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Kultur

Studieren ist Luxus

Was sich viele schon dachten, aber niemand bisher offen aussprechen wollte: Die hohen Studiengebühren schrecken viele Schulabgänger ab. Sie suchen sich lieber sofort einen Ausbildungsplatz

Blick in einen leeren Hörsaal (Quelle: dpa)

Studium zu teuer - demnächst viel Platz in Deutschlands Hörsälen?

Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist in Erklärungsnot. Eine von ihrem Ministerium in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass Studierwillige von den hohen Studiengebühren abgeschreckt werden. Während in manchen Bundesländern noch keine Gebühren verlangt werden, muss man in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel bis zu 650 Euro pro Semester aufbringen. Das hat laut Studie zur Folge, dass sich im Abiturientenjahrgang 2006 wegen der hohen Studiengebühren bis zu 18.000 junge Menschen weniger für ein Studium angemeldet haben. Bei einem solchen Ergebnis ist es kein Wunder, dass Frau Schavan bemüht war, die Ergebnisse der Studie zunächst unter Verschluss zu halten.

Schlechte Vorzeichen für den Gipfel

Zwei Tage vor dem Bildungsgipfel in Dresden kam das Papier nun doch zum Vorschein - und das liegt vielen Bildungspolitikern schwer im Magen. Eigentlich hatten sie in Dresden über bessere Begabtenförderung, über ein besseres Ganztagsschulenangebot und über das Thema "Bildung als Sozialpolitik" sprechen wollen - doch nun sieht es so aus, als werde diese Studie das Treffen ordentlich durcheinanderwirbeln. Denn von solchen Erkenntnissen möchten die Verfechter der von so vielen Politiklern umjubelten Bildungsoffensive nichts wissen. Längst dachte man, die ungemütliche These sei vom Tisch, in der so beharrlich behauptet wird, dass Bildung etwas mit Gesellschaftsschichten zu tun hat. Und so fordern Kritiker der Studiengebühren, wie SPD-Chef Franz Müntefering, dass die Diskussion um das Papier in Dresden auf den Tisch kommt. Es habe, so Müntefering, "keinen Sinn, einen großen Bildungsgipfel abzuhalten, wenn man auf der anderen Seite Studienzugänge durch Studiengebühren schwer macht".

Keine Geheimniskrämerei

Das Bundesbildungsministerium verteidigt sich mit den Worten, dass es nie Absicht gewesen sei, die Studie geheim zu halten. Sie sollte aber erst in vier Wochen zusammen mit einer anderen Untersuchung veröffentlicht werden, die sich auf die Studienanfänger im vergangenen Wintersemester bezieht.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (Quelle: dpa)

Diese Studie besagt noch gar nichts, meint Annette Schavan


Dann sähe es wahrscheinlich schon ganz anders aus. Vorsichtig lässt das Ministerium verlauten, dass "die Studierneigung nur bei einigen wenigen von Studiengebühren abhängt und sich die Einstellung zu Studiengebühren im Vergleich zum Vorjahr deutlich positiv entwickelt" habe.

Viel Aufregung um nichts?

Dennoch gibt es Tatsachen, die die Gegner der Studiengebühren gerne auf den Tisch legen: Trotz der geburtenstärkeren Jahrgänge, die in den vergangenen zwei Jahren Abitur gemacht haben, haben sich vergleichsweise weniger Studenten an den Unis eingeschrieben. "Sie wissen nicht, was auf sie zukommt", sagt Bianca Hilfrich, Mitglied im Freien Zusammenschluss von Studentenschaften in Bonn, "Sie fürchten, dass sie möglicherweise nach dem Studium mit einem riesigen Schuldenberg dastehen."

Studieren wird zum Vollzeitjob

Wer aus einem reichen Elternhaus kommt, hat keine Probleme mit den Gebühren - die Eltern tragen das Studium mit. Doch viele Familien können es sich schlicht nicht leisten, ihre studierenden Kinder zu unterstützen. Um Studium, Bafög und Wohnung finanzieren zu können, arbeiten viele Studenten nach den Vorlesungen in sogenannten Abendjobs weiter. In Supermärkten, Briefzentren, oder auch in Kneipen - manchmal bis spät in die Nacht.

junge Kellnerin beim Abrechnen (Quelle: AP)

Beliebter Studentenjob: Kellnern


Zeit zum Lernen bleibt wenig, Zeit zum Schlafen noch weniger. Hinzu kommt bei vielen die Angst, nach dem Studium keine Anstellung zu finden. So denken sich viele Abiturienten, dass es doch viel einträglicher ist, sich eine Ausbildung zu suchen. Die wird bezahlt und dauert nicht so lange.

Dann geh ich doch lieber nach Berlin

Eine denkbare Alternative: Abwanderung. Es gibt nämlich zwischen den Bundeslandern keine einheitliche Regelung. In einigen muss man bereits vom Studienbeginn an zahlen, andere nehmen erst nach Ende der sogenannten Regelstudienzeit Gebühren. Wieder andere verlangen gar kein Geld oder nur um die 50 Euro Verwaltungsgebühren pro Semester. Das ist zu verkraften, sagen sich viele. Und versuchen, zum Beispiel in Berlin einen Studienplatz zu bekommen. Doch viele Studenten, die die Einführung der Gebühren noch während des Studiums ereilt hat, sind nicht etwa abgewandert, sondern haben tatsächlich ihr Studium abgebrochen. Auch das sagt die umstrittene Studie.

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