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Filme

Superman schlägt zurück

Comebackversuch eines Comic-Helden: "Superman Returns" soll das angestaubte Image des Superhelden wieder aufpolieren – droht jedoch als einer der teuersten Filme der Geschichte am Publikumsgeschmack zu scheitern.

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Neues Gesicht in gewohnter Optik: Hauptdarsteller Brandon Routh

Er ist edel, höflich und gutmütig, zudem nahezu unverwundbar. Er kann fliegen, schneller als eine Pistolenkugel, und ein vollbesetztes, im Sturzflug befindliches Passagierflugzeug mit bloßen Händen auffangen und behutsam auf der Erde absetzen. Zweifellos: Superman ist der größte Held, den die Welt je gesehen hat. Dennoch hatte er es in den vergangenen Jahren nicht gerade leicht. Jüngere, vermeintlich coolere Kollegen wie Spiderman, Batman oder die X-Men haben ihm zunehmend den Rang abgelaufen. Sie verkaufen mehr Comics, mehr Spielfiguren und Computerspiele, brachten im Gegensatz zu ihm Filme ins Kino - und überhaupt: Sie schienen einfach zeitgemäßer zu sein, als der fliegende Held im blauen Stretchkostüm und rotem Umhang.

Den Helden nicht neu erfinden

Doch nun versucht Enternainment-Riese Time Warner das Bild seines berühmtesten Angestellten wieder zurecht zu rücken: "Superman returns" - mit Gesamtkosten von über 350 Millionen Dollar (rund 270 Millionen Euro) einer der teuersten Filme der Kinogeschichte - soll all die anderen großstädtischen Fassadenkletterer und Fledermäuse wieder auf die hinteren Ränge im Superhelden-Geschäft verweisen. Er schafft es aber auch, seine Hauptfigur inmitten all der aufwendigen Spezialeffekte und Computeranimationen nicht verschütt gehen zu lassen und ihn uns als das zu präsentieren, was er eigentlich immer schon gewesen ist: ein liebenswerter, patriotischer Außenseiter.

Supermann Comic von 1939

Zurück zu den Wurzeln: Superman-Comic von 1939

Der Film überwindet all die fehlgeschlagenen Imagewandel der 1980er und 1990er Jahre, die Superman allesamt einen moderneren Anstrich verpassen sollten: Mal ließ man ihm in dieser Zeit einen Pferdeschwanz wachsen, mal wechselte er von der Zeitung zum Fernsehen, einmal musste er sogar sterben und als jesusgleiches Energiewesen von den Toten wieder auferstehen. Von alldem wollten die Macher von "Superman returns" aber nichts hören und kehrten aller modernen Technik zum Trotz in Optik und Handlung wieder zu den Wurzeln des Mythos zurück.

Melancholischer Superheld

Regisseur Bryan Singer, der bei den X-Men-Verfilmungen bereits Comicerfahrung gesammelt hat, versucht im fünften Superman-Film aber dennoch eine spannende Gratwanderung. Er mischt das Heldenhafte, das noch Christopher Reeves in den alten "Superman"-Filmen stets umgab, mit einer bislang unbekannten Melancholie. Nach jahrelanger Abwesenheit kehrt Superman (gespielt von Newcomer Brandon Routh) aus dem selbst gewählten Exil auf die Erde zurück. Sein Heimatplanet Krypton ist zerstört, und auch auf der Erde findet er nicht mehr in seine bürgerliche Rolle als Reporter Clark Kent zurück. Seine Dauerflamme und Zivilkollegin Lois Lane (dargestellt von der bildhübschen Kate Bosworth) hat sich von ihm abgewandt, eine Familie gegründet und sogar eine preisgekrönte Abhandlung über die Nutzlosigkeit von Superman verfasst. Erst als dessen Erzfeind Lex Luthor (Kevin Spacey) aus dem Gefängnis entlassen wird und mit einer selbst erschaffenen Atlantikinsel den nordamerikanischen Kontinent bedroht, wird Lois und dem Rest der Welt wieder klar, dass sie Superman mehr denn je brauchen.

Zu gut für diese Kinowelt?

Szenenbild Superman Returns

Machtlos gegen Johnny Depp: Hauptdarsteller Kate Bosworth und Brandon Routh

Doch scheint es, dass das Publikum Superman ein bisschen weniger dringend benötigt. Eigentlich hat "Superman returns" alle Zutaten eines Blockbusters: Schöne, unverbrauchte Gesichter, einen tragischen Hintergrund, einen dezent modernen Anstrich in Einklang mit jahrzehntelangem Mythos. Die Bedrohung kommt aus einer überraschenden Ecke: Gegen die Piraten aus "Fluch der Karibik 2" ist selbst Superman machtlos – die Fortsetzung der Seeräuberparodie mit Johnny Depp und Orlando Bloom hat dem fliegenden Helden seinen US-Kinostart vermasselt. Branchenkenner bezweifeln sogar, ob "Superman returns" in den USA überhaupt seine Produktionskosten einspielen wird.

Da Time Warner diesen Sommer bereits mit Wolfgang Petersens "Poseidon" wortwörtlich abgesoffen ist, waren alle Hoffnungen auf Superman gerichtet. Ob dieser zusätzlich zur Welt auch sein Studio retten kann, wird nun in Europa entschieden werden. In Deutschland kommt "Superman returns" am Donnerstag (17.8.2006) in die Kinos. (lc)

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