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Nahost

Sunniten richten Blutbad im Iran an

Im Südosten des Iran haben zwei Selbstmordattentäter vor einer bedeutenden schiitischen Moschee mindestens 28 Menschen getötet. Zu dem Doppelanschlag bekannte sich die sunnitische Extremistengruppe Dschundollah.

Menschen hinter abgedeckten Leichen (Foto: AP)

Entsetzen bei den Überlebenden des Anschlags

Die Attentäter sprengten sich am Donnerstagabend (15.07.2010) fast zeitgleich nahe der Großen Moschee in der Stadt Zahedan in die Luft. Wie iranische Medien berichteten, wurden bei dem Terrorakt mehr als 169 Menschen verletzt. In einer E-Mail an den Fernsehsender Al-Arabija bekannte sich die sunnitische Extremistenorganisation Dschundollah - auf deutsch: "Soldaten Gottes" - zu der Tat. Damit habe sie die Hinrichtung ihres Anführers Abdolmalek Rigi rächen wollen. Rigi war als Drahtzieher mehrerer tödlicher Anschläge verurteilt und im Juni hingerichtet worden.

Die Selbstmordattentate vom Donnerstag seien von Angehörigen Rigis verübt worden und hätten den Revolutionsgarden - der Eliteeinheit zum Schutz der iranischen Führung - gegolten, hieß es in dem Bekennerschreiben. Unter den Opfern des Doppelanschlags waren auch Mitglieder der iranischen Eliteeinheit.

Rache für die Hinrichtung Rigis

Rigi war im Februar verhaftet worden. Vier Monate zuvor hatte sich die Dschundollah zu einem Anschlag bekannt, bei dem zahlreiche Menschen getötet wurden, darunter auch 15 Mitglieder der Revolutionsgarden. Es war der schwerste Anschlag im Iran seit den 1980er Jahren. Zahedan ist die Hauptstadt der an Pakistan und Afghanistan grenzenden Unruhe-Provinz Sistan-Baluchistan.

(Karte: DW)

Zahedan ist die Hauptstadt der Unruhe-Provinz Sistan-Baluchistan

Die Dschundollah kämpft nach eigenen Angaben für die Rechte der sunnitischen Minderheit im Iran. Die Führung im Iran beschuldigt ihren Erzfeind, die USA, die Gruppe zu unterstützen. Die USA weisen dies zurück. Ein iranischer Abgeordneter warf den USA umgehend vor, schuld an den jüngsten Anschlägen zu sein. US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte ihrerseits den Anschlag. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sprach von einer feigen Tat, für die es keine Rechtfertigung gebe.

Rund 100 bewaffnete Kämpfer

Dschundollah wurde 2002 gegründet und bezeichnet sich selbst als Widerstandsbewegung des iranischen Volkes. Sie bekennt sich zur sunnitischen Minderheit in dem mehrheitlich schiitisch geprägten Iran. Die Gruppe nahm 2005 den bewaffneten Kampf auf. Sie setzt sich zusammen aus vermutlich etwas weniger als 100 Kämpfern, die mit Sprengkörpern und kleineren Waffen ausgerüstet sind. Die iranische Führung wirft der Gruppe vor, Kontakte zum Terrornetzwerk El Kaida zu unterhalten.

Autor: Martin Muno (afp, rtr, dpa)
Redaktion: Reinhard Kleber

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