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Aktuell Europa

Suche nach dem fünften Brüsseler Attentäter

Das Brüsseler Terrorkommando war möglicherweise größer als bisher gedacht. Laut Polizei legen Bilder nahe, dass es bei dem Anschlag in der Metro einen weiteren Komplizen gab. Was mit ihm passierte, ist unklar.

Neue Erkenntnisse legen nahe, dass der Selbstmordattentäter in der Brüsseler Metro vermutlich nicht alleine unterwegs war. Nach Polizeiangaben zeigen die Bilder einer Überwachungskamera neben dem bereits identifizierten Attentäter Khalid El Bakraoui einen zweiten Verdächtigen, der eine große und offenbar schwere Tasche bei sich habe. Den Angaben zufolge ist auf den Bildern zu sehen, wie der Attentäter mit diesem Verdächtigen spricht. Er stieg demnach aber nicht mit ihm gemeinsam in den Wagen, in dem er sich El Bakraoui dann in die Luft sprengte. Unklar sei, ob der Verdächtige bei der Explosion getötet wurde oder ob er auf der Flucht ist.

Video ansehen 00:57

Terror in Brüssel - ein Augenzeuge berichtet

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich bislang nicht zu den Informationen. Sollte sich der Hinweis auf einen Komplizen des U-Bahn-Anschlags bestätigen, hätte das Terror-Kommando damit aus fünf Tätern bestanden, von denen sich mindestens drei in die Luft sprengten.

Auch Deutscher unter den Verletzten

Bei der Explosion in der Metrostation Maelbeek mitten im EU-Viertel waren am Dienstag 20 Menschen getötet und viele weitere verletzt worden. Der Anschlag war nach bisherigen Erkenntnissen durch den 27-jährigen Belgier Khalid El Bakraoui verübt worden, der unter falschem Namen auch Verstecke für die Attentäter von Paris gemietet haben soll. Sein 29-jähriger Bruder Ibrahim El Bakraoui hatte seinen Sprengsatz in der Abfertigungshalle des Flughafens als einer von zwei Selbstmordattentätern gezündet. Die Brüder El Bakraoui seien wegen zahlreicher Verbrechen gesucht worden, erklärte der ermittelnde Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw.

Bei den Explosionen am Brüsseler Flughafen waren 11 Menschen getötet worden. Insgesamt wurden bei den Attentaten nach jüngsten Angaben 300 Menschen verletzt, darunter laut Auswärtigem Amt auch mindestens ein Deutscher. Zu den Anschlägen bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Fahndung nach dem dritten Flughafen-Attentäter

Neben Ibrahim El Bakraoui sprengte sich am Flughafen auch der Bombenbauer Najim Laachraoui in die Luft, wie am Mittwoch aus Polizeikreisen verlautete. Wie Khalid El Bakraoui soll auch der 24-jährige Laachraoui in Verbindung zu den Anschlägen von November in Paris gestanden haben.

Ibrahim El Bakraoui (li) und Khalid El Bakraoui (Foto: dpa)

Ibrahim El Bakraoui (li), Khalid El Bakraoui und ...

Er war erst vor kurzem zur Fahndung ausgeschrieben worden. Alle drei identifizierten Selbstmordattentäter sind in Belgien geboren. Nach einem weiteren Mann, dessen Bombe im Brüsseler Flughafen nicht detonierte, wird weiter unter Hochdruck gefahndet.

"Schmutzige Bombe" in Planung?

Die Brüsseler Terrorzelle steckte nach belgischen Medienberichten auch hinter einem Spionageangriff gegen einen Atomforscher. Die Brürder El Bakraoui wurden laut der Tageszeitung "La Dernière Heure" als diejenigen Männer identifiziert, die eine heimlich vor dem Wohnhaus des Wissenschaftlers angebrachte Überwachungskamera abmontierten.

Polizeifoto Najim Laachraoui (Foto: rtr)

... Najim Laachraoui sind alle in Belgien geboren

Anti-Terror-Fahnder hatten die Aufnahmen dieser Kamera im November bei Ermittlungen zu den Terroranschlägen in Paris entdeckt. Möglicherweise wollten die Islamisten von ihm radioaktives Material für eine sogenannte schmutzigen Bombe erpressen.

Abdeslam: keine Kenntnis von Anschlägen

Der am vergangenen Freitag in Belgien festgenommene Verdächtige der Pariser Anschläge, Salah Abdeslam, will nach Angaben seines Anwalts Sven Mary will nun doch nach Frankreich ausgeliefert werden. Bislang hatte sich Abdeslam, der unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen in Untersuchungshaft in Brügge sitzt, gegen die von Frankreich beantragte Auslieferung gewehrt. Er ist der Bruder eines der Selbstmordattentäter und soll drei der Attentäter zum Pariser Fußballstadion Stade de France gefahren haben. Nach Angaben der französischen Ermittler wollte er sich dort ursprünglich auch selbst in die Luft sprengen. Nach eigener Aussage hatte Abdeslam keine Kenntnis von den jüngsten Attentaten in Brüssel.

Belgische Behörden unter Druck

Unterdessen wird die Kritik an den belgischen Sicherheitsbehörden lauter. Dazu trägt insbesondere eine Aussage des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bei, nach der Ankara die belgischen Behörden bereits im Sommer 2015 vor einem der Brüsseler Attentäter von gewarnt haben soll.

Polizeifoto vom Flughafen eines Verdächtigen (Foto: dpa)

Nach diesem Mann fahndet die belgische Polizei

Dieser sei im Süden der Türkei als "ausländischer Terrorkämpfer" festgenommen und über die Niederlande in sein Heimatland abgeschoben worden. Doch "trotz Warnungen" sei er von den belgischen Behörden freigelassen worden. Aus türkischen Regierungskreisen verlautete, es habe sich um Ibrahim El Bakraoui gehandelt. Belgiens Justizminister Koen Geens erklärte dazu, der Mann habe damals nicht als Terrorverdächtiger, sondern als "gewöhnlicher Krimineller" gegolten, der zur Bewährung freigelassen worden sei.

Zwei belgische Minister haben derweil nach den Terroranschlägen ihren Rücktritt angeboten. Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens hätten ihre Ämter zur Verfügung gestellt, wie ihre Büros der Nachrichtenagentur Belga bestätigten. Nach Berichten mehrerer belgischer Medien lehnte Premierminister Charles Michel die Rücktrittsgesuche ab. Warum die Politiker ihren Rückzug anboten, wurde zunächst nicht bekannt.

Belgischer Flugverkehr liegt lahm

Inzwischen hat Belgien die Terrorwarnstufe wieder gesenkt. Die bislang geltende höchste Terrorwarnstufe vier wurde auf drei herabgesetzt. Das gelte für das ganze Land, teilte das nationale Krisenzentrum am Abend mit. Die Warnstufe war direkt nach den Attentaten am Dienstagmorgen auf die höchste Stufe heraufgesetzt worden. Diese besagt, dass ein unmittelbarer Terroranschlag droht. Die Herabsetzung bedeutet nun unter anderem, dass es an großen Bahnhöfen im Land keine systematischen Sicherheitskontrollen mehr gibt, sondern nur noch Stichproben. Eingänge von U-Bahn-Stationen sollen dennoch von Soldaten bewacht werden.

Der geschlossene internationale Flughafen der belgischen Hauptstadt soll erst frühestens am Sonntag wieder seinen Betrieb aufnehmen. Der Betreiber erklärte, es gebe große Schäden. Man habe noch keinen Zugang zu dem Gebäude, weil die Untersuchungen noch liefen.

Auch am Frankfurter Flughafen bleiben die Sicherheitsmaßnahmen zu Ostern erhöht. Die Lufthansa hat alle Flüge von und nach Brüssel bis einschließlich Ostermontag gestrichen. Mit besonderer Wachsamkeit begleitet die Bundespolizei das Fußball-Länderspiel Deutschland-England am Samstag in Berlin.

cw/sti/kle (dpa, afp, rtr)

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