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Deutschland

Suche nach Hintergründen des Bombenfunds

Nach dem Bombenfund am Hauptbahnhof in Bonn ermittelt die Polizei in alle Richtungen. Fest steht, dass der in einer Sporttasche entdeckte Sprengsatz hochgefährlich war.

Der Bonner Hauptbahnhof (Foto: dpa)

Am Montag (10.12.) wurde am Bonner Hauptbahnhof eine Bombe entdeckt

In der am Montag gefundenen blauen Tasche befand sich ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr, um das vier Butangaskartuschen gebunden waren. Ob die Bombe tatsächlich funktionsfähig war, muss noch geklärt werden. Laut dem leitenden Kölner Polizeidirektor Norbert Wagner gab es eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker, aber keinen Zünder.

Die Polizei geht von einem versuchten Anschlag aus. Ein zwischen 30 und 35 Jahre alter Mann soll laut Zeugen die Tasche zwei auf dem Bahnsteig wartenden Jugendlichen vor die Füße geschoben haben.

Polizisten am Bonner Hauptbahnhof (Foto: dpa)

Polizisten untersuchen nach dem Bombenfund die Gleise

Von dem Mann gibt es ein Phantombild. Einer der beiden Jugendlichen hat ihn beschrieben. Videoaufzeichnungen von der Szene am Bahnsteig gibt es nicht.

Bereits einen Tag nach dem Fund hatte die Polizei zwei Männer festgenommen, sie aber kurz darauf wieder freigelassen. Bonn ist seit längerem für seine Salafistenszene bekannt. Wohl deshalb wurde in den Medien spekuliert, dass Salafisten hinter dem Anschlagsversuch stecken könnten.

Generalbundesanwalt tritt noch nicht in Aktion

Laut Wilfried Albishausen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) gehen die Ermittlungen durchaus in Richtung islamistischer Terrorismus - aber auch in alle anderen Richtungen. Das sei ein kriminalistischer Grundsatz, außerdem könne das Missachten anderer Möglichkeiten "zu einem erheblichen Zeitverzug führen, der dem Täter nützt und dem Ermittlungsverfahren schadet", sagte Albishausen der Deutschen Welle.

Die Federführung in dem Fall hat derzeit das Polizeipräsidium Köln. "Sollte sich ein terroristischer Hintergrund konkret bestätigen, dann würde die Zuständigkeit an das Bundeskriminalamt und den Generalbundesanwalt gehen", sagte Albishausen.

Generalbundesanwalt Harald Range (Foto: dapd)

Generalbundesanwalt Harald Range

Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof ist die oberste Strafverfolgungsbehörde, wenn es um die innere und äußere Sicherheit in Deutschland geht. Der amtierende Generalbundesanwalt Harald Range sieht noch keinen Anlass, die Ermittlungen zu übernehmen. Für einen terroristischen Hintergrund gebe es bislang keine ausreichenden Anhaltspunkte, sagte Range am Mittwoch.

Video aus McDonald’s-Filiale bringt weitere Hinweise

Neben dem Phantombild wurde mittlerweile noch ein Video aus einer McDonald’s-Filiale am Bonner Hauptbahnhof veröffentlicht. Es zeigt einen anderen Mann, der in der rechten Hand offenbar die blaue Sprengstofftasche trägt. Die Polizei teilte mit, dass schon zahlreiche Hinweise zu dem Video eingegangen seien.

Außerdem ist die Polizeipräsenz in Nordrhein-Westfalen insgesamt verstärkt worden, sowohl die sichtbare als auch die verdeckte, wie Albishausen erklärt. "Die Bürger können davon ausgehen, dass wir gerade jetzt sehr genau hinschauen", sagte er.

Bundesregierung: Keine konkrete Anschlagsgefahr

Das Bundesinnenministerium teilte am Donnerstag mit, es gebe auch nach dem Bombenfund keine Hinweise auf eine Gefährdung konkreter Ziele in Deutschland. Das gelte auch für Weihnachtsmärkte. Allerdings stehe Deutschland nach wie vor im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus. "Daher sollten wir - bei aller Wachsamkeit - unser alltägliches Leben nicht beeinträchtigen lassen", hieß es weiter. Ähnlich hatte sich BKA-Präsident Jörg Ziercke am Mittwochabend in der ZDF-Sendung Aktenzeichen "XY... ungelöst" geäußert: "Ruhe bewahren und Aufmerksamkeit ist angesagt."

Diese Aufmerksamkeit kann auch zu Fehlalarmen führen. Nachdem am Mittwoch einer Passantin am Essener Hauptbahnhof eine Reisetasche aufgefallen war, wurde der Bahnhof geräumt und gesperrt. Die Polizei untersuchte die Tasche, der Inhalt stellte sich als harmlos heraus.