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Kultur

Swetlana Geier gestorben

Sie war eine der bedeutendsten Übersetzerinnen russischer Literatur ins Deutsche. Mehr als sechs Jahrzehnte lang übertrug Swetlana Geier die Werke von Dostojewski, Tolstoi und Gogol in die deutsche Sprache.

Swetlana Geier (Foto: dpa)

Swetlana Geier (2007)

"Die Literatur hatte nie eine leidenschaftlichere Vertraute als Swetlana Geier. Sie hat Brücken gebaut, die uns für immer tragen werden", sagte die Verlegerin des Fischer Verlags, Monika Schoeller. Jetzt ist Swetlana Geier im Alter von 87 Jahren in Freiburg gestorben, wie der Verlag mitteilte.

Die Frau mit den fünf Elefanten

Sie hatte keinen falschen Respekt vor der Tradition. Aus Fjodor Dostojewskis in Deutschland längst bekanntem Titel "Schuld und Sühne" machte sie in ihrer Übersetzung "Verbrechen und Strafe". Die weiteren vier Hauptwerke von Dostojewski hat sie ebenfalls neu ins Deutsche übertragen, von "Der Idiot" bis "Die Brüder Karamasow". Für die Übersetzung dieser "fünf Elefanten" wurde sie von den Feuilletons gefeiert und mit Preisen überhäuft. Andere Werke aber - zum Beispiel von Puschkin - seien im Grunde gar nicht übersetzbar, so Geier.

Swetlana Geier (Foto: Realfiction)

Nase hoch beim Übersetzen

1923 in Kiew geboren, war Russisch ihre Muttersprache. Schon früh lernte sie Deutsch und Französisch. Als Deutschland die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg überfiel, wurde Kiew besetzt. Mit ihren Deutschkenntnissen konnte die Abiturientin bei einer deutschen Baufirma arbeiten. Die sprachbegabte junge Frau und ihre Mutter kamen nach Deutschland. Hier konnte sie ihr Studium fortsetzen. Ihre Arbeitsweise war ungewöhnlich. "Nase hoch beim Übersetzen", hatte schon ihre erste Deutschlehrerin in Kiew gesagt. Das bedeutet: Nicht am Text kleben und von links nach rechts lesen, sondern den gesamten Satz im Blick haben und ihn dann sinngemäß wiedergeben. Ein Rezept, das Swetlana Geier zu ihrem Erfolg verholfen hat.

Autorin: Gudrun Stegen
Redaktion: Marko Langer