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Kultur

Superhausfrau droht Haft

Das tadellose Image von Amerikas Vorzeige-Unternehmerin Martha Stewart hat einen gewaltigen Knacks bekommen. Jetzt könnte sie wegen zweifelhafter Aktiengeschäfte zu einer langen Haftstrafe verurteilt werden.

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Keine Unschuld vom Lande: Vorzeigehausfrau Stewart

Im Prozess gegen die amerikanische Lifestyle-Unternehmerin Martha Stewart wird am Donnerstag (16.7.) mit Spannung das Urteil erwartet. Sollte die Richterin Miriam Cedarbaum den erneuten Antrag Stewarts auf ein weiteres Verfahren ablehnen, so muss die Angeklagte mit bis zu 16 Monaten Haft rechnen.

Geschichte eines grandiosen Erfolgs

Bisher schien es, als hätte die 62-jährige "Amerikanische Ikone des guten Geschmacks" den Erfolg exklusiv für sich gepachtet. Als Tochter eines Pharma-Vertreters und einer Lehrerin in New Jersey geboren, hatte Martha Kostyra bereits als Kind ehrgeizige Ziele. Sie gewann ein Stipendium für das Barnard College in New York City und jobbte als Model. Später studierte Stewart in New York europäische Geschichte, Kunst- und Architekturgeschichte. Nach vier Semestern heiratete sie den Jurastudenten Andrew Stewart. Mit der Geburt ihrer Tochter beendete sie 1965 ihre Modelkarriere und machte ab 1967 als Brokerin an der Wall Street das erste große Geld.

Home, sweet home

Anfang der 1970er-Jahre zog sie mit ihrer Familie nach Connecticut, wo das Ehepaar eigenhändig die Restaurierung eines alten Farmhauses in Angriff nahm. Dabei entdeckte Stewart ihre Passion für das Häusliche. Das Ergebnis war zunächst ein boomender Catering-Service und später der Ratgeber "Entertaining", der zum Bestseller wurde und den Grundstein für ihr Imperium legte. Ihre Firma, die "Martha Stewart Living Omnimedia", umfasst Haus- und Garten-Magazine sowie TV-Shows. Über den Discounter "Kmart" und im Internet ist von Bettwäsche bis hin zu kompletten Wohnungseinrichtungen alles zu haben, was das amerikanische Bedürfnis nach "Schöner Wohnen" befriedigt. Die Fangemeinde von Stewart ist riesig.

Harte Landung nach dem Ruhm

Mit ihrem Hang zum Perfektionismus hat Stewart, einst auf der Liste der 50 einflussreichsten Frauen der Zeitschrift "Fortune", sich aber nicht nur Freunde gemacht. Angestellte sprechen vom explosiven Temperament der Chefin, die bei kleinsten Fehlern in Rage gerate. Mit dem ImClone-Skandal machte die Selfmade-Erfolgsfrau dann die Erfahrung, dass die Geschäfte auch einmal nicht gut laufen können. Zum Verhängnis wurde ihr die Freundschaft mit dem Pharma-Unternehmer Samuel Waksal. Am 27.12.2001 hatte die Lifestyle-Queen ihre knapp 4000 Aktien von Waksals Firma ImClone abgestoßen. Das war genau einen Tag, bevor die Arzneimittelbehörde FDA ihre Entscheidung gegen ein von ImClone entwickeltes Krebsmedikament bekannt gab und die Kurse des Unternehmens daraufhin abstürzten. Mit dem Aktienverkauf ersparte sich Stewart Verluste von rund 45.000 Dollar - und geriet später unter den Verdacht, auf Grund von Insider-Informationen gehandelt zu haben.

Unglaubwürdige Aussage

Waksal gestand, Insidertipps über die ImClone-Aktie gegeben zu haben; angeblich nur Verwandten. Er wurde dafür im Juni zur Höchststrafe von sieben Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Stewart beteuert bis heute ihre Unschuld. Nach ihrer Version geht der Aktienverkauf auf eine Absprache mit ihrem Broker zurück, ihre ImClon-Anteile automatisch abzustoßen, sobald die Aktie auf einen Wert von 60 Dollar sinke. Die Ankläger glaubten ihr nicht, und auch die Geschworenen befanden Stewarts Darstellungen für widersprüchlich. Sollte Stewart hinter Gitter gehen, so hat die pastellfarbene Landhausidylle des amerikanischen Lifestyle-Traums endgültig einen Riss bekommen.

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