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Fokus Osteuropa

Suche nach Vermissten in Bosnien-Herzegowina kommt nicht voran

Zum Internationalen Tag der Vermissten (30.8.) beklagen in Bosnien-Herzegowina Opferverbände, dass auch zehn Jahre nach dem Krieg rund 15.000 Menschen weiter vermisst sind. Die Aufklärung stockt.

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Eine Ursache: Zu wenig Forensiker im Einsatz

Der Krieg in Bosnien-Herzegowina ist seit mehr als einem Jahrzehnt vorüber, aber das Schicksal von etwa 15.000 Einwohnern aller Ethnien dieses Landes ist bis heute unbekannt. Sie werden noch als vermisst geführt. In Bosnien-Herzegowina ist sogar ein Gesetz über vermisste Personen verabschiedet und ein Institut für die Suche nach Vermissten eingerichtet worden. Doch greifbare Erfolge gibt es bislang nicht. Opferverbände beklagen die mangelnde Umsetzung von Gesetzesregelungen und machen dafür auch die Politik verantwortlich.

Schuldzuweisungen an die Regierung

Auf die Frage, wer oder was diesen Prozess behindere, sagt Zvonimir Kubinek von der regionalen Vereinigung der Familien gefallener und vermisster kroatischer Verteidiger: "Das größte Problem ist gerade die Regierung. Wir haben dieses Gesetz über vermisste Personen. Das wird jedoch nicht angewandt", so Kubinek. Milijana Bojic vom Dachverband der Familien der inhaftierten und vermissten Personen aus der Republika Sprska geht noch einen Schritt weiter. Sie meint: "Die Vermissten sind ein Ergebnis der Politik. Denn es ist die Politik, die verhindert, dass eine Lösung gefunden wird. Dies wird so bleiben, bis das Gesetz über Vermisste angewandt wird. Die Politiker in diesem Land müssen sich an einen Tisch setzen und klar festlegen, was ein Kriegsverbrechen ist, und wer ein Kriegsverbrecher. Alle Verbrecher müssen hinter Gittern landen, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit."

Ahmed Grahic vom Dachverband der bosniakischen gefangenen und vermissten Personen in Bosnien-Herzegowina meint dagegen: "Die Institutionen sind einfach nicht ausreichend in diesen Prozess eingebunden." Ihm zufolge gibt es nicht genug Expertenteams, die die Identifizierung der Exhumierten vornehmen könnten. Deshalb verlaufe auch dieser Prozess nur sehr langsam. Allerdings meint auch er, dass die Bestimmungen des Vermisstengesetzes zu langsam umgesetzt würden: "Leider ist nun schon ein Jahr vergangen seit der Unterzeichnung des Protokolls über die Einrichtung eines Instituts. Allerdings hat das Institut bis zum heutigen Tag weder einen Verwaltungs- noch einen Aufsichtsrat. Dadurch ist es einfach nicht möglich, dass das Institut seine Arbeit aufnimmt", so Grahic.

Marinko Sekulic, Srebrenica
DW-RADIO/Bosnisch, 30.8.2006, Fokus Ost-Südost

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