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Studiogast: Thomas Straubhaar

Zu Gast im Studio ist Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts

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DW-TV: Thomas Straubhaar ist bei mir, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts und Professor für Volkswirtschaftslehre, herzlich Willkommen. Herr Straubhaar, die Absolventen wollen es besser machen. Sie haben eben oft zustimmend genickt bei den Aussagen der jungen Leute. Haben die Ökonomen von heute etwas falsch gemacht?

Thomas Straubhaar: Nein, nicht etwas falsch gemacht. Ich denke, was ganz sicher richtig ist, das wir die Lehren aus dieser Krise ziehen müssen auch für unsere Theorien, auch für das, was wir Studierenden lernen in dem Sinne, dass wir eben dort vermehrt darauf aufmerksam machen, das Finanzmärkte nicht ganz so effizient sind, wie wir es vorher geglaubt haben. Das Finanzmärkte eher eben auch versagen können und das wohl dieses Versagen nicht die Ausnahme sondern vielleicht sogar die Regel sein kann.

DW-TV: Das ist auch die Erkenntnis, das hat im Grunde nichts Negatives. Wenn Sie sich mal ganz persönlich kritisch betrachten, haben Sie auch in Ihren Aussagen immer richtig gelegen, oder vielleicht nicht?

Thomas Straubhaar: Nein, ich denke, das wäre anmaßend zu glauben, das man als Ökonom immer richtig liegt. Und in dem Sinne gehört es auch zu unserer Arbeit ständig unsere neuesten Erkenntnisse zu hinterfragen mit neuen empirischen Ergebnissen, also aus der Realität gegriffene Daten zu überprüfen. Und wenn sich da eben zeigt, dass wir daneben gelegen haben, müssen wir uns auch anpassen. Wo ich mich etwas wehren würde ist immer der Vorwurf, dass unsere Prognosen so schlecht seien, das ist eben komplex wie wir eben im Beitrag gesehen haben. Weil es um Menschen geht und selbst Wetterprognosen sind nur für den nächsten Tag, manchmal ganz falsch und wir machen Prognosen über sehr lange Zeiträume.

DW-TV: Trotzdem ist positiv anzumerken, dass auch die jungen Leute von heute, die Entscheider von morgen, das Ganze gar nicht so dramatisch sehen.

Thomas Straubhaar: Ich erlebe das genauso bei meinen vielen, vielen Studierenden, dass die jungen Leute von heute gewisse Sicherheiten und Selbstverständlichkeiten von ihren Eltern eben gar nicht mehr kennen. Und dem zufolge sie auch nicht so sehr hochhalten, wie es vielleicht die Eltern noch tun: Zum Beispiel lebenslange Beschäftigung. Das wissen unsere Studierenden von heute, das es wohl nicht mehr das geben wird und sehen das auch nicht als Verlust, weil sie es auch anders nicht kennen.

DW-TV: Trotz allem muss man sagen das jetzt zum Beispiel der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann die aktuelle Krise und auch eine drohende Bankenkrise gerade ganz konkret wieder angesprochen hat. Hat man denn aus der Lehman-Krise gar nichts gelernt?

Thomas Straubhaar: Man hat sicher einiges gelernt, aber eben bis man reagieren kann politisch ist es oft viel schwieriger umzusetzen, was man als neue Erkenntnis gewonnen hat. Nehmen sie beispielsweise das Thema, dass man eine Finanzmarktkrise hatte die dann zu einer Staatsschuldenkrise geworden ist und jetzt irgendwo mit dem Euro-Thema ganz dominant behandelt wird. Und da muss die Politik hinterher rennen um eben neue Institutionen oder Regelungen zu schaffen und das kann nicht so schnell gelingen.

DW-TV: Aber die Krise war so einschneidend vor drei Jahren und letztlich hätte man auch irgendwas tun müssen, dass es sich jetzt nicht vielleicht wiederholt.

Thomas Straubhaar: Da haben Sie sicher recht, dass man drei Jahre Zeit gehabt hätte beispielsweise internationale Finanzmärkte ganz anders zu regulieren. Und eben nicht national oder europäisch das zu tun, sondern global. Das hat man in der Tat verpasst. Aber die Interessen einzelner Länder - nehmen sie mal Großbritannien mit seinem Bankenplatz in London, oder Amerika mit dem Bankenplatz New York - deren Interessen sind eben vielleicht ganz anders als deutsche Interessen sind und das ist eben die Schwierigkeit der Politik hier einen gemeinsamen Nenner finden zu müssen.

DW-TV: Trauen Sie sich zu, ein kontrektes Szenario für Europa jetzt zu umreißen? Wie wird das aussehen, wie wird das weitergehen mit dieser Krise?

Thomas Straubhaar: Ich denke, dass wir hier jetzt in diesen Wochen vor einer entscheidenden Weichenstellung stehen. Entweder man ergreift wie in der Vergangenheit auch immer die Flucht nach vorne und versucht den Geburtsfehler - damals des Euros - zu korrigieren. Nämlich das es keine Fiskalunion gegeben hat, d.h. das man Steuern und andere Elemente der Wirtschaftspolitik national gelassen hat, dass ist das eine Szenario. Oder das andere Szenario wäre, dass es in der Tat so dramatisch wird, dass einzelne Länder aus der Eurozone ausbrechen. Das würde ich sagen, wird dann zu einem Zusammenbruch des Euros und vielleicht eben der Europäischen Union führen.

DW-TV: Zwei klare Möglichkeiten. Ganz herzlichen Dank für Ihren Besuch Thomas Straubhaar.

Interview: Julia Böhm