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Bundesliga

Stuttgarts kontrollierter Höhenflug

Nicht die Bayern, nicht der BVB - Stuttgart ist bisher die beste Mannschaft der Rückrunde. Vom kopflosen Hochgeschwindigkeitsfußball hat sich der Abstiegskandidat zum kontrollierten Offensivteam entwickelt. Aber wie nur?

Die Fakten sind beeindruckend. Der ehemalige Abstiegskandidat VfB Stuttgart führt die Rückrunden-Tabelle an. Die Schwaben haben in diesem Jahr so viele Tore wie Bayern München und Borussia Dortmund zusammen erzielt. Nach fünf Bundesligasiegen in Folge hat der VfB den besten Rückrundenstart seit sechs Jahren hingelegt. Und steht nach dem beeindruckenden 2:0-Erfolg gegen den bis dato Tabellendritten Hertha BSC auf Platz zehn - so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Woran liegt's?

An den unzähligen Torchancen sicherlich nicht. Die hatten die Stuttgarter auch in der Hinrunde unter dem Ex-Trainer Alexander Zorniger. Einige Möglichkeiten hatten sie auch durchaus genutzt. Aber sie haben eben noch mehr Tore hinten selbst kassiert. Das war das Problem beim VfB: ein kopflos wirkender Hochgeschwindigkeitsfußball mit Spielern, die stark verunsichert waren. 31 Gegentore in 13 Spielen, macht 2,4 im Schnitt - zu viel. Zudem war Zorniger nicht bereit, sein System auch nur ansatzweise zu ändern. Seit Jürgen Kramny die Elf Ende November übernommen hat, hat er vor allem eines gemacht: Die Abwehrlöcher gestopft, die Defensive gestärkt. In Zahlen: zehn Gegentore in acht Partien, macht 1,3 im Schnitt - schon deutlich besser.

"Die Defensive ist dicht"

Bundesliga 1. FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart

Kann zufrieden sein mit seiner Arbeit: Kramny

Kramny hat dafür nur kleine personelle Veränderungen und taktische Korrekturen vorgenommen: Den von Zorniger verbannten Georg Niedermeier holte er als Stabilisator in die Viererkette zurück. Der VfB verteidigt nun weiter hinten und spielt nicht mehr einfach blind nach vorne. Den zuvor konfus wirkendende Mittelfeldspieler Geoffroy Serey Die gab Kramny klare Aufgaben. "Das Trainerteam hat sehr viel mit ihm an Positionsdisziplin gearbeitet, erklärt Sportdirektor Robin Dutt. Das Ergebnis: "Die Defensive ist dicht."

Überhaupt Serey Die. Der Ivorer steht wie keine anderer Spieler für den Aufschwung in Stuttgart. Geackert hat der nimmermüde Arbeiter schon immer. Jetzt aber spielt er effizient. Dafür belohnte er sich am Sonntag gegen die Berliner selbst. Mit seinem ersten Bundesligator. "Absolut überragend" befand Kramny die Leistung von Serey Die. "Sein Tor war Willensleistung pur." Und VfB-Kapitän Christian Gentner erklärte: "Er bringt Spaß, Ehrgeiz und Leidenschaft in unser Team."

Klassenerhalt oder Europa League?

Das hat dem oft sieglosen Team unter Führung von Zorniger gefehlt. Zudem kommt mit dem Erfolg nun auch das nötige Selbstvertrauen hinzu. Zu wissen, dass nicht bei jedem dritten Angriff der Ball im eigenen Netz zappelt, gibt dem Team Sicherheit. So kann sich die Mannschaft mehr auf das eigene Spiel und die eigenen Stärken konzentrieren. Ein bisschen stolz ist Kramny daher zu Recht auf sich und seine Spieler: "Wir haben uns befreit."

Vor fünf Spieltagen noch Tabellenletzter, ist der VfB Stuttgart jetzt Zehnter in der Bundesliga. 27 Punkte hat der Deutsche Meister von 2007 mittlerweile erspielt. Das bedeutet: Sieben Zähler ist er vom Relegationsplatz entfernt und nur sechs von einem Europa-League-Rang. Andere Ziele als den Klassenerhalt sollten trotzdem nicht ausgegeben werden. Gegen Mannschaften mit großer Qualität können die Schwaben derzeit noch nicht ganz mithalten. Das hat das DFB-Pokal-Aus im Viertelfinale nach dem 1:3 gegen Borussia Dortmund gezeigt.

Zudem müssen die Stuttgarter weiterhin auf einen ganz wichtigen Spieler verzichten: Torjäger Daniel Ginczek. Gerade erst nach einem Bandscheibenvorfall ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, zog er sich am Sonntag einen Kreuzbandriss zu und fällt bis zum Saisonende aus. Das ist bitter für das Team. Aber die Mannschaft scheint gefestigt. Sie hat am Wochenende gegen Berlin gezeigt, dass sie sich nach dem Poka-Aus beim Thema "Misserfolgsverabeitung", so Kramny, weiterentwickelt hat. Damit ist der VfB Stuttgart für andere Teams längst kein Drei-Punkte-Lieferant mehr. Sondern ein Klub, der andere Mannschaften in den Abstiegsstrudel spielen kann.

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