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Wirtschaft

Substanz entscheidet

Am 11. Februar sind die Würfel gefallen: Die Deutsche Börse entschied über die neue Zusammensetzung der DAX-Familie - und alles blieb beim alten.

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TecDax & Co.: In Frankfurt werden die Aktien-Indizes neu sortiert

"Eine Spielhölle mit gezinkten Karten" - vernichtend war das Urteil von André Kostolany über den Neuen Markt, und das in einer Zeit als das Börsensegment noch euphorisch gefeiert wurde. Doch der Altmeister der Spekulation sollte Recht behalten: Gefälschte Bilanzen, falsche Ad-hoc-Meldungen als Treibmittel fürs Kursfeuerwerk und das Platzen der Internet-Blase ließen für die meisten Kleinanleger aus dem Traum vom leichten Geldverdienen einen teuren Alptraum werden. Mit der Erschaffung des "TecDax", eines Deutschen Technologie-Aktien-Index, versucht die Deutsche Börse nun, die Trümmer des Neuen Marktes zu los zu werden und das verlorene Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

Am 11. Februar setzen sich die Indexexperten der Deutschen Börse AG zusammen, um über die Zusammensetzung des neuen Börsenindex abzustimmen. Doch es geht nicht nur um die Neuauflage eines Kursbarometers für die Creme de la Creme deutscher High-Tech-Unternehmen. Die 30 DAX-Werte kommen auf den Prüfstand und über den von 70 auf 50 Titel eingedampften MDax wird entschieden. Künftig soll auch für ausländische Unternehmen der Sprung in MDax oder TecDax möglich sein. Der europäische Flugzeugbauer EADS gilt schon jetzt als heißer Aspirant.

Prime Time auf dem Börsenparkett

Alle Unternehmen, die ab März in den drei führenden Indizes der Deutschen Börse mit von der Partie sein wollen, müssen den "Prime Standard" erfüllen. Der Plan der Börsenmanager ist simpel: Nur die guten kommen rein, die anderen sollen keine Chance bekommen.

Für den "Prime Standard" sollen daher besonders strenge Regeln gelten: die Unternehmen zu Quartalsberichten, regelmäßigen Analystenkonferenzen sowie mehrsprachigen Pflichtmitteilungen verpflichten. Alle anderen Unternehmen müssen mit dem "General Standard" Vorlieb nehmen, für den lediglich die gesetzlichen Mindestnormen gelten.

Skepsis überwiegt

Viele Geldprofis wie Fondsmanager oder Vermögensverwalter sind skeptisch. "Ich glaube kaum, dass diese neuen Börsensegmente eine wirkliche Wende bringen", meint Eberhard Weinberger von der Dr. Jens Ehrhard Kapital AG. "Zuerst müssen die Rahmenbedingungen in Deutschland besser werden, das ist zur Zeit viel entscheidender." Den deutschen Medizintechnik-Hersteller Dräger, als künftiges Mitglied im TecDax gehandelt, hat Vermögensverwalter Weinberger schon lange entdeckt: "Wenn Sie auf der Suche nach einem guten Unternehmen mit Kurs- und Wachstumspotenzial sind, dann ist es egal, was da für ein Ettikett draufklebt."

Lutz Gebser, Vorsitzender des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter, bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel: "Das hat im Grunde nur einen Effekt: Es zersplittert die Liquidität. Ich wünsche mir das Parkett zurück, nicht immer neue Börsensegmente und -plattformen." Auch der neue "Prime Standard", von der Deutschen Börse AG als Garant für Transparenz und Fairness am Aktienmarkt gefeiert, kann den Anlageprofi nur wenig beeindrucken: "Was als ‚Prime‘ verkauft wird, ist lediglich Standard", meint der Vermögensverwalter und lässt offen, was er über den "General Standard" denkt.

  • Datum 13.02.2003
  • Autorin/Autor Thomas Kohlmann
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3EhD
  • Datum 13.02.2003
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