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Aktuell Deutschland

Suu Kyi zu Gast in Berlin

Die in ihrer Heimat jahrelang inhaftierte Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi aus Myanmar ist für drei Tage in Deutschland zu Gast. Neben politischen Gesprächen steht auch eine Preisverleihung auf dem Programm.

Am Mittag traf die Friedensnobelpreisträgerin zunächst im Berliner Schloss Bellevue mit Bundespräsident Joachim Gauck zusammen. Anschließend stehen Gespräche mit Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Entwicklungsminister Gerd Müller und Bundestagspräsident Norbert Lammert auf dem Programm. Themen dürften die aktuelle politische Lage in Myanmar und die Bewerbung Suu Kyis um das Präsidentenamt bei der Wahl im kommenden Jahr sein.

Am Freitag erhält die 68-Jährige in Berlin den Internationalen Willy-Brandt-Preis. Mit der Auszeichnung würdigt die SPD ihren Einsatz für Frieden und Verständigung. Die Laudatio wird der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel halten.

Symbol des friedlichen Widerstands

Suu Kyi hat unter der jahrzehntelangen Militärdiktatur in ihrem Land 15 Jahre in Haft oder Hausarrest verbracht. Die Vorsitzende der oppositionellen "Nationalen Liga für Demokratie" wurde damit zum Symbol des friedlichen Widerstands im früheren Birma, das die Militärs 1989 in Myanmar umbenannten.

Nach der vorsichtigen demokratischen Öffnung des Landes wurde Suu Kyi vor zwei Jahren ins Parlament gewählt. Mit Blick auf die Wahl 2015 wird sie bereits als nächste Präsidentin ihres Landes gehandelt. Kritiker werfen ihr indes vor, sich aus Machtkalkül nicht genug für verfolgte Minderheiten einzusetzen.

Kritik am Umgang mit muslimischer Minderheit

Nach Ansicht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) tut Suu Kyi insbesondere zu wenig gegen die Unterdrückung der Muslime in ihrem Land. "Wir sind tief enttäuscht, dass die selbst so lange verfolgte Oppositionspolitikerin zur systematischen Ausgrenzung und Vertreibung der muslimischen Rohingya-Minderheit schweigt", sagte der GfbV-Asien-Referent Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen.

Die Oppositionsführerin müsse sich etwa dafür einsetzen, dass humanitären Helfern freier Zugang zu den Rohingya-Flüchtlingen gewährt wird. "Wenn die Friedensnobelpreisträgerin aus Populismus und mit Blick auf die Wahlchancen ihrer Partei die dramatische Lage der Flüchtlinge unbeachtet lässt, verspielt sie ihren Nimbus als Freiheitsikone."

Die Lage der rund 130.000 Rohingya-Flüchtlinge habe sich immer weiter verschlechtert, so die GfbV. Die Behörden hätten Helfern unter "fadenscheinigen Vorwürfen" die Arbeit in den Flüchtlingscamps verboten. Angesichts der Gewaltausbrüche gegen die Rohingya habe Suu Kyi lediglich beide Seiten zur Mäßigung aufgerufen und zur Rechtsstaatlichkeit gemahnt, kritisiert die Organisation.

gri/qu/ml (dpa, epd, kna)