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Bildung

Studienziel: Frieden im Nahen Osten

Zu Hause kennen sie sich nur von den Checkpoints und aus den Medien. An der Düsseldorf Uni können Studierende aus dem Nahen Osten ein Jahr lang persönlich miteinander über Kultur, Politik und Frieden reden.

In der Gemeinschaftsküche ihres Wohnheims in Düsseldorf steht Hava am Herd. Ihr Kommmilitone Mohamad hat sie gebeten, ein traditionelles Gericht seiner Mutter nachzukochen. Dass ausländische Studierende zusammen Essen aus ihrer Heimat zubereiten, ist an sich nichts Besonderes. Doch Mohamad ist Palästinenser und Hava Israelin. Zuhause würden sie nicht nebeneinander in einer Küche stehen. Doch in Deutschland ist möglich, was sie vorher nicht für möglich gehalten hätten.

Teller mit arabischem Essen fotografiert bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Foto: DW

Durch Mohamad hat Hava arabisches Essen kennen gelernt; sie bringt ihm Hebräisch bei

"Das Wichtigste für mich ist, dass wir alle zusammen in einem Gebäude leben", erklärt die 23-jährige Hava. Sie hat den einjährigen Masterstudiengang "European Studies" an der Heinrich-HeineUniversität Düsseldorf belegt. Hava hofft, dass sie später dazu beitragen kann, den friedlichen Umgang der europäischen Länder auf ihre Heimat zu übertragen. Genau das hat auch die jordanische Studentin Khozama nach Düsseldorf geführt. "Ich wollte mehr über den Konflikt im Nahen Osten wissen, vor allem aber wollte ich Palästinenser und Israelis kennenlernen, denn zu Hause haben wir überhaupt keine Beziehung zueinander", sagt sie.

Entdecken der anderen Kultur

Gemeinsam leben die 30 Studierenden des Düsseldorfer Studiengangs nun im gleichen Wohnheim, je 15 auf einem Flur und mit Rücksicht auf konservative Muslime getrennt nach Mädchen und Jungen. Dabei besuchen sich die Studierenden oft untereinander auf ihren Zimmern oder treffen sich in den zwei Wohnküchen.

Durch Mohamad habe ich jetzt arabisches Essen und arabische Lieder kennengelernt", freut sich Hava. Die Israelin revanchiert sich, indem sie ihm alles über die israelische Politik erklärt und ihm Nachhilfe in Hebräisch gibt. Dafür vermittelt er ihr die politischen Ansichten der Palästinenser. "So lerne ich die andere Seite des Konfliktes kennen, was mir wirklich viel gibt. Wenn ich zurückkehre in mein Land, werde ich den Konflikt anders betrachten“, meint Hava.

Diskutieren mit Rücksicht

Pälästinenser klettern eine Leiter hoch, die an die Grenzmauer in RAMALLAH, WEST BANK angelehnt ist. Foto: dpa

In der Heimat lassen sich die Grenzen nicht so leicht überwinden.

Als im November vergangenen Jahres die Konflikte am Gaza-Streifen wieder aufflammten, sorgten sich die Studierenden um ihre Familien in der jeweiligen Heimat und es kam auch unter ihnen zu Spannungen. Einige veröffentlichten im Internet Kommentare, die ihre Studienfreunde aus dem anderen Land aufbrachten.

Wir stritten uns, ohne uns zu sehen, jeder an seinem Computer in seinem Zimmer", erinnert sich die 23-jährige Khozama. "Aber dann setzten wir uns zusammen und diskutierten das Problem. Dabei beruhigten wir uns und alles war wieder okay." Sie hätten alle realisiert, dass sie in einer heikleren Situation vorsichtiger miteinander umgehen sollten, ergänzt die Israelin Hava. "Während wir das Thema diskutieren, dürfen wir die andere Seite nicht angreifen."

Freunde trotz unterschiedlicher Ansichten

Nachdem sie gut vier Monate miteinander leben, haben die Studierenden in Düsseldorf akzeptiert, dass ihre politischen Meinungen zwar nicht immer übereinstimmen, dass sie aber trotzdem Freunde sein können. Hava und Mohamad gehen gemeinsam schwimmen, reisen zusammen in Städte wie Berlin und Luxemburg und wollen sich auch nach ihrem Studium einmal in Jerusalem treffen. "Ich lebe da", erklärt Mohamad, "und ihr Vater arbeitet dort, deshalb ist das kein Problem."

Panoramabild: Klagemauer und Zitadelle von Süleyman

Jerusalem, die Stadt wo sich Palästinenser und Israelis treffen

An der Uni Düsseldorf lernen sie, wie europäische Politik und deren Institutionen funktionieren. In den Seminaren sind sie dabei so sehr mit dem Stoff beschäftigt, dass die Konflikte in ihrer Heimat zwischen Israelis, Palästinensern und Jordaniern überhaupt nicht zur Sprache kommen, betont Guido Quetsch, der Geschäftsführer des Studiengangs "European Studies". "Wir betrachten sie hier auch in erster Linie als normale Studierende und nicht als Botschafter ihrer Länder", fährt er fort.

Studieren ohne Stereotypen

Der 23-jährige Mohamad bezeichnet es dennoch als aufregende Herausforderung, während des Studiums Projekte in Kleingruppen zu erarbeiten, die aus je einem israelischen, palästinensischen und jordanischen Studenten bestehen. "Jeder kann seine Meinung sagen und Arbeitsweisen vorschlagen. Das ist etwas ganz Neues für mich und war eine gute Erfahrung", bekräftigt er.

Seine Kommilitionin Khozama aus Jordanien fühlt sich ebenfalls bereichert durch ihren Aufenthalt in Düsseldorf. Alle Studierenden aus dem Nahen Osten hätten sich in den vergangenen vier Monaten weiterentwickelt, betont Khozama. "Als wir kamen, hatten wir nur Stereotypen übereinander im Kopf und jetzt muss ich zugeben, dass wir unsere Ansichten geändert haben.“

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