1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Studium in Belarus: Ausländer ja, Belarussen nein?

Die Medizinische Universität im belarussischen Gomel wirbt um zahlungskräftige europäische Studenten. Andere Länder bieten politisch verfolgten belarussischen Studenten ein Studium an. Werden die Angebote genutzt?

default

Bald können belarussische Regimegegner in Polen oder Deutschland studieren

Die Staatliche Medizinische Universität im belarussischen Gomel verdient mit der Ausbildung ausländischer Studenten Geld. Der Rektor der Universität, Sergej Schaworonok, sagte über den zunehmenden Wohlstand seiner Hochschule im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Noch vor sechs Jahren reichte uns das Geld nicht einmal für die Gehälter. Im Jahr 2000 wurde unsere Hochschule von Staat mit umgerechnet 665.000 Dollar finanziert. Heute erreichen wir mit den Nebeneinnahmen eine Million Dollar." Schaworonok zufolge bringen ausländische Studenten der Universität inzwischen das meiste Geld.

Verbesserte Ausstattung

Der Rektor der Hochschule betonte, für Ausländer sei es einfach, einen Studienplatz zu erhalten. Es müsse lediglich eine Prüfung abgelegt und dann eine Summe von 1200 Dollar gezahlt werden. Der russischen Sprache müsse man nicht mächtig sein, denn in den ersten drei Jahren werde in Englisch unterrichtet. Schaworonok erläuterte: "1200 Dollar ist sehr viel Geld. Die Rentabilität beträgt 200 Prozent, das heißt, die Hälft davon deckt die Kosten für die Ausbildung und die andere Hälfte bleibt für uns übrig." Mit diesem Geld wird auch die Ausstattung verbessert. Der Rektor betonte: "Einst besaßen wir ein Lehrbuch für sechs Studenten, von Computern ganz zu schweigen. Mit dem Geld der ausländischen Studenten haben wir die Bibliothek vervollständigt, Multimedia-Projektoren gekauft sowie einige Computerräume und einen Internetzugang eingerichtet."

Die Konkurrenz schläft nicht

Heute überlegt sich die Medizinische Universität in Gomel, wie zahlungskräftigere europäische Studenten gewonnen werden können. Derzeit kommen die ausländischen Studenten meist aus Indien, Jemen, Sri Lanka oder Afghanistan. Rektor Schaworonok meint, es müsse aktiver um ausländische Studenten geworben werden: "Die Konkurrenz ist hart, nicht nur unter unseren Hochschulen, sondern auch mit den russischen Universitäten, die manchmal Dumpingpreise bieten." Auch die Stadt Gomel unterstützt die Pläne der Universität und hilft ihr beim Bau eines 16stöckigen Wohnheims, das vor allem für Ausländer bestimmt ist.

Angebot für Regimegegner

Während man in Gomel um ausländische Studenten wirbt, haben die polnischen Konsulate in Belarus, der Ukraine und Litauen damit begonnen, Studienanträge belarussischer Studenten entgegenzunehmen, die wegen ihrer politischen Überzeugungen vom Studium in ihrer Heimat ausgeschlossen wurden. Um die Fortsetzung ihres Studiums in Polen können sich jene belarussischen Studenten noch bis zum 20. Juni bewerben. Die polnische Regierung ist bereit, etwa 300 Stipendien zu gewähren. Schon im Juni sollen die ersten Studenten in Warschau eintreffen, wo sie erst drei Monate lang einen Polnisch-Kurs besuchen sollen. Danach werden sie Ende September auf weitere polnische Hochschulen verteilt.

Polnische Erwartungen zu hoch?

Der Direktor des Osteuropa-Forschungsinstituts der Universität Warschau, Jan Malicki, unterstützt das Programm der polnischen Regierung für die belarussischen Studenten. Er sagte der Deutschen Welle: "Das ist eine großartige und schöne Aufgabe. Seit 16 Jahren organisiere ich dreiwöchige internationale Sommer-Kurse für 30 Personen. Auch wenn es sich hier um ganz andere Maßstäbe handelt, denke ich, dass wir dies bewältigen werden." Eine andere Meinung vertritt der Student der Warschauer Universität Dzmitry Gornewicz, der vor einem Monat wegen der Teilnahme an den Protestaktionen der belarussischen Opposition zehn Tage in einem Minsker Gefängnis verbracht hatte. Er bezweifelt, dass so viele belarussische Studenten das polnische Angebot nutzen werden: "Die Belarussen mögen nicht in der Welt herumzureisen. Sie bleiben lieber daheim. Ich habe mit vielen Belarussen gesprochen, die in Minsk im Gefängnis saßen, und sie wollen nicht ins Ausland gehen."

Deutsche "Aktion für Belarus" gestartet

Auch in Deutschland bekommen belarussische Studenten, die in ihrer Heimat politisch verfolgt werden und deswegen nicht studieren können, die Möglichkeit, ein Studium aufzunehmen. Die deutsch-belarussische Gesellschaft und die Robert Bosch Stiftung teilten mit, dass im Rahmen ihres gemeinsamen Programms "Aktion für Belarus" 20 Studienplätze an deutschen Universitäten bereitgestellt werden. Die Initiatoren des Programms hoffen, dass die belarussischen Studenten zugleich mit Unterstützung deutscher Studentengruppen eine Vorstellung davon bekommen, wie Nichtregierungsorganisationen in Deutschland wirken.

Margarita Kalz, Wolodymyr Prjadko
DW-RADIO/Russisch, DW-RADIO/Ukrainisch, 9.5.2005, Fokus Ost-Südost

Die Redaktion empfiehlt