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Projekt Zukunft

Studiogast Prof. Dr. Wolfgang Heckl

Mit unserem Studiogast reden wir über den Gewinner des Deutschen Zukunftspreises

Video ansehen 03:47

DW-TV: Herr Professor Wolfgang Heckl, Sie haben die Preisträger des deutschen Zukunftspreises 2011 mit ausgesucht, sind einer der Juroren und leiten eines der bekanntesten Technik- und Wissenschaftsmuseen der Welt, nämlich das Deutsche Museum in München. Drei Wissenschaftsteams standen zur Auswahl. Warum hat sich die Jury ausgerechnet für dieses Projekt entschieden?

Prof. Dr. Wolfgang Heckl: Weil es die grüne Elektronik einleitet, die organische Elektronik, die fantastische neue Möglichkeiten eröffnet, zum Beispiel biegbare Solarzellen, neue Displays, OLEDs genannt, oder auch im Bereich der Sonnenenergie beiträgt, dass unsere Probleme in der Umwelt zukünftig gelöst werden können. Es hat eine große gesellschaftliche Bedeutung.

DW-TV: Wenn man sich die Preisträger anschaut, die in diesem Jahr nominierten und wenn man in die letzten Jahre guckt, wer so alles nominiert war: es ist sehr, sehr männer-lastig, sagen wir mal. Warum ist das so?

Prof. Dr. Wolfgang Heckl: Hier ist es ja wieder so geschehen, dass die Wertschöpfungskette idealerweise verwirklicht ist: ein Universitätsprofessor, der Grundlagenforschung betreibt, ein Fraunhofer-Institut, welches angewandte Forschung betreibt und Spin-Off-Unternehmen, die die Wertschöpfungskette dann bis hin zu Produkten, Arbeitsplätzen, Jobs und Innovation letzten Endes erfüllen. Für Deutschland, für den Wohlstand. Dass das so männlich dominiert ist, hängt natürlich damit zusammen, dass sich zu wenig Mädchen für Naturwissenschaft und Technik begeistern können.

DW-TV Jetzt soll ja so ein Preis motivieren, Männer, Frauen, Alle. Tut er das denn?

Prof. Dr. Wolfgang Heckl: Er motiviert alle, die daran interessiert sind, dass wir die Probleme der Zukunft der Menschheit, auch in Deutschland, auch im Hinblick auf unseren Wohlstand, in Zukunft lösen können. Männer wie Frauen. Die Ungleichheit in der Verteilung der Geschlechter in den Naturwissenschaften, auch insbesondere in den Ingenieurswisschenschaften, liegt natürlich an einem ganz anderen Punkt. Der liegt schon an der frühen Erziehung, der liegt an der Vorbildhaftigkeit von Naturwissenschaftlern in den Medien, die nicht gegeben ist. Er liegt daran, dass viele Menschen nicht verstehen können, dass naturwissenschaftlich-technische Kultur die Basis unseres Wohlstandes ist, gerade für junge Mädchen es gar nicht so attraktiv erscheint, Fahrzeugingenieur oder Maschinenbauingenieur zu werden, oder eben in technische Berufe zu gehen.

DW-TV: Aber da können sie ja dann als Vorbild daran arbeiten.

Prof. Dr. Wolfgang Heckl: Wir haben Programme im Museum, wo wir Mädchen für die MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik, heranführen. Wir arbeiten auch mit vielen Einrichtungen daran, dass sich da etwas ändert. Nur an diesem Deutschen Zukunftspreis sind wir am Ende, an der Spitze der Kette angelangt und da haben wir es eben noch nicht.

DW-TV: Lassen sie uns kurz noch über wissenschaftliche Entwicklungen der Zukunft sprechen. Was ist denn ihrer Meinung das, woran die Wissenschaft mit Hochdruck arbeiten sollte? Oder anders gefragt, wofür möchten sie im nächsten Jahr den Preis vergeben?

Prof. Dr. Wolfgang Heckl: Also es geht ja nicht um mich persönlich, aber es geht darum, wie wir unsere Gesellschaft, den Wohlstand, das Überleben angesichts der Menschheitsprobleme der Zukunft gewährleisten können. Da müssen alle sehr, sehr große Anstrengungen unternehmen. Immerhin haben wir n den letzten 100 Jahren so getan, wie wenn die Ressourcen, die in den letzten 100 Millionen Jahren entstanden sind auf der Erde, unendlich verfügbar wären. Also sie sehen, welcher Bereich mir am Herzen liegt, aber dazu tragen viele, viele einzelne Erfindungen, Entdeckungen und deren marktliche Umsetzung, sprich Innovationen, bei. Für mich persönlich ist das größte naturwissenschaftliche Problem, die Frage nach der Entstehung von Leben. Die hat jetzt aber nicht die Relevanz für den Deutschen Zukunftspreis, der ja Innovationen belohnt.

DW-TV Also Nachhaltigkeit. Professor Wolfgang Heckl, vielen Dank für ihren Besuch!

Interview: Daniela Levy