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Kultur

Superstar der globalen Fotokunst

Seine Bilder sind groß, teuer und begehrt und in der Kunstwelt gelten die Werke des Düsseldorfer Fotographen Andreas Gursky als moderne Ikonen. Jetzt stellt Gursky erstmals 15 seiner Architekturbilder in Darmstadt aus.

Der Künstler Andreas Gursky, Foto: DW

Der 'Meister des zweiten Blicks'

Ob im New Yorker Museum of Modern Art, im Pariser Centre Georges Pompidou oder in der Londoner Tate Modern: Wo immer Andreas Gursky seine bis zu sieben Quadratmeter großen Fotobilder ausstellt, staunen die Museumsbesucher. Denn der Düsseldorfer Künstler gilt als "Meister des zweiten Blicks", der die Wahrnehmung seiner Bilder durch eine ausgefeilte Choreografie der abgebildeten Figuren und Dinge steuert.

Seine Arbeiten seien immer von zwei Seiten komponiert, erklärt Gursky. Wer nah herangehe, könne sie bis ins kleinste Detail lesen. Aus der Entfernung aber würden sie zu "Megazeichen". Ein Versprechen, das Gursky auch mit seinen 15 Architekturbildern hält, die seit Mai in der Ausstellung der Darmstädter Mathildenhöhe zu sehen sind. Sein vier Meter langes und fast zwei Meter hohes Bild "Paris, Montparnasse" etwa zeigt auf den ersten Blick einen gewaltigen französischen Wohnblock als strenge, zellenartige Fassade. Auf den zweiten Blick aber dokumentiert die riesige Fotografie das Ornament des gesellschaftlichen Lebens.

Andreas Gursky, Los Angeles, 1999, Quelle: Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe

Gurskys Blick auf Los Angeles



Große Totale und kleinste Detail

"Sie haben das Gefühl, Sie können jeden dieser Wohnräume, ob das nun eine Lampe ist oder die Person selbst, die den Vorhang zieht, erkennen", erklärt Ralf Beil, Direktor der Mathildenhöhe. Damit zeige Gursky die große Totale und gleichzeitig jedes Detail. "Das ist es, was seine Fotografie vor allem auszeichnet", schwärmt Beil, "diese Doppelsicht." Ob die Börse in Chicago, der Plenarsaal in Brasilia oder eine Müllhalde in Mexiko – viele Fotografien von Andreas Gursky bilden die soziale Wirklichkeit mit einer Fülle von Details, Farben und Strukturen ab und wirken damit vorurteilsfrei.

Wenn der Künstler einen Supermarkt fotografiert, in dem alle Dinge nur 99 Cent kosten, spricht aus seiner Inszenierung trotz allem Gelassenheit und Humor. "Das ist tatsächlich die große Leistung von Andreas Gursky, dass die Bilder zu Metaphern werden", sagt Beil. "Sie wirken wie Embleme unserer heutigen Welt, obwohl sie durch und durch künstlich und konstruiert sind."

Andreas Gursky, 99 Cent, 1999, Quelle: Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe

99 Cent



Meisterschüler von Bernd und Hilla Becher

Für die Inszenierung seiner ungewöhnlichen Bilder scheut der Düsseldorfer Künstler keine Kosten und Mühen. Mal lässt er sich mit seiner gesamten Fotoausrüstung von einem Kran in den Himmel heben, mal schwebt er im Helikopter über seinem Motiv. Er gehe auf Distanz, um den Überblick zu behalten, begründet Gursky seine Aktionen.

Avenue of the Americas, New York, 2001 von Andreas Gursky, Quelle: AP

'Avenue of the Americas'

Die Fotokunst hat der 1955 in Leipzig geborene Künstler an der renommierten Folkwangschule in Essen und an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf gelernt. Dort war er Meisterschüler von Bernd und Hilla Becher. Das Künstlerehepaar, das mit seinen strengen Bildern von Zechenanlagen und Fachwerkhäusern die Fotokunst revolutionierte, ebnete Gurskys Weg zu einer internationalen Karriere.

Seine künstlerische Arbeit begann Gursky mit kleinformatigen Fotografien, die das Verhältnis von Mensch und Umwelt zeigten. 1988 wechselte er zu Großformaten und wurde damit weltberühmt. Menschenmengen, Landschaften, Architektur und Innenräumen zählen zu den bevorzugten Motiven des ehrgeizigen Fotografen. Gursky ist ein Künstler, der mit einem hohen Selbstanspruch lebt: Er sei immer, so betont er, auf "das ultimative Bild" aus.

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