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Bildung

Studienplatz-Wahl: Studenten zu mieten!

An deutschen Unis wird es immer voller. Glück hat, wer direkt den richtigen Studienplatz wählt. Das Bremer Projekt "Rent a Student" will dabei helfen. Schüler können dort einen Studenten mieten, um sich zu orientieren.

Die binomische Formel am Whiteboard des Seminarraums kennt Thorben Sillje noch aus dem Mathematikunterricht. Bei den anderen kryptischen Gleichungen muss er passen. Vor einem Jahr hat Thorben sein Abitur gemacht. Bevor er sich für ein Studium entscheidet, will er wissen, was auf ihn zukommt. Deshalb sitzt er in einer Vorlesung über die "Aerodynamik von Hubschraubern", um ihn herum 25 Studierende des vierten Semesters Maschinenbau.

Thorben Sillje und Chris Schumacher in einer Vorlesung Copyright DW / Ramona Schlee, 21.5.2012

Thorben und Chris in der Vorlesung

Es ist einer von 14 Studiengängen der Hochschule Bremen, in denen sich Schüler für einen Tag einen Studierenden mieten können. "Rent a Student" heißt das ungewöhnliche Projekt, das die Hochschule Bremen in diesem Sommersemester gestartet hat. Thorben ist einer von zahlreichen Schülern, die sich darum beworben haben, ein Studienfach ihrer Wahl mit einer Studentin zu erkunden. Gemeinsam mit dem Abiturienten Chris Schumacher begleitet er die 22-jährige Anna Schwabe, die im vierten Semester Luft- und Raumfahrt studiert.

Viele Schüler wollen einen Studenten "mieten"

"Ich hätte mir damals auch so ein Programm wie 'Rent a Student' gewünscht“, sagt sie. Nach der Schule habe sie sich genauso orientierunglos gefühlt wie Thorben und Chris. Daher unterstützt sie das Projekt. Sie nimmt die beiden Jugendlichen in ihre Vorlesungen mit, zeigt ihnen den Campus und geht mit ihnen in die Mensa.

Das Foto zeigt die Schülerin Annika Giese (links ) und die Medizinstudentin Friedrike Brunswicker vor dem Wegweiser auf dem Campus der Ruhruniversität Bochum (RUB). Beim Projekt Mailmentoring beraten Studenten aller Fachrichtungen interessierte Schüler per Mail und organisieren Treffen an der Uni, um den Studieneinstieg zu erleichtern. Copyright: DW / Sabine Damaschke

Teilnehmerinnen des Mailmentoring-Projekts der Ruhr- Uni Bochum

Die Idee zum "Rent a Student"- Projekt hatte Beate Blank. Das Konzept ist nicht neu. Andere Universitäten haben ähnliche Programme aufgelegt, etwa die Universität Freiburg oder die Ruhr-Universität Bochum. Das Interesse bei den Schülern ist groß. Denn immer mehr junge Leute strömen an die Hochschulen. Durch die verkürzte Schulzeit machen jetzt in mehreren Bundesländern doppelt so viele Schüler Abitur. Außerdem entfällt für junge Männer das Pflichtjahr bei der Bundeswehr. Die Konkurrenz um einen Studienplatz ist also groß und im Vorteil, wer genau weiß, was er studieren möchte und welche Voraussetzungen er dafür mitbringen muss.

Kluge Köpfe werben, Studienabbrüche vermeiden

Am Projekt an der Hochschule Bremen machen in diesem Semester 38 Studierende mit. Seit Mitte April hat Beate Blank bereits 30 Kontakte zwischen Schülern und Studierenden hergestellt und es kommen täglich neue Anfragen. "Die Schüler wollen einen realistischen Einblick in ihr Wunschstudium“, sagt die Organisatorin.

Die Abiturienten Chris Schumacher (links) und Thorben Sillje mit ihrer Mentorin Anna Schwabe Copyright DW / Ramona Schlee, 21.5.2012

Thorben, Anna und Chris (v.r.)

Doch auch die Hochschulen und Universitäten profitieren von "Rent a Student". Sie hoffen, dass sie mit diesen Programm viele engagierte junge Leute an die Unis bekommen. "Natürlich wollen wir gerne die klügsten Köpfe ins eigene Haus ziehen“, gibt Beate Blank zu. Nicht zuletzt geht es aber auch darum, die Quote der Studienabbrecher zu senken. Im Moment beendet jeder fünfte Student in Deutschland sein Studium, ohne einen Abschluss zu machen. Rechtzeitige Informationen über die Studiengänge und Studienbedingungen könnten jungen Leuten dabei helfen, sich direkt für das richtige Studium zu entscheiden, betont Beate Blank.

Persönliche Fragen rund ums Studium

Als Thorben und Chris aus der Vorlesung kommen, haben sie viele Fragen. Sie wollen wissen, wieso Anna ausgerechnet an der Hochschule Bremen studiert und wie viel sie nach einer Vorlesung nacharbeiten muss. "In den Gesprächen geht es meistens um das Persönliche", sagt Anna. "Eben um all die Dinge, nach denen man im Immatrikulationsamt nicht fragen würde."

Die Abiturienten Thorben Sillje (links) und Chris Schumacher mit ihrer Mentorin Anna Schwabe Copyright DW / Ramona Schlee, 21.5.2012

Viele Fragen bleiben: Thorben und Chris (v.r.) im Gespräch mit Anna

Wie oft und wie lange sich ein Tandem trifft, bleibt Schülern und Studierenden überlassen. Für heute haben Thorben und Chris genug. Nach Vorlesung, Mensabesuch und einer Führung über den Campus gehen sie nach Hause. Sie wissen noch nicht genau, ob sie an der Hochschule Bremen studieren möchten. Annas Tag aber ist noch nicht zu Ende: Sie hetzt weiter in die nächste Vorlesung.

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