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Fokus Südosteuropa

"Super-Anleihen" gegen die Krise

Neun Ökonomen aus ganz Europa machen sich stark für einen Paradigmenwechsel in der europäischen Schuldenkrise: Eine neue Generation von Staatsanleihen soll die heutigen Schulden auffangen und den Euro retten.

Das Euro-Zeichen an euinem Fallschirm (Foto: fotolia/Mardre)

Neuer Plan für die Euro-Rettung

Das Konzept klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Eine neue Behörde, die Europäische Schuldenverwaltung (EDA), soll einen Großteil der Anleihen aller Euroländer aufkaufen und umschichten. "Umverpackung" wird dieses Verfahren von neun führenden Ökonomen aus ganz Europa genannt, die für die neuen "Super-Anleihen" plädieren - unter ihnen der Deutsche Markus Brunnermeier, Professor für Wirtschaft an der US-Universität Princeton, sowie der Grieche Dimitri Vyanos, Professor für Finanzen an der London School of Economics. Sie haben sich zu der sogenannten "Euronomics-Gruppe" zusammengetan.

Die Schulden umverpacken

Auch David Thesmar, Wirtschaftsprofessor an der HEC Paris (Hautes Etudes Commerciales), gehört zu dieser Gruppe. Er hebt hervor, dass die "Super-Anleihen" keine neuen Schulden zur Folge haben werden: "Es geht nicht darum, weiter Schulden anzuhäufen, sondern wir wollen ein Verfahren entwickeln, um die heutigen Schulden umzuschichten."

Symbolbild für Eurobonds (Grafik: DW/fotolia)

"Super-Anleihen" statt "Eurobonds"

Das sei ganz einfach: Man würde die alten Schulden verschiedener Euro-Staaten bis zu einem gewissen Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufkaufen und diese Gelder in einen gemeinsamen Fonds einbringen, so der Wirtschaftswissenschaftler. Anschließend würde dieser Fonds neue Anleihen ausgeben, die sogenannten "European Safe Bonds". Sie wären sicher und attraktiv für Anleger, weil sie dem Durchschnittsrisiko in der Eurozone entsprächen.

Der Unterschied zu den derzeit heiß diskutierten Eurobonds liegt dann darin, dass die Super-Anleihen nicht die Schulden aller Euro-Staaten in vollem Umfang abdecken und somit auch nicht alle Risiken vergemeinschaften. Stattdessen wollen die Ökonomen ungleiche Wirtschaften auch ungleich behandeln lassen: Neben sehr sicheren Anleihen soll die Europäische Schuldenverwaltung auch riskantere Papiere ausgeben, die sogenannten "Juniorbonds", in die alle möglichen Risiken hochverschuldeter Länder gepackt werden.

Das Risiko bleibt

Auch nach diesem Modell würden in Zukunft neue Anleger ein gewisses Risiko tragen, aber dieses Risiko sei dann auch klar erkennbar, sagt der französische Ökonom. Und genau hier liegt der Unterschied zu früher, denn nach der Einführung der Gemeinschaftswährung wurden alle Staatsanleihen der Euro-Zone gleich behandelt. Es wurde nicht zwischen deutschen, niederländischen oder griechischen Papieren unterschieden. Sie alle galten bei den Banken als quasi risikofrei und wurden ohne weitere Sicherheiten im großen Stil gekauft, so die neun Ökonomen.

"Wir denken, dass die heutige Krise im wesentlich darauf zurückzuführen ist, dass noch vor 2007 immer mehr Investoren nach sicheren Häfen gesucht haben", meint Professor Thesmar. Viele Menschen hätten etwa in griechische Schulden investiert im irrigen Glauben, ihre Anlage sei sicher.

Als dann die Haushaltskrise in Griechenland ausbrach, stellte man fest, dass die griechischen Papiere nicht so wertvoll waren, wie angenommen. Das stürzte die Banken in Bedrängnis. Die Bankenkrise verschärfte wiederum die Haushaltskrise und das nicht nur in Griechenland, glaubt die "Euronomics-Gruppe".

Ein zukunftsfähiges Modell?

Die Fahnen der EU-Länder um den Euro (Foto: fotolia)

Den Teufelskreis aus Schulden- und Bankenkrisen durchbrechen

Die neun Ökonomen wollen nicht mit dem Versprechen werben, die Schuldenkrise in Europa auf Anhieb zu meistern. Es geht ihnen vor allem darum, den Teufelskreis von Haushalts- und Bankenkrisen zu brechen. Vereinfacht gesagt: Das Schuldenmachen soll weniger attraktiv gemacht werden.

Im Fall einer Umschuldung Griechenlands etwa könnte das von der "Euronomics"-Gruppe vorgeschlagene Verfahren folgendes bedeuten: Der Teil der griechischen Schulden, der voll ausgezahlt werden kann, solle den "European Safe Bonds" zuzuführen sein. Schulden, die nicht mehr bedient werden, würden den riskanten "Juniorbonds" zugeordnet. Auf diese Weise würden Anleger, die schon in griechische Anleihen investiert haben, auf einen Teil ihrer Gelder verzichten müssen, so Thesmar.

Ihr Modell haben die Ökonomen der "Euronomics"-Gruppe bereits dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington vorgestellt. Thesmar erklärt, die IWF-Experten hätten schon Interesse gezeigt und sie würden die Vorschläge der "Euronomics-Gruppe" eingehend studieren.

Autor: Jannis Papadimitriou
Redakteur: Blagorodna Grigorova

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