juni hatte die Swiss einen Umbau angekündigt, bei dem rund 25 von derzeit knapp 100 Zielen aus dem Streckennetz gestrichen werden sollen. Die Zahl der Stellen weltweit soll von rund 10.000 auf 7000 reduziert werden.

"Swiss allein nicht überlebensfähig"

Trotz des geplanten Stellenabbaus ist Swiss nach Einschätzung der Analysten noch immer zu groß und dadurch für mögliche Interessenten wenig attraktiv. "Bei einem Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt bei diesem Schweizer Traditionsunternehmen kann Lufthansa nur verlieren", sagen mehrere Analysten übereinstimmend. "Der einzig profitable Teil der Swiss ist das von der Sabena übernommene Afrika-Geschäft."

Noch drastischer beurteilt Helaba Trust-Analyst Kristl die Situation der Schweizer Fluggesellschaft: "Swiss ist allein nicht überlebensfähig und braucht Geld," sagt er und prognostiziert, dass Lufthansa schließlich doch noch bei Swiss zum Zuge kommen wird. Denn dadurch eröffne sich für die deutsche Airline noch einmal die Chance, in einem konsolidierenden Markt extern zu wachsen. "Die Frage ist nur: Zu welchen Zugeständnissen sind die Schweizer bereit und wie viel ist Lufthansa bereit zu zahlen?"

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