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Kultur

Supergermane Hermann

Gerne wird er als "Urvater der Deutschen" bezeichnet: Hermann, Anführer germanischer Stämme gegen die Römer und Sieger der Varusschlacht. Doch er war weder deutsch noch hieß er Hermann.

Hermannsdenkmal (Foto: Landesmuseum Detmold)

Hermannsdenkmal

Drohend blickt er über den Teutoburger Wald Richtung Frankreich. Das Schwert in der rechten Hand hat er hoch erhoben. Hermann, der erste Held der Deutschen. 56 Meter hoch und 200 Kupferplatten schwer. Als das Denkmal des siegreichen Germanenführers am 16. August 1875 in Detmold eingeweiht wurde, kamen 30.000 Menschen. Sie feierten Hermann als den Vereiniger der Germanenstämme und Befreier von römischer Fremdherrschaft.

Dieses Foto, das uns kostenfrei vom Lippischen Landesmuseum Detmold zur Verfügung gestellt wurde, zeigt Hermann und seine Frau Thusnelda. Der Künstler Armin Gehrts hat es im 19. Jahrhundert gemalt.

Hermann und Thusnelda

Der Kult um den "Urvater der Deutschen", wie ihn der Humanist Ulrich von Hutten bezeichnet hatte, erreichte damals seinen Höhepunkt. "Es war eine Zeit, in der die Deutschen ihre Einigkeit und Stärke gegenüber dem Erzfeind Frankreich demonstrieren wollten", erklärt Historiker Michael Zelle. Jedes Kind kannte den siegreichen Hermann, der 18 Jahre vor Christus geboren und 21 Jahre nach Christus, mit rund 37 Jahren, ermordet wurde. Hermann schmückte zahlreiche Gemälde, Schatullen und Bierkrüge. Er war der Held unzähliger Gedichte, Romane und Opern.

Wie aus Arminius Hermann wurde

Stets wurde der Sieger der Varusschlacht mit wallendem blondem Haar, blauen Augen und kräftigem Körperbau darstellt. Manchmal trug er eine Rüstung, manchmal ein Fell, sehr häufig einen imposanten Flügelhelm. Eben so, wie die Menschen sich damals einen "echten Germanen" vorstellten, einen Held, mit dem sie sich identifizieren konnten. Doch je größer der Held Hermann wurde, desto mehr ging der historische Arminius verloren. Denn so hieß der Supergermane ursprünglich. Seinen neuen Namen verdankt er Martin Luther, der ihn aus der lateinischen Bezeichnung "dux belli" (Anführer im Krieg) ableitete, die er mit "Herr man" übersetzte.

Wie Arminius tatsächlich ausgesehen hat, wissen die Historiker heute nicht mehr. Auf jeden Fall trug er keinen Flügelhelm und keine Rüstung, wohl aber Hosen und Kittelhemd – die damals übliche Kleidung der Stämme, die in der römischen Provinz Germanien lebten. Arminius war Sohn des Cheruskerfürsten Sigimer, besaß das römische Bürgerrecht und führte in römischen Diensten cheruskische Kontingente an. "Er war ein junger Mann, an Herkunft edel", charakterisiert ihn der römische Dichter Velleius Paterculus, "im Kampf tapfer, im Denken schnell, mehr als von einem Barbaren zu erwarten ein fähiger Kopf, der das Feuer seines Geistes in Miene und Blick verriet."

Streben nach Macht statt nach Einheit

Dieses Bild aus dem Lippischen Landesmusem Detmold zeigt die Varusschlacht. Es wurde vom Künstler Peter Janssen gemalt.

Siegreiche Germanen

Der römische Statthalter Publius Quinctilius Varus vertraute Arminius und ließ sich von ihm 9 nach Christus in einen Hinterhalt locken. Die Folgen: 15.000 römische Soldaten starben oder wurden gefangen genommen, Varus nahm sich das Leben. Eine verheerende Niederlage für die römische Besatzungsmacht, die aber keineswegs in der Gründung eines germanischen Königreichs unter Arminius mündete. Der Cherusker habe sein "germanisches Bewusstsein" stets dem eigenen Machtwillen untergeordnet, meint Historiker Peter Kehne. "Innenpolitisch scheiterte er an seinem Streben nach autokratischer Herrschaft."

Arminius also wollte den Römern gar kein "deutsches Reich" entgegensetzen, er wollte einfach nur herrschen. Doch das ließen die eigenen Stammesbrüder nicht zu. Sie ermordeten den ehrgeizigen Heerführer 21 nach Christus.

Hermann als touristische Attraktion

Dass Arminius dennoch posthum zum Supergermanen aufsteigen konnte, verdankt er dem römischen Schriftsteller Tacitus, der ihn 98 nach Christus als "Einer der germanischen Stämme" glorifizierte. Während der Renaissance wurde Tacitus’ Schrift "Germania" wiederentdeckt und zunächst von den Reformatoren im Kampf gegen die römische Kirche instrumentalisiert. Von da an sei Hermann immer wieder als Identifikationsfigur genutzt worden, wenn Deutschland sich bedroht gefühlt habe, meint der Historiker Ralf-Peter Märtin. Etwa in den Befreiungskriegen, im Ersten Weltkrieg, im Hitler-Deutschland.

Dieses Bild aus dem Lippischen Landesmusem Detmold zeigt Hermann als Gartenzwerg.

Gartenzwerg Hermann

"Nach 1945 wurde Hermann entpolitisiert", beobachtet Michael Zelle. "Heute ist das Hermannsdenkmal vor allem touristisches Ziel und ganz dem Zeitgeist entsprechend Marke einer Region." Nach 2000 Jahren Varusschlacht schmückt sein Konterfei wieder Tassen, T-Shirts und Kugelschreiber. Doch diesmal nähern sich die Deutschen dem Supergermanen mit einem Augenzwinkern. So gibt es Hermann in der großen Jubiläumsausstellung "Imperium – Mythos – Konflikt" auch als Gartenzwerg. Dieser "Zwermann" misst etwa 56 Zentimeter und passt vor jedes Haus.

Autorin: Sabine Damaschke
Redaktion: Sabine Oelze