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Politik

Surprise, Surprise!

Eine Meinungsumfrage in neun moslemischen Ländern überrascht und ärgert die Amerikaner: Die meisten können die USA nicht ausstehen. DW-TV-Korrespondent Udo Bauer zu den Hintergründen des interessanten Zahlenwerks.

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Das Meinungsforschungsinstitut Gallup hatte sich richtig Mühe gemacht. 9924 Menschen in Pakistan, Iran, Indonesien, Türkei, Libanon, Marokko, Kuwait, Jordanien und Saudi-Arabien wurden ausgiebig befragt. Auf eine positive Einstellung gegenüber den USA stießen die Forscher am häufigsten im Libanon und in der Türkei (40 Prozent), am seltensten in Pakistan (5 Prozent). Letzteres sollte angesichts der tatkräftigen Unterstützung der US-Antiterrorkampagne durch Präsident Musharaff Anlass zum Nachdenken geben.

58 Prozent der Befragten halten nichts von Präsident Bush, nur 11 Prozent hatten eine gute Meinung von ihm. Das darf nun wirklich niemanden mehr überraschen. Doch jetzt wurde es richtig interessant: 77 Prozent sind der Meinung, dass der Krieg der Amerikaner in Afghanistan moralisch nicht gerechtfertigt sei, nur neun von hundert befürworten ihn. Hier sollten auch wir Deutschen mit unserer 'uneingeschränkten Solidarität' zumindest einmal kurz stutzen.

Schlichtweg unglaubwürdig

Ein Waffengang gegen ein noch so brutales und menschenverachtendes Regime wird offenbar überhaupt nicht gewürdigt in der Welt des Islam, jedenfalls nicht, wenn das angegriffene Land ein moslemisches ist. Die Vermutung liegt nahe, dass der Beteuerung des Westens, der Kampf gegen den Terrorismus sei kein Kampf gegen die moslemische Welt, offenbar nicht geglaubt wird. Zumal, wenn kurz danach der US-Präsident auch Iran und Irak als 'böse' identifiziert und damit zwei weitere moslemische Länder zum Abschuss freigibt.

Die amerikanische Schwarz-Weiß-Rhetorik mag bei uns in Europa belächelt werden, im Nahen und Mittleren Osten wird sie schlichtweg nicht geglaubt. Nur so ist die letzte Zahl, die Gallup ermittelt hat, zu erklären: 61 Prozent der Befragten glauben schlichtweg nicht, dass eine arabische Gruppe die Terroranschläge vom 11. September verübt hat. Nur 18 Prozent sind davon überzeugt, dass die Schlussfolgerungen der US-Geheimdienste korrekt sind. Dahinter muss mehr stecken als der Gedanke 'Es kann nicht sein, was nicht sein darf!' Amerika bleibt bei den meisten Moslems in der Welt schlicht unglaubwürdig, solange es trotz offensichtlichen Unrechts gegenüber den Palästinensern nach wie vor Israel einseitig unterstützt und mit Geld und Waffen versorgt.

Über jeden Zweifel erhaben

Aber auch der Rest des Westens hat offenbar zumindest ein Kommunikationsproblem mit den Moslems, denn auch wir sind nicht in der Lage, unsere Überzeugungen rüberzubringen. Wir müssen (wenn's nicht anders geht, dann mit unseren Massenkommunikationsmitteln) unsere Positionen besser erklären, und so mit Vorurteilen in der moslemischen Welt aufräumen. Dann könnten vielleicht auch die Amerikaner ihr Image aufpolieren, denn sie sind den Moslems ähnlicher, als die glauben. Sie sind jedenfalls gottesfürchtiger, mitfühlender und manchmal sentimentaler als wir Europäer. Leider auch viel naiver und gutgläubiger gegenüber der Politik des eigenen Landes. So wurde die Gallup-Umfrage in Amerika mit Kopfschütteln und absolutem Unverständnis quittiert. Die Amerikaner glauben, sie seien mit ihrer Anti-Terror-Kampagne über jeden Zweifel erhaben. Sind sie nicht, jedenfalls nicht bei denen, die sie mit der Ausrottung des Terrors beglücken wollen.