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Kultur

Sucht nach Bits und Bytes

Macht gewalttätig! Macht blöd! Macht süchtig! Spielgegener heulen auf, wenn sie eine Konsole sehen. Was ist dran an ihren Warnungen?

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Meine Konsole und ich - machen Computer- und Videospiele süchtig?

Keith Bakker ist inzwischen so erschöpft, dass er aus Amsterdam nach Griechenland geflohen ist. 400 Interviews haben er und seine Mitarbeiter in den letzten zwei Monaten gegeben. Von CNN über BBC bis Al-Jazira. Bakker ist Direktor der Firma Smith & Jones, die in den Niederlanden sechs Therapiekliniken betreibt. Seit wenigen Wochen bieten sie auch ein Therapieprogramm für Computerspiel-Süchtige an und seitdem werden sie überrollt von Anfragen aus aller Welt.

Computerspiel Pacman

Der harmlose Klassiker aus den 1980er Jahren: Pacman.

Das klinische Angebot ist neu in Europa. Bislang konnten besorgte Eltern ihre Zöglinge nur zur ambulanten Psychotherapie schleifen. Computerspielsucht ist keine anerkannte Krankheit, die von der Krankenkasse bezahlt wird. Ihre Folgen sind teilweise aber so schwerwiegend, dass die Betroffenen aus anderen Gründen beim Psychiater landen: Depressionen, Ängste und Sozialphobien.

Ähnlich wie bei Cannabis

Ralf Thalemann kennt solche Fälle. Er ist Kinder- und Jugendtherapeut und arbeitet im Suchtforschungszentrum der Berliner Charité. Er hat eine Studie über exzessives Computerspielen gemacht und physiologisch bestätigt, dass Computerspielen süchtig machen kann. Genauso, wie der Konsum von Cannabis oder Alkohol. "Die Hirnreaktionen von exzessiven Computerspielern ähneln denen von Alkohol- und Drogensüchtigen", sagt er.

Marihuana Pflanze

Ähnliche Hirnreaktionen wie beim Cannabis-Konsum

Exzessive Computerspieler sind für Thalemann diejenigen, die mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllen: sie haben ein unstillbares Verlangen zu spielen, entwickeln eine Toleranz, so dass sie immer mehr spielen müssen, um den gleichen Effekt zu erhalten, leiden unter Entzugssymptomen, vernachlässigen Freunde oder Hobbies, sie verlieren die Kontrolle über das eigene Spielverhalten und spielen immer weiter, auch wenn das negative Folgen hat wie Probleme in der Schule oder im Berufsleben.

Stress geht, Spaß kommt

"Kontrollverlust erlebt jeder Computerspieler relativ schnell, das ist ja schon, wenn man sich nur für eine halbe Stunde hinsetzen will und dann doch ein paar Stunden spielt und die Zeit vergisst", sagt er. "Das ist für sich natürlich nicht so schlimm. Aber wenn dann noch andere Kriterien dazukommen, dann wird es kritisch."

Lesen Sie weiter: Wer anfällig ist für die Spielsucht ...

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