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Wissen & Umwelt

Sumio Iijima - der Nano-Pionier

Der Nanophysiker Sumio Iijima (Foto: AP)

Manchmal ist es der purer Zufall, der einer großen Entdeckung auf die Sprünge hilft. Wir schreiben das Jahr 1991: In einem Labor des japanischen Elektronikkonzerns NEC hockt der Physiker Sumio Iijima wieder einmal über seinem Elektronenmikroskop – einer hochleistungsfähigen Speziallupe, mit der sich selbst feinste Nanoteilchen sichtbar machen lassen.

Makkaroni aus Kohlenstoff

Eigentlich möchte der Japaner an diesem Tag Kohlenstoff-Partikel näher untersuchen, die eine mehr oder weniger runde Form haben. Plötzlich aber stockt der Gute: Unerwartet tauchen auf dem Bild lange, spitze Nadeln auf – winzige Röhren aus Kohlenstoff. Sie ähneln einer Makkaroni-Nudel, sind aber eine Million Mal kleiner. Iijima hat in diesem Moment nichts anderes als eine ganz neue Stoffklasse erzeugt – und zwar völlig unabsichtlich und ganz und gar aus Versehen.

Doch die Entdeckung der 'Nanotubes' begeistert die Fachwelt nicht sofort. Anfangs galten die winzigen Kohlenstoffmakkaroni als molekulare Exoten, als merkwürdige Laune der Natur. Die Fachwelt zeigte damals wenig Interesse, Sumio Iijima war bitter enttäuscht. Erst Anfang dieses Jahrzehnts wurde es allmählich möglich, Nanotubes gezielt und in diversen Varianten herzustellen. Plötzlich erkannte die Fachwelt, wie interessant die Moleküle für die verschiedensten Anwendungen sein könnten: Denn sie sind extrem stabil, leiten hervorragend Strom und lassen sich bestens mit anderen Teilchen spicken.

Potenzielle Alleskönner

Immer mehr Labors stürzen sich auf die kohleschwarzen Winzlinge. Seitdem erscheint alle paar Wochen eine Veröffentlichung in Nature oder Science, den beiden prominentesten Wissenschaftsmagazinen.

Mittlerweile gelten die Winzlinge als potenzielle Alleskönner der Nanotechnologie: Forscher basteln an Prototypen für ultraschnelle Computerchips, extrem reißfeste Werkstoffe, gestochen scharfe Flachbildschirme und ultrasensible Sensoren für die Medizin.

Mittlerweile wurde Sumio Iijima, der anfangs verkannte Entdecker, ganz zu Recht, mit Dutzenden von Preisen und Ehrendoktortiteln überhäuft. Die einzige Medaille, die im Trophäenschrank des 70-Jährigen noch fehlt, ist eine Plakette aus Stockholm: der Nobelpreis für Physik.

Autor: Frank Grotelüschen

Redaktion: Judith Hartl