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Kultur

Studieren mit Psychopharmaka

Langzeitstudenten waren gestern. Neu eingeführte Bachelor- und Masterstudiengänge machen das Studium kürzer und straffer. Das zehrt an den Nerven. Eine Studie belegt, dass der Drogenkonsum unter Studenten gestiegen ist.

Hunderte Studenten sitzen in einem Vorlesungsaal

Überfüllte Hörsäle gelten als eine Ursache für den Stress

Ständige Tests und Prüfungen stehen für Deutschlands Studenten auf der Tagesordnung und sorgen für immer mehr Druck. Den versuchen die Studenten nun mit steigendem Alkohol- und Medikamentenkonsum zu bewältigen. So auch die vierundzwanzigjährige Mareike. Mareike ist an einer norddeutschen Universität in einem Master-Studiengang eingeschrieben. Auf Familienfesten bekommt sie immer wieder zu hören, wie glücklich sie doch sein könne, so als Studentin. Doch glücklich fühlt sich die Studentin überhaupt nicht.

Viele Studenten glauben nicht an psychische Ursachen

Zwei junge Maenner stehen vor einem Spirituosen-Regal

Alkohol und Drogen dienen als Mittel gegen den Streß

Schon mit dem Ende der Schulzeit und dem Übergang ins Studentenleben litt sie an psychosomatischen Magen-Darm-Beschwerden. Die schob sie zunächst auf ihre Ess-Gewohnheiten und stellte ihre Ernährung um. Doch Änderungen beim Ess-Verhalten brachten keine Besserung, die psychische Belastung wurde noch schlimmer. Kurz vor dem Abschluss ihres Bachelorstudiums wurden die körperlichen Symptome unerträglich. Zu den Magen-Darm-Beschwerden kamen Atemprobleme.

Wie viele andere suchte Mareike die Ursachen zunächst nicht in den Belastungen durch das Studium. "Man kann irgendwie nicht akzeptieren, dass irgendwas mit dem Körper nicht stimmt", beschreibt Mareike ihren Umgang mit den Symptomen. Sie war sicher: "Da muss irgend eine Krankheit hinter stecken, weil es so unmittelbar und so real ist, dieses Gefühl".
Mareike suchte die unterschiedlichsten Ärzte auf, ließ unzählige Untersuchungen über sich ergehen. Erst als Spezialisten wirklich alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen hatten gestand sie sich ein: "Ok- es muss psychisch sein". Denn nicht nur den Betroffenen fällt es schwer die Ursachen für ihre Probleme zu erkennen. Viele Ärzte erkennen nicht die Belastungen durch das Studium und suchen nach anderen Gründen für die Beschwerden der Studenten - für die ist das häufig ein quälender Prozess.

Immer mehr Studenten greifen zu Alkohol und Medikamenten

Kein Wunder, dass immer mehr Studenten zu angeblichen Helfern wie Alkohol greifen. Nach einer Untersuchung der Uni Münster hat jeder dritte Hochschüler Alkoholprobleme. Auch der Canabiskonsum steigt und während normale Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt pro Jahr an dreieinhalb Tagen Medikamente gegen Depressionen einnehmen, liegt die Durchschnitts-Dosis der Studenten bei fünf Tagen. Die Versuche sich zu entspannen und dem Leistungs- und Konkurrenzdruck zu entkommen werden dabei immer gefährlicher.

Student in nachdenklicher Pose an seinem Schreibtisch

Immer mehr Studenten sind verzweifelt

Ein Viertel aller Studenten hat gesundheitliche Beschwerden

Immer mehr Fachleute warnen davor, dass ein Studium heute vor allem eins bedeutet: Stress und gesundheitliche Belastung. So hat die Techniker Krankenkasse zusammen mit der Universität Bielefeld 3300 Studierende nach ihren Problemen gefragt. Das Ergebnis war erschreckend: 16 Prozent berichteten von depressiven Verstimmungen, jeder vierte Student leidet unter Nacken- oder Rückenschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Die Sprecherin der Krankenkassen Andrea Kleinbreuer weiß, die Ursachen dafür sind weit gefächert: Von Räumlichkeiten mit unbequemen Stühlen in vollen Hörsälen bis hin zu Zeitdruck und finanziellen Sorgen wegen der Studiengebühren. "Die Belastung mit der die Studenten fertig werden müssen ist da - der Druck an den Universitäten wächst."

Kurse sollen jetzt vorbeugen

Damit daraus nicht persönliche Zusammenbrüche werden, entwickeln die Krankenkassen jetzt mit den Hochschulen Programme zur Vorsorge. Dazu gehören zum Beispiel Kurse unter dem Motto "Stressfrei studieren". Darin geht es um gesundes Sitzen am Schreibtisch genauso wie um Zeitmanagement. Und es geht darum, wie man sich entspannen kann und zwar ohne Alkohol, Drogen oder Medikamente. Informationen zu diesen Kursen gibt es bei allen Krankenkassen in Deutschland.

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