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Fußball

Stunde der Wahrheit für Blatter und Platini

Sperre oder Freispruch? Am Montag urteilt die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission über FIFA-Präsident Blatter und UEFA-Chef Platini. Beide sind wegen einer dubiosen Millionenzahlung derzeit suspendiert.

Joseph Blatter und Michel Platini. Foto: Getty Images

Joseph Blatter (r.) und Michel Platini

Für den einen geht es um das Lebenswerk, für den anderen um seine weitere Laufbahn als Fußball-Funktionär. An diesem Montag entscheidet die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission unter Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert über das Schicksal des suspendierten Präsidenten des Weltverbands, Joseph Blatter, und jenes von UEFA-Chef Michel Platini. Beide waren im Oktober vorläufig für 90 Tage gesperrt worden, ihnen droht eine mehrjährige, wenn nicht sogar lebenslange Sperre für alle Aktivitäten im organisierten Fußball. Doch zumindest der suspendierte FIFA-Chef rechnet fest mit der Milde der Ethikhüter. Der Richter habe ihm bei der letzten Anhörung gesagt, "den Vorwurf der Korruption nehmen wir weg", verriet Blatter dem Schweizer "SonntagsBlick". Sollte dies stimmen, könnte er mindestens um eine lebenslange Verbannung aus dem Fußball herumkommen.

Eine dubiose Zahlung Blatters in Höhe von umgerechnet 1,8 Millionen Euro an Platini im Jahr 2011 brachte den Stein ins Rollen. Die beiden Topfunktionäre behaupten, es habe sich um eine Nachzahlung für den Franzosen für dessen Beratertätigkeit in der FIFA aus den Jahren 1998 bis 2002 gehandelt. Alles sei mit rechten Dingen zugegangen. Die Schweizer Justiz ermittelt gegen Blatter in dieser Angelegenheit wegen des Verdachts der Untreue.

Platini will gegen Schuldspruch klagen

Am Donnerstag

hatte Blatter acht Stunden lang die Fragen der Ethikkammer beantwortet. Anschließend hatten seine Anwälte mitgeteilt, der 79 Jahre alte Schweizer rechne mit einem Freispruch. Platini war zu seiner Anhörung

am Freitag

nicht persönlich erschienen, sondern hatte es seinen Rechtsvertretern überlassen, seinen Standpunkt klarzumachen. Der 60 Jahre alte Franzose hatte bereits im Vorfeld von einer Vorverurteilung durch die Ethikkommission gesprochen und im Falle eines Schuldspruchs eine Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) angekündigt. Sollte Platini wie erwartet für längere Zeit gesperrt werden, wäre auch seine Kandidatur um die Nachfolge Blatters als FIFA-Präsident endgültig hinfällig. Der neue FIFA-Chef wird am 26. Februar bei einem außerordentlichen Kongress des Weltverbands in Zürich gewählt. Ursprünglich wollte Blatter die Veranstaltung leiten und sich anschließend in den Ruhestand verabschieden. Im Falle einer Verurteilung wird der Schweizer den Kongress nur aus der Ferne verfolgen können, weil ihm dann jeder Auftritt im organisierten Fußball untersagt wäre.

Kritiker sind verstummt

Hans-Joachim Eckert. Foto: dpa-pa

Hans-Joachim Eckert

Die FIFA hatte 2009 ein Ethikreglement für den Weltverband verabschiedet. Nach den Skandalen um die WM-Vergabe an Russland und Katar im Jahr 2010 wurde die Ethikkommission reformiert und in zwei Kammern unterteilt. Beim FIFA-Kongress 2013 auf Mauritius wurden der Amerikaner Michael Garcia als Vorsitzender der untersuchenden Kammer und der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert als Chef der rechtsprechenden Kammer offiziell eingeführt. Garcia trat Ende 2014 von seinem Amt zurück, da er seine Untersuchungsergebnisse zu den WM-Vergaben im Eckert-Urteil nicht ausreichend berücksichtigt fand. Seitdem leitet der Schweizer Cornel Borbely die Kammer. Die Ethikkommission ist laut FIFA-Statuten unabhängig. Der Untersuchungskammer gehören fünf, der rechtsprechenden Kammer sechs Mitglieder an. Der Kommission wurde lange Zeit vorgeworfen, nur gegen Gegner Blatters entschlossen vorzugehen. Mit den vorläufigen Sperren gegen den FIFA-Präsidenten und UEFA-Chef Platini verstummten die Kritiker.

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