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Afrika

Sudan/Südsudan: "Wir müssen dorthin schauen, wo es knirscht."

Wie lässt sich das Medieninteresse an der krisengeschüttelten Region aufrechterhalten? Und welche Rolle spielen lokale Medien im Sudan-Konflikt? Antworten darauf gaben deutsche und sudanesische Experten.

Manchmal wissen auch erfahrene Reporter nicht weiter. "Ich bin ratlos", gestand Horand Knaup, Afrika-Korrespondent des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Während er noch umfangreich über die Unabhängigkeit des Südsudans vor einem Jahr habe berichten können, gebe es heute, ein Jahr danach, in seiner Redaktion kaum noch Interesse an Afrikas jüngstem Staat. Auch er selbst sei zuweilen ermüdet von den Berichten über Kriege und Katastrophen auf dem afrikanischen Kontinent.

Das Copyright liegt bei der DW Akademie, der Fotograf ist Eric Thevenet Datum: 21.09.2012 Ort: ARD Hauptstadtstudio

Horand Knaup, Stefan Maier, Arnd Henze (von rechts)

"Dann berichten sie doch einmal über die positiven Beispiele, die es auch aus unseren beiden Ländern zu berichten gibt", konterte darauf die Sudanesin Belgees Fageri und erzählte von ethnisch gemischten Familien, die jenseits politischer Konflikte einen friedvollen Alltag lebten. Die Journalistin arbeit für die staatliche Sudanese News Agency (SUNA) und war gemeinsam mit Knaup und weiteren Kollegen Podiumsgast beim Expertengespräch Medien International von DW Akademie und ARD-Hauptstadtstudio in Berlin. Die Veranstaltung war Teil des Medientrialogs zwischen Sudan, Südsudan und Deutschland, zu dem die DW Akademie mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes eingeladen hatte.

Stefan Maier, Reporter der Auslandsredaktion des SWR und ehemaliger ARD-Korrespondent, machte deutlich: "Wir müssen dorthin schauen, wo es knirscht." Eine Nachrichten-Sendung berichte in erster Linie über Konflikte und die würden nun einmal in der Region deutlich überwiegen. "Leider ist es aus Formatgründen im Fernsehen kaum möglich, hintergründig zu berichten." Das werde der komplexen Realität nur selten vollständig gerecht.

Problematisch sind auch die Arbeitsbedingungen für Journalisten im Sudan und Südsudan - das wurde während der Expertenrunde im ARD-Hauptstadtstudio deutlich. Einhellig berichteten die deutschen Journalisten über gezielte Behinderung ihrer Arbeit, etwa durch sudanesische Behörden. Im Südsudan hingegen sei es die oft kaum entwickelte Infrastruktur, die ihre Arbeit sehr erschwere, so die Reporter.

Dagegen bemühten sich Belgees Fageri und Fauzia Hezekia Paul vom Südsudanischen Radio (SSR) um diplomatische Zurückhaltung. Kritische Journalisten hätten keine Repressalien zu befürchten, versicherten sie. Eine Haltung, die auf scharfe Kritik einiger Anwesender stieß. So berichtete ein Teilnehmer des Medientrialogs der DW Akademie von massiven Repressionen gegen Journalisten im Norden. Auch Zensur sei an der Tagesordnung. "Einige Kollegen geben sich sogar geschlagen und gehen ins Ausland. Diese erfahrenen Journalisten fehlen uns dann in der täglichen Berichterstattung."

Und wie ist es um die gegenseitige Berichterstattung der beiden Staaten bestellt? "Schnelle Lösungen, um gegenseitige Vorurteile und Spannungen abzubauen, wird es nicht geben", sagte Manuela Römer, Projektmanagerin der DW Akademie. "Wir setzen auf einen langfristigen Dialog. Noch kennen sich die Medienvertreter aus den Zeiten vor der Unabhängigkeit persönlich. Wir setzen uns dafür ein, damit das auch in Zukunft so bleibt." Belgees Fageri aus Sudan und Fauzia Hezekia Paul aus Südsudan lobten die Bemühungen und bestätigten, wie wichtig ihnen der Austausch sei. "Wir wollen nicht voller Hass berichten, sondern uns um eine ausgewogene Berichterstattung bemühen", sagte Fauzia Hezekia Paul.

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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