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Reise

Sumatra - Begegnung mit Orang-Utans

Indonesien ist ein beliebtes Reiseland. Allein das Urlaubsparadies Bali zieht jährlich rund vier Millionen Touristen an. Aber nur wenige kommen nach Sumatra - die sechstgrößte Insel der Welt.

Rund fünf Stunden dauert unsere Fahrt von Medan, der größten Stadt auf Sumatra, bis in den Dschungel, obwohl die Strecke noch nicht einmal 100 Kilometer lang ist. Doch die Straßen sind in schlechtem Zustand, ein Schlagloch reiht sich an das nächste. Ganz schön durchgeschüttelt erreichen wir Bukit Lawang, ein kleines Dorf mit einfachen Häusern. Dahinter erhebt sich dicht und üppig eine grüne Wand - der Regenwald!

Indonesien Sumatra (DW/P. Szilagyi)

Bukit Lawang: Ausgangsort für Dschungel-Touren

Den Orang-Utans ganz nah

Bukit Lawang ist das Tor zum Gunung Leuser Nationalpark. Von hier starten die meisten Besucher ihre Tour zu den Orang-Utans - eine der Hauptattraktionen Sumatras. Der Park ist mit rund 9000 Quadratkilometern eines der größten intakten Ökosysteme Indonesiens und einer der letzten Lebensräume dieser friedlichen Menschenaffen. Einst waren Orang-Utans in weiten Teilen von Südostasien heimisch, heute sind sie vom Aussterben bedroht. Nur auf Borneo und im Norden von Sumatra kann man sie noch beobachten.

Indonesien Sumatra Orang-Utan (DW/P. Szilagyi)

Rund 14.000 Orang-Utans leben im Nationalpark

Mit kundigen Führern macht sich unsere kleine Gruppe auf den Weg durch den feucht-schwülen Regenwald. Kaum eine Viertelstunde vom Eingang des Parks entfernt, die erste Sichtung: Ein Orang-Utan sitzt in einem der hohen Bäume und beobachtet Touristen, die gerade um das beste Foto wetteifern. Besonders faszinierend für uns: die Mimik der Tiere. Sie wirkt irgendwie vertraut. Unser indonesischer Guide Indra erklärt, dass das Erbgut der Orang-Utans mit dem der Menschen zu 97 Prozent übereinstimmt. Da verwundert es einen nicht, dass der Name "Orang-Utan" übersetzt "Waldmensch" heißt.

Indonesien Sumatra Thomas-Langur (DW/P. Szilagyi)

Entspannte Zeitgenossen: Thomas-Languren im Regenwald

Nachdem die ersten Schnappschüsse gemacht sind, geht es weiter, tiefer in den Regenwald. Indra zeigt uns die heimische Flora und hat ein gutes Auge für die Dschungel-Bewohner. Wir entdecken schwarze Gibbons, die sich in den Baumwipfeln wiegen. Makaken hüpfen blitzschnell von Ast zu Ast. Dagegen scheinen die Thomas-Languren mit ihrer auffälligen Irokesen-Frisur geradezu stoisch.

Doch die Hauptattraktion bleiben die Orang-Utans. Während unseres zweitägigen Treks haben wir das Glück, etwa zehn von ihnen beobachten zu können.

Die Batak - eine christliche Minderheit mit ganz eigener Kultur

Mit diesen Eindrücken im Gepäck geht es weiter in Richtung Hochland. Hier, mitten im muslimisch geprägten Indonesien, leben die überwiegend christlichen Batak, ein indigenes Volk. Sie sprechen ihre eigene Sprache und haben viele ihrer alten Rituale und Traditionen bis heute erhalten.

Indonesien Sumatra Häuser der indigenen Batak (DW/P. Szilagyi)

Traditionelle Batak-Häuser am Toba-See

Besonders spektakulär ist ihre Architektur. Vor allem rund um den Toba-See kann man sie entdecken. Überall ragen dort die geschwungenen Dächer der traditionellen Batak-Häuser in den Himmel. Der Bürgermeister eines Dorfes erklärt uns die ungewöhnliche Bauweise. Die drei Ebenen der Häuser symbolisieren den alten Glauben der Batak an eine Aufteilung der Welt: Der Unterbau aus Pfählen bleibt ungenutzt und steht für die Unterwelt. Darüber liegt mit der Wohnebene des Hauses die Sphäre der Menschen. Der luftige Dachboden steht leer und ist den Göttern und den Geistern der Ahnen vorbehalten.

Banda Aceh - Erinnerungen an die Katastrophe

Letzte Station unserer Reise ist Banda Aceh, ganz im Norden Sumatras. Die Provinzhauptstadt wirkt offen und freundlich und lässt sich gut zu Fuß erkunden. Doch ihr Name bleibt wohl mit einer der schrecklichsten Naturkatastrophen der jüngeren Zeit verbunden: dem verheerenden Tsunami von 2004. Allein in Banda Aceh starben damals rund 25.000 Menschen, mehr als 170.000 waren es in der Region. Heute ist von den Zerstörungen auf den ersten Blick nichts mehr zu erkennen. Doch das Gedenken an die Katastrophe ist spürbar. Im 2009 erbauten Tsunami-Museum kann man sich ein Bild von den Ereignissen machen.

Indonesien Sumatra Tsunami-Museum Banda Aceh (DW/P. Szilagyi)

Namen der Opfer im Tsunami-Museum

Der Zugang zum Museum führt durch einen dunklen Tunnel. Wasser strömt an den Wänden herunter. 22 Meter hoch sind sie - genauso hoch wie die Welle, die am 26.12.2004 die Stadt überrollte. Während wir durch diesen Gang hinab gehen, sorgt eine diffuse Geräuschkulisse aus Wasserrauschen und Stimmengewirr für Desorientierung. Wohl nur der Hauch einer Ahnung, wie die Situation für die Betroffenen damals wirklich war.

Indonesien Sumatra Generatorschiff PLTD Apung 1 (DW/P. Szilagyi)

Gestrandet: ein 2600-Tonnen-Koloss in Banda Aceh

Etwa einen Kilometer vom Museum entfernt erinnert ein anderes Mahnmal fast ebenso eindrücklich an die Naturkatastrophe. Mitten in der Stadt liegt ein tonnenschweres Schiff auf dem Trockenen wie ein gestrandeter Wal. Ein surrealer Anblick. Durch den Tsunami wurde der 60 Meter lange Koloss rund fünf Kilometer landeinwärts getrieben, mitten hinein in ein Wohngebiet. Doch das Leben geht weiter - auch hier.