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Mord in Titos Namen

Suche nach Wahrheit

Robert Zagajski war 17 als sein Vater 1983 ermordet wurde – im Auftrag des jugoslawischen Geheimdienstes. Bis heute leidet er unter der Ungewissheit, was damals genau passiert ist.

Robert Zagajski, Sohn des Geheimdienstopfers Djuro Zagajski

Robert Zagajski, Sohn des Geheimdienstopfers Djuro Zagajski

Mindestens 29 Menschen hat der jugoslawische Geheimdienst von 1967 bis zum Fall der Berliner Mauer in der früheren Bundesrepublik Deutschland ermorden lassen: Die Kinder und Ehefrauen der Opfer wissen bis heute nichts über die genauen Umstände der Taten.

Mord in Titos Namen – Geheime Killerkommandos in Deutschland – Familienbild

Robert Zagajski (zweiter von links) konnte bis heute die Ermordung seines Vaters Djuro nicht völlig aufarbeiten. Die Tatumstände, die Mörder – zu vieles ist bis heute unklar.

In ihrem gemeinsamen Dokumentarfilm „Mord in Titos Namen“ begleiten die Deutsche Welle und der Bayerische Rundfunk Robert Zagajski beispielhaft bei seiner Suche nach der Wahrheit – in Archive, zu Zeugen und zu einem ehemaligen Geheimdienstspitzel.

Die Folgen dieser wohl längsten unaufgeklärten Mordserie der früheren Bundesrepublik belasten die Angehörigen der Opfer bis heute.



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Kroatien/Deutschland: Hoffnung auf Genugtuung (06.03.2013)

Die betroffenen Familien wurden oft von zwei Seiten ausgegrenzt: von der deutschen Gesellschaft, die viele Geheimdienst-Opfer als Teil einer kriminellen jugoslawischen Immigranten-Szene ansahen und von jugoslawischen Landsleuten in Deutschland, die daran glaubten, dass die Opfer schon nicht ohne Grund ermordet worden seien. Es war das Ziel der Geheimdienststrategen in Jugoslawien, ein Klima der Unsicherheit unter den kroatischen Regimegegnern im deutschen Exil zu verbreiten. Hunderte Mitarbeiter – manche Quellen sprechen von 3000 – spitzelten allein in Deutschland für den Apparat. Sie fertigten Bewegungsprofile, kundschafteten Regimegegner und deren Familien aus.

Wie so viele jugoslawische Agenten und Spitzel - unbemerkt von den deutschen Sicherheitsbehörden eine Blutspur durch Deutschland ziehen konnten - ist bis heute unklar. Auch die Rolle der deutschen Geheimdienste ist undurchsichtig. Sicher ist: Unter den jugoslawischen Geheimdienstinformanten waren auch Doppelagenten, die genauso für deutsche Behörden wie das Bundesamt für Verfassungsschutz arbeiteten. Darunter offenbar auch der ehemalige Gastwirt Vinko Sindicic, der in den 1970er Jahren im südwestdeutschen Bundesland Baden-Württemberg gearbeitet hatte. Gegen den Mann ermittelte die Polizei in Heidelberg 1972 wegen Mordes an dem Exilkroaten Josip Senic – ohne Ergebnis.

Mord in Titos Namen – Geheime Killerkommandos in Deutschland – Gastarbeiter

Unter den vielen Arbeits-Einwanderern aus Jugoslawien waren 9500 politisch aktive Kroaten in der früheren Bundesrepublik organisiert. Sie wandten sich gegen ihr sozialistisches Heimatland Jugoslawien und wurden so zum Ziel des dortigen Geheimdienstes.

Auch wegen des Mordes an der Stuttgarter Gastarbeiter-Familie Sevo wurde gegen Vinko Sindicic ermittelt. Vater, Mutter und Tochter waren in der Nähe von Venedig im Urlaub ermordet worden. Sindicic soll noch vor dem Mord mit ihnen gesehen worden sein. Mysteriös: Aus einem Dokument des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, das der Deutschen Welle und dem Bayerischen Rundfunk vorliegt, geht hervor, dass der Bundesverfassungsschutz den Anwalt Sindicics bezahlte. Doch auch nach mehrmaligem Nachfragen während der Recherchen zum Film „Mord in Titos Namen“ gab es dazu keine Auskünfte von deutschen Behörden.

Mord in Titos Namen – Geheime Killerkommandos in Deutschland – Fahndung Perkovic Mustac

Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft dem letzten jugoslawischen Geheimdienstchef Zdravko Mustac vor, den Mord an Stjepan Djurekovic in die Wege geleitet zu haben.

Dabei spielt der Mann heute wieder eine wichtige Rolle: Als Hauptbelastungszeuge im nun anstehenden Mordprozess gegen die beiden ehemaligen jugoslawischen Geheimdienstagenten Josip Perkovic und Zdravko Mustac, die von 17. Oktober 2014 an in München vor Gericht stehen. Der Prozess soll Licht in den Mord an einem Exilkroaten 1983 in Wolfratshausen bei München bringen – den ehemaligen jugoslawischen Spitzenmanager und späteren Dissidenten Stjepan Djurekovic. Der mutmaßliche Ex-Agent Sindicic belastet die Angeklagten schwer. Dem Vernehmen nach verlässt sich die deutsche Bundesanwaltschaft in zwei Dritteln ihrer Anklage auf den ominösen Zeugen, der heute im Großraum Mailand lebt.

Die Opferangehörigen hoffen dennoch auf den Münchner Prozess – auch auf mehr Klarheit in anderen Fällen. Insgesamt wird in Deutschland wegen mehr als zehn jugoslawischen Attentaten ermittelt. Das gewaltsame Ende des sozialistischen Jugoslawien in den Balkankriegen der 1990er Jahre, rückte diesen Teil jugoslawischer Geschichte lange in den Hintergrund. Erst neue Hinweise aus dem heutigen EU-Land Kroatien bereiteten vor einem Jahrzehnt den Weg dafür, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen wurden: Mord verjährt in Deutschland nicht.

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