1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Super-Tuesday: "Totgesagte leben länger"

Der "Super-Duper Tuesday" ist gelaufen, und Demokraten wie Republikaner reiben sich die Augen. Denn der wichtigste Vorwahltermin im Rennen um die US-Präsidentschaftkandidatur produzierte zwei Verlierer und zwei Sieger.

default

Zunächst zu den Siegern: Der ungekrönte Champion des Abends war der republikanische Senator John McCain. Mit 71 Jahren der Senior unter den Präsidentschaftsbewerbern und politisch von vielen Kommentatoren schon tot gesagt - als zu alt, zu liberal und der republikanischen Parteibasis nicht vermittelbar. Doch der hochdekorierte Kriegsheld bewies seinen Kritikern dann das Gegenteil: Mit einer klaren Mehrheit bei den Moderaten, Unabhängigen und Reagan-Demokraten besetzte er die strategisch umkämpfte Mitte und verwies die beiden anderen Republikaner, Romney und Huckabee, klar auf den zweiten und dritten Platz. Als die "größte Wiederauferstehung seit Lazarus" bezeichneten politische Kommentatoren seinen Erfolg. Für McCain ist das Rennen gelaufen.Er geht in die noch kommenden Vorwahlen als die unbestrittene Nummer Eins der republikanischen Partei.
Rüdiger Lentz

Rüdiger Lentz

Zweiter Gewinner des Abends war der ehemalige Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee. Der ehemalige Baptistenprediger galt lange Zeit als krasser Außenseiter. Seine leidenschaftlichen Appelle an die fundamentalen Überzeugungen der Republikaner - wenig Staat, runter mit den Steuern, eine verschärfte Einwanderungspolitik und ein klares Nein zur Abtreibung - brachten ihm so viel Zulauf, dass er am Dienstag in 5 von 24 Bundesstaaten klar vorne lag. Das macht ihn möglicherweise zu einem Vize-Präsidentschaftskandidaten bei den Republikanern, den McCain dringend braucht, um die konservative Parteibasis abzudecken. Flip-Flopper wirft das Handtuch Und die Verlierer? Ganz vorne der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, der Mormone Mitt Romney. Er hat über 40 Millionen Dollar seines Privatvermögens in den Vorwahlkampf gesteckt. Bis zum Super Tuesday hatte seine Kampagne bereits über 100 Millionen Dollar "verbrannt". Nachdem er bei fast allen Vorwahlen weit abgeschlagen auf Platz Drei landete, warf er jetzt das Handtuch. Der "Flip-Flopper" musste eine bittere Lehre akzeptieren: Seine politischen Positionswechsel vom moderaten Republikaner zum rechten Konservativen und die Negativkampagnen gegen seine Mitbewerber kamen bei der republikanischen Wählerklientel offensichtlich nicht an. Der zweite Verlierer dieser entscheidenden Vorwahlnacht war Hillary Clinton. Für sie sollte der Super Tuesday eigentlich zur Krönung werden. "Dann ist alles entschieden" hatte sie vor Wochen zu Protokoll gegeben. Will heißen: Dann bin ich die unangefochtene Nummer Eins und niemand mehr kann mich aufhalten. Dass es dann ganz anders kam, hat sie Obama und dessen von ihr völlig unterschätztem Charisma zu verdanken. 13 von 24 Bundesstaaten und eine knappe Mehrheit bei den Delegierten konnte Obama für sich verbuchen. Und dass der schwarze Präsidentschaftskandidat in einem rein weißen Bundesstaat wie Idaho eine Mehrheit der Stimmen auf sich verbuchen konnte, gilt für viele unter den Demokraten als ein Indiz dafür, dass er der "wählbarere" Kandidat für das Päsidentenamt ist. Das Land will den Wechsel, kein Zweifel, aber eben nicht nur weg von Bush, sondern offensichtlich auch keine Wiederauflage einer "Clinton"-Präsidentschaft. Buhlen um die "Superdelegierten" Die "stählerne Lady" wird aber nicht aufgeben, ganz im Gegenteil. Jetzt wird hinter den Kulissen um die Stimmen der so genannten "Superdelegierten" gebuhlt und gekämpft. Sie sind durch die Vorwahlen nicht festgelegt und werden sich im Zweifel für den aussichtsreicheren Kandidaten entscheiden. Der Kampf um die Nummer Eins bei den Demokraten wird möglicherweise deshalb noch bis zum Wahlparteitag Ende August weitergehen. Wenn, ja, wenn sich nicht beide vorher auf eine gemeinsame Plattform einigen. "Clinton/Obama" oder "Obama/Clinton", so könnte das neue Superticket der Demokraten lauten.

Und die Moral von der Geschichte? Man kann selbst US-Wahlen nicht alleine mit Geld kaufen. Und: auf die Personen kommt es an! Politische Leidenschaft (Huckabee) und Charakter (John McCain) haben diesmal über Geld (Romney) und "mehr von gestern" (Clinton) triumphiert. Kein schlechter Auftakt für die Entscheidung im November, meine ich.