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Politik

Sturm auf Kundus hat begonnen

Die seit einer Woche im nordafghanischen Kundus eingekesselten Talibankämpfer haben sich der Nordallianz nicht ergeben. Nach Ablauf des Ultimatums hat der Angriff begonnen.

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Im Visier der Nordallianz: Stellungen der Taliban vor Kundus

Die Verhandlungen über die Kapitulation der von den Taliban gehaltenen Stadt Kundus sind nach Angaben der Nordallianz gescheitert. Junis Kanuni, einer der Führer der Nordallianz, sagte am Donnerstag gegenüber einer Nachrichtenagentur, die bisherigen Gespräche seien eine Finte der Taliban gewesen. "Im Moment rücken unsere Streitkräfte vor. Wir hoffen, dass wir bis morgen Kundus genommen haben." Während des Donnerstags hatten der Nordallianz-Kommandeur Abdul Raschid Dostum und der Taliban-Kommandeur Mullah Faisal erklärt, sowohl die afghanischen als auch die radikalen ausländischen Kämpfer würden die Waffen niederlegen. Nun heißt es, die Taliban hätten bei den Verhandlungen versucht, die Nordallianz zu spalten. Sie hätten sich nur einem bestimmen Teil der Nordallianz ergeben wollen. In der Stadt befänden sich 15.000 Soldaten der Taliban, darunter 9000 bis 10.000 ausländische Kämpfer. Zuvor hatte ein Sprecher der Nordallianz gesagt, die Afghanen könnten nach Hause zurückkehren. Die Söldner aus arabischen Ländern, Pakistan und Tschetschenien würden hingegen vor Gericht gestellt. Sie gehören zur El-Kaida-Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden.

Märtyrertod als letzter Ausweg

Etliche der Verteidiger von Kundus gelten als brutal und verantwortlich für zahlreiche Massaker in der Vergangenheit. Laut Berichten aus dem Kriegsgebiet ziehen sie es vor, eher den Märtyrertod zu sterben, als zur Verantwortung gezogen zu werden. Zwei der führenden Taliban-Kommandeure in Kundus, Mullah Fazil and Mullah Dadullah, werden mit drakonischen Strafaktionen während des Regimes in Verbindung gebracht. Im Jahre währenden Krieg mit der Nordallianz verwüsteten sie einem UN-Bericht zufolge im Januar 2001 die Ortschaft Yakaolang im Distrikt Bamyan. 178 Menschen wurden getötet, ein 16jähriger Junge bei lebendigem Leibe gehäutet. Nach weiteren Berichten befindet sich auch der saudisch-jordanische Kriegsherr Omar al-Khatab mit 2000 Gefolgsleuten in der Stadt, der im Ruf steht, einst russischen Kriegsgefangenen öffentlich die Hälse durchgeschnitten zu haben. Er gilt als Vertrauter bin Ladens. Russischen Geheimdienstberichten zufolge war er 1999 an der Invasion der russischen Teilrepublik Dagestan von Tschetschenien aus beteiligt. Auch soll er die tschetschenischen Rebellen mit Geld und Logistik versorgt haben.

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