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Deutschland

Suche nach der Unglücksursache

Das schwere Zugunglück in Sachsen-Anhalt mit zehn Toten gibt den Ermittlern Rätsel auf. Nicht nur die Ursache des Unfalls liegt weiterhin im Dunkeln. Auch die Identität mehrerer Opfer muss noch geklärt werden.

Einsatzkräfte bergen mit Kranwagen nachts den verunglückten Triebwagen (Foto: dapd)

Einsatzkräfte bargen in der Nacht den verunglückten Triebwagen

Ob ein technischer Fehler oder aber menschliches Versagen zu der Katastrophe führte, ist auch zwei Tage nach dem schweren Zugunglück noch unklar. Noch in der Nacht zum Montag (31.01.2011) seien Spuren gesichert worden, sagte Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch. Auch die Identifizierung der Toten gestalte sich sehr schwierig - viele Passagiere hätten keine Ausweispapiere bei sich. "Die Unglücksstelle zeigt ja ein Bild des Grauens", sagte Kriebitzsch. Die Landespolizei hatte Experten aus dem Bundeskriminalamt (BKA) angefordert, um die Leichen schneller identifizieren zu können.

Tote und Verletzte

Auf eingleisiger Strecke waren am späten Samstagabend in Hordorf der Regionalzug Harz-Elbe-Express, der mit 50 Reisenden von Magdeburg nach Halberstadt fuhr, sowie ein Güterzug frontal zusammengeprallt. Zehn Menschen starben, 23 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Es gebe noch "mindestens zehn Personen, die sich in den Krankenhäusern befinden und behandelt werden müssen", sagte Kriebitzsch. Einige andere hätten die Kliniken dagegen bereits wieder verlassen.

Das Technische Hilfswerke zerlegt mit Hilfe eines Baggers den Personenzug (Foto: dapd)

Das Technische Hilfswerk zerlegte mit Hilfe eines Baggers den Personenzug

Fünf Verletzte sollen Ausländer im Alter zwischen 21 und 35 Jahren sein. Vier von ihnen kämen aus Georgien, Kasachstan, Portugal und Brasilien, teilte das Innenministerium in Magdeburg mit. In dem Regionalzug saßen viele junge Leute, die vermutlich eine Disco in Halberstadt besuchen wollten.

Während der Lokführer des Personenzugs ums Leben kam, überlebte sein Kollege im Güterzug. Nach Medienberichten war er zum Zeitpunkt des Unfalls möglicherweise nicht im Führerstand. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat inzwischen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperversetzung und Gefährdung des Bahnverkehrs gegen ihn aufgenommen. Sie stützt sich auf eine Zeugenaussage, wonach der Zugführer möglicherweise ein Haltesignal übersehen hat.

Aufräumarbeiten

Die Aufräumarbeiten wurden in der Nacht zu Montag weitgehend abgeschlossen. Der beim Zusammenstoß völlig zerstörte Triebwagen des Personenzuges wurde von Mitarbeitern des Technischen Hilfswerkes in mehrere Teile zerlegt und mit Spezialfahrzeugen zur weiteren Untersuchung nach Halberstadt abtransportiert, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Morgen. Wie lange die Aufräumarbeiten und die Reparatur der beschädigten Gleise dauern werde, sei noch unklar. Wegen des Zugunglücks bleibt die Bahnstrecke zwischen Halberstadt und Magdeburg am Montag gesperrt.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU, M.) schaute sich die Unglücksstelle an (Foto: dapd)

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU, M.) schaute sich die Unglücksstelle an

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer sagte in der ARD-"Tagesschau", es werde möglicherweise noch Tage dauern, bis die Unfallursache geklärt sei. Bei einem Besuch an der Unglücksstelle ließ sich der CSU-Politiker am Sonntagabend über den Stand der Ermittlungen informieren und machte sich selbst ein Bild von den Arbeiten vor Ort.

Fehlendes Sicherungssystem

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte Konsequenzen des Unfalls. "Es muss geklärt werden, ob und wo es gegebenenfalls grundlegende Sicherheitsmängel gibt, insbesondere auf Strecken mit schwerem Güterverkehr und Personenzügen", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Karl-Peter Naumann, den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Montagausgabe).

Auf dem Unglücks-Gleisabschnitt war noch kein zusätzliches Sicherungssystem eingebaut, das Züge automatisch bremsen kann, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Installation eines solchen Systems sei aber geplant. Dies sei allerdings nicht vorgeschrieben, da die Strecke nur bis zu 100 Stundenkilometer zugelassen sei, betonte sie. Das System der "Punktförmigen Zugbeeinflussung" (PZB) löst eine Zwangsbremsung aus, wenn ein Zug über ein Haltesignal fährt. Dabei senden Magneten, die mit Vorsignal und folgendem Hauptsignal verkabelt sind, Signale in die Lok.

Sicherheitssysteme, die beim Überfahren eines roten Signals eine sofortige Notbremsung auslösen, sind nach Naumanns Angaben "längst nicht auf allen Strecken in Ostdeutschland" eingebaut. Dort müsse jetzt schnell nachgerüstet werden. In Westdeutschland seien entsprechende Systeme dagegen Standard.

Autor: Martin Schrader (dapd, dpa)
Redaktion: Gerhard M Friese

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