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Studiogast: Ansgar Belke, DIW

Zu Gast im Studio ist Ansgar Belke, er ist Finanzmarktexperte und arbeitet am Wirtschaftsforschungsinstitut DIW in Berlin.

Video ansehen 02:17

DW-TV: „Jede Krise hat auch etwas Nützliches" - im Augenblick scheint sich diese griechische Lebensweisheit noch nicht zu bewahrheiten.

Bei mir im Studio begrüße ich jetzt Ansgar Belke, Finanzmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Hallo!

Ansgar Belke: Hallo!

DW-TV: Die Griechen sparen, aber warum helfen die Sparmaßnahmen nichts?

Ansgar Belke: Ich denke, dass das Sparpaket nicht glaubwürdig ist. Die Griechen setzen zu stark auf Steuererhöhungen und zu wenig auf Ausgabensenkungen und die Steuererhöhungen treffen zumeist den kleinen Mann, weil die Großkapitalbesitzer ihr Geld schon längst ins Ausland gebracht haben und es auch mit der Steuerehrlichkeit nach wie vor nicht gut bestellt ist. Deshalb denke ich, dass Augenwischerei darin besteht, jetzt elektronisch die Steuererhebung voran zu treiben, damit der Bestechlichkeit kein Vorschub mehr geleistet wird und andere Dinge mehr, zum Beispiel die Auslandsgriechen besteuern zu wollen oder ihnen Anleihen zu verkaufen. Ich denke, wir haben ein strukturelles Problem.

DW-T: Und warum greift auf der anderen Seite auch der Rettungsschirm nicht?

Ansgar Belke: Ja beim Rettungsschirm haben wir das Problem, dass er für die Märkte nicht glaubwürdig ist, ihnen wird erzählt, dass die Länder nicht insolvent gehen können, bis 2013 zumindest nicht. 2013 bekommen wir den großen Rettungsschirm, aber bis dahin soll den Ländern nur das Geld nicht ausgegangen sein. Ihnen soll weiter durch ständige Rettungspakete geholfen werden. Und das glauben die Menschen nicht, sie können sich ein Flugzeug vorstellen, in dem die Bürger sitzen und der Pilot ihnen erzählt, eine Düse fällt aus und sie sollen noch warten. Sie werden unruhig und wollen aussteigen und dem Land Griechenland Geld nur zu einem hohen Zins leihen.

DW-T: Die Renditen für die griechischen Staatsanleihen mit 2jähriger Laufzeit haben gerade in dieser Woche eine Rekordhöhe von 25% erreicht. Steht der Staatsbankrott kurz bevor?

Ansgar Belke: Ich denke genau das zeigen diese Zinsentwicklungen, dass wir in 2 Jahren, wie ich es gerade schon ausdrückte, möglicherweise eine Insolvenz sehen werden, wenn wir nicht einen Schuldenschnitt vorher bemühen können.

DW-T: Und was muss passieren, damit es nicht soweit kommt?

Ansgar Belke: Was wir brauchen, ist im Prinzip eine Lohnzurückhaltung, eine Preiszurückhaltung in Griechenland, beispiellos in der Geschichte, eine Zumutung für die Bevölkerung, aber ich finde, sie trägt es sehr, sehr ruhig, damit sie wieder wettbewerbsfähig werden und wieder exportieren können, damit sie, die Griechen selber, ihren Kapitalstock aus heimischer Ersparnis finanzieren können.

DW-T: Vielen Dank, Ansgar Belke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, für Ihren Besuch!

(Interview: Julia Böhm)