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Kultur

Surfen lernen mit 70

Der Anteil der Netz-Oldies steigt - allerdings auf niedrigem Niveau. In Deutschland gibt es mittlerweile eine Reihe von Einrichtungen, um älteren Menschen den Umgang mit dem Internet zu erleichtern.

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Kurs zur Nutzung des Netzes für ältere Menschen

Auch wenn sie selbst nicht fliegen will, ist die 85-jährige Anneliese Kotus begeistert von den Möglichkeiten, die das Internet ihr bietet. "Jetzt bin ich hier schon im dritten Jahr und Sie glauben gar nicht, was das mir gibt. Ich hab eine Verbindung zur ganzen Welt. Ich habe gerade vom Köln-Bonner-Flughafen die ganzen Flüge abgerufen. Bis 17:40 Uhr weiß ich genau, wie die Maschinen fliegen."

Im Internetcafé "Offene Tür", das die Stadt Bonn vor vier Jahren extra für Senioren eingerichtet hat, trifft sich Frau Kotus zwei Mal die Woche mit anderen Rentnerinnen und Rentnern. Sie lernen unter Anleitung Schritt für Schritt, sich im Netz zurecht zu finden. Der ehrenamtliche Betreuer Werner Feltens widmet sich jedem Einzelnen sehr intensiv. Er weiß, dass sich die meisten älteren Menschen allein nicht in ein normales Internetcafé wagen würden. Doch gerade der Kontakt und das Gespräch mit Gleichaltrigen sei wichtig. "Die soziale Funktion zählt, nicht nur, dass man ins Internet kommt," erklärt Feltens.

Alte Vorurteile

Auch wenn das Bonner Internetcafé zu zwei Dritteln von Frauen genutzt wird, ist der Anteil der weiblichen Internetnutzer über 60 Jahren in Deutschland mit insgesamt gerade einmal vier Prozent sehr gering. Frauen haben eher Angst, sich an den Computer und das Internet heranzuwagen als Männer. Dieser Meinung ist auch Bettina Ellerbrock vom Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Sie hat zahlreiche Computer- und Internetkurse für Senioren geleitet und dabei Unterschiede zwischen den Geschlechtern erlebt: "Männer glauben einfach von sich aus, sie hätten mehr Begabung im Bereich Technik - und Frauen glauben, sie haben die eben nicht und von daher bauen sie auch Ängste auf."

Trotz der Skepsis wollen immer mehr ältere Frauen den Umgang mit dem Computer und dem Internet lernen. Sie sehen darin eine Möglichkeit, mehr von der Welt zu sehen und zu hören und sich auch von zu Hause aus zu informieren. Außerdem wollen sie mitreden können: "Das Hauptmotiv bei vielen ist: Ich will das auch können. Mein Mann kann das, meine Kinder können das, meine Enkel können das und ich will das jetzt auch können. Das kann doch nicht so schwer sein."

"Omas Surfbrett"

Wer es lernen will, der findet deutschlandweit Hilfe bei zahlreichen Einrichtungen und Netzwerken. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe hat zusammen mit dem Evangelischen Verband für Altenarbeit Rheinland und der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik das Projekt "Senioren OnLine" ins Leben gerufen.

Das Internetprojekt bietet unter anderem auch Schulungen extra für Seniorinnen an. Hier hat sich vor sechs Jahren auch die 70-jährige Anne Poettgen fit im Umgang mit den Neuen Medien gemacht. Mittlerweile hat sie sogar eine eigene Homepage mit dem Titel "Omas Surfbrett". Nebenbei gibt sie ihr Wissen als Kursleiterin bei "Senioren lernen online" weiter. Sie ist überzeugt, dass es sich auch für ältere Frauen lohnt, die Angst vor der Technik zu überwinden: "Das kann jeder, man muss es nur wollen und üben. Das sind die zwei Worte dazu. Wer nicht will und nicht übt, naja, der bleibt halt draußen, was aber traurig ist, sehr traurig."

Der Weg zum eigenen Laptop

Im Internetcafé "Offene Tür" muss niemand draußen bleiben. Die meisten Besucherinnen haben sich nach einiger Zeit einen eigenen Computer für zu Hause angeschafft und üben fleißig. Die Rentnerin Christa Franken hat seit einigen Monaten einen eigenen Laptop und nutzt ihn hauptsächlich, um ihren Kindern, Enkeln und Bekannten E-Mails zu schreiben. Sie ist begeistert, denn auf diese Weise kann sie ihren Geist in Schwung halten: "Ist ja auch als Gehirntraining gut. So als Stressanregung, denn ein bisschen Stress braucht der Rentner ja auch."