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Kultur

Studienparadies Finnland

Eine gute Ausbildung hängt in Europa nach wie vor vom elterlichen Geldbeutel ab. Nur wenige Länder schaffen es, soziale Kluften durch staatliche Förderungsmaßnahmen zu überwinden. Spitzenreiter ist dabei Finnland.

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Beste Studienbedingungen in Finnland

Das zeigte die erste europaweite studentische Sozialerhebung. Im "Euro Student Report" wurden die sozialen und wirtschaftlichen Studienbedingungen in acht europäischen Ländern untersucht. Am Rande einer bildungspolitischen Fachtagung hat Bildungsforscher Klaus Schnitzer mit DW-WORLD über die Studie gesprochen. Die europäischen Länder halten für die Studierende äußerst unterschiedliche Studienbedingungen bereit. Die Unterschiede beginnen bei so grundlegenden Dingen, wie der Frage, wer überhaupt ein Studium aufnehmen kann.

Kein Zugang für Arbeiterkinder

Studentin bei einer Pruefung

Studentin lernt

Deutschland gehört zum Beispiel bei der so genannten Bildungsbeteiligung zu den Schlusslichtern. Während in Finnland mehr als zwei drittel der jungen Menschen eine Universitätsausbildung beginnen, sind es in Deutschland gerade einmal 31 Prozent. Nur Österreich (29 Prozent) und Belgien (30 Prozent) sind da noch schlechter platziert.

Eine unterdurchschnittliche Bildungsbeteiligung der Arbeiterkinder wurde in allen Ländern festgestellt. Dennoch: In Finnland und Irland kommen immerhin ein Viertel aller Studierenden aus so genannten "bildungsfernen Schichten". Das bedeutet, dass sie - gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung - vergleichsweise gut vertreten sind. Mit großem Abstand zu den Spitzenreitern haben neben Deutschland auch Frankreich, Italien und Österreich erheblichen Nachholbedarf in Sachen sozial gerechter "Bildungsbeteiligung".

Wie man sich bettet, so studiert man

Studentenwohnheim

Von Land zu Land verschieden: Studentische Wohnsituation

Von Land zu Land verschieden ist auch die Wohnsituation der Studierenden. Dabei zeigen sich Finnlands Studierende sehr selbstständig: Nur sechs Prozent wohnen noch bei den Eltern, während 94 Prozent einen eigenen Haushalt bevorzugen. Hingegen bevorzugen über zwei Drittel der italienischen Studierenden das "Hotel Mamma", wohnen also bei ihren Eltern. Ähnlich hoch ist der Anteil der "Nesthocker" in Belgien.

Erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gibt es bei der Finanzierung des Studiums. Bemerkenswert: In den meisten Ländern reicht die staatliche Maximalförderung nicht aus, um die Lebenshaltungskosten in vollem Umfang abzudecken.

Förderung auf Finnisch: Viel Geld für viele Studierende

Studenten im Hörsaal der Frankfurter Universität

Wenig Geförderte in Deutschland

Das beste Sozialsystem finden Studierende offenbar in Finnland vor. Hier werden 83 Prozent der Studierenden mit durchschnittlich 317 Euro gefördert. Die Niederlande können mit 90 Prozent zwar eine noch höhere Gefördertenquote vorweisen, jedoch liegt hier der durchschnittliche Förderungsbetrag mit 188 Euro wesentlich niedriger.

Deutschland und Österreich fallen durch vergleichsweise hohe Förderungsbeträge (326 bzw 355 Euro) auf. Zugleich sind die Gefördertenquoten mit 20 bzw. 21 Prozent aber extrem niedrig. In Italien und Belgien spielt die staatliche Studienförderung kaum eine Rolle. Niedrige Gefördertenquoten korrespondieren mit niedrigen Förderungssummen.

Nord-Südgefälle bei Studienförderung

Heidelberg Alte Universität

Die meisten Studierenden können sich nicht ausruhen

Insgesamt gilt: "Weil eine angemessene Studienförderung in vielen Ländern fehlt, haben Studierende oft Probleme, ihre Studien- und Lebenshaltungskosten zu finanzieren." Darauf weist Sabine Kiel hin. Die Öffentlichkeitsreferentin beim Studentenwerk Hannover kritisiert im Gespräch mit DW-WORLD, dass dies leider auch in Deutschland der Fall sei. Die Maximalförderung decke die tatsächlichen Lebenshaltungskosten gerade einmal zu 79 Prozent ab.

"Dort wo die Studienförderung versagt, müssen sich die Studierenden selbst helfen, indem sie erwerbstätig werden. Das verlängert die Studienzeiten erheblich", gibt Kiel zu bedenken. "Oder die Finanzlücken müssen durch den elterlichen Geldbeutel gestopft werden. Das wiederum begünstigt die Studierenden, die aus wohlhabendem Elternhaus kommen. Wenn dann noch Studiengebühren eingeführt werden, sind die Bedürftigen unter den Studierenden ganz draußen."

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