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Bildung

Studienfinanzierung – Die politischen Stiftungen

Die finanzielle Hilfestellung internationaler Studierender ist auch im Interesse der politischen Parteien in Deutschland: Denn wer hier studiert hat, sucht nach dem Abschluss eher den Kontakt zu deutschen Unternehmen.

Sparschweine vor dem Bundestag (Foto: dpa)

Wer sich bei einer politischen Stiftung um ein Stipendium bewirbt, sollte nicht nur gute Noten vorweisen, sondern auch gesellschaftlich und sozial engagiert sein. Neben der materiellen Unterstützung bieten die Stiftungen meist auch eine ideelle Förderung ihrer Stipendiaten – am Hochschulstandort werden sie von Vertrauensdozenten betreut, und es besteht die Möglichkeit, an Veranstaltungen in Bildungsstätten der Stiftungen teilzunehmen.

Konrad-Adenauer-Stiftung – Auch für internationale Studierende

Konrad Adenauer (Foto: AP)

Konrad Adenauer (1876-1967), CDU-Politiker, erster Kanzler der Bundesrepublik

Die Konrad-Adenauer-Stiftung steht der Christlich Demokratischen Union Deutschlands nahe. Sie will einen Beitrag zur Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses leisten.

Ausländische Studierende erhalten durch finanzielle Förderung die Möglichkeit, einen deutschen Hochschulabschluss zu erwerben, Fachkenntnisse zu vertiefen und oder einen Doktorgrad zu erwerben. Die Stiftung erwartet, dass die Stipendiaten in ihren Heimatländern Verantwortung in Staat und Gesellschaft übernehmen werden - insbesondere in Wissenschaft und Wirtschaft, Politik und Verwaltung, Medien und Kultur oder auch in internationalen Organisationen. Ein Studium an Fachhochschulen sowie medizinische Studiengänge werden nicht gefördert.

Friedrich-Ebert-Stiftung – Förderung von Begabten

Friedrich Ebert (Foto: dpa)

Friedrich Ebert (1871-1925), SPD-Politiker, von 1919 bis 1925 Reichspräsident der Weimarer Republik

Die Friedrich-Ebert-Stiftung steht der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands nahe und fördert ausländische Studierende und Graduierte, die an einer wissenschaftlichen Hochschule in Deutschland einen Studienabschluss bzw. eine Promotion anstreben. Bewerber der Grundförderung müssen an einer deutschen Universität ein Studium bereits aufgenommen haben; Bewerber der Graduiertenförderung müssen an einer deutschen Universität zum Aufbaustudium bzw. zur Promotion zugelassen sein. Bewerbungen vom Ausland aus sind leider nicht möglich. Gute Deutschkenntnisse sind dringend erforderlich.

Die Stiftung vergibt bis zu 40 Stipendien jährlich, und zwar vor allem an Menschen aus den Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas sowie Ost- und Mitteleuropas.

Friedrich-Naumann-Stiftung – Liberale Grundhaltung erwünscht

Friedrich Naumann (Foto: dpa)

Friedrich Naumann (1860-1919), Politiker, Pionier der politischen Bildungsarbeit

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit steht der Freien Demokratischen Partei nahe und bietet ausländischen Studierenden sowohl Stipendien für ein Erststudium als auch Graduiertenförderungen durch ein zweijähriges Aufbaustudium. Auch Promotionsstipendien können beantragt werden, wenn das Thema der Doktorarbeit wissenschaftlich und gesellschaftlich bedeutend ist.

Entscheidend für die Förderung sind vor allem überdurchschnittliche Begabung im gewählten Fach, Zuverlässigkeit, Leistungswille und die Bereitschaft, soziale Verantwortung zu übernehmen. Ein gesellschaftliches und politisches Engagement aus liberaler Grundhaltung ist erwünscht. Von ihren ausländischen Stipendiaten erwartet die Stiftung, dass sie nach dem Examen in ihre Heimat zurückkehren und das erworbene Wissen zum Wohl ihres Landes einsetzen.

Heinrich-Böll-Stiftung – Im Namen des Schriftstellers

Heinrich Böll (Foto: picture-alliance / Sven Simon)

Heinrich Böll (1917-1985), Schriftsteller, Nobelpreisträger für Literatur 1972

Die Heinrich-Böll-Stiftung steht der Partei Bündnis 90 / Die Grünen nahe. Sie konzentriert ihre Arbeit auf die Bereiche Demokratie, Ökologie, Internationale Solidarität und Gewaltfreiheit.

Vor diesem Hintergrund bietet das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung jährlich 80 bis 100 Plätze in Stipendien- und Förderprogrammen an. Sie fördert begabte deutsche und ausländische Studierende und Graduierte sämtlicher Fachrichtungen. Die Stiftung erwartet überdurchschnittliche wissenschaftliche Leistungen und eine gesellschaftspolitisch engagierte Persönlichkeit. Die Stipendiaten sollen ihre Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung nachweisen und sich aktiv mit den Zielen der Stiftung auseinandersetzen.

Wer sich um ein Studienstipendium bewerben möchte, muss an einer deutschen Hochschule eingeschrieben sein und das Grundstudium abgeschlossen haben. Promotions-Stipendiaten mit einem ausländischen Hochschulabschluss müssen von einer deutschen Universität zur Promotion oder zu einem Aufbaustudium zugelassen sein.

Hanns-Seidel-Stiftung – Christliche Weltanschauung als Voraussetzung

Hanns Seidel (Foto: AP)

Hanns Seidel (1901-1961), CSU-Politiker, 1957-1960 Ministerpräsident in Bayern

Die Hanns-Seidel-Stiftung steht der Christlich Sozialen Union in Bayern nahe, der Schwesterpartei der CDU. Die Stiftung fördert und unterstützt hochqualifizierte Postgraduierte (bis max. 32 Jahre) mit hervorragenden Studienabschlüssen, die über gute Deutschkenntnisse verfügen und sich gesellschaftspolitisch engagieren.

Voraussetzung für die Förderung ist eine christliche Weltanschauung. Bewerber aus dem Ausland müssen sich an die Partnerorganisationen der Hanns-Seidel-Stiftung in den jeweiligen Ländern wenden.

Rosa Luxemburg Stiftung – Frauen eine Chance

Rosa Luxemburg (Foto: dpa)

Rosa Luxemburg (1871-1919), Schriftstellerin und Sozialistin

Die Rosa Luxemburg Stiftung ist eine politische Bildungseinrichtung, die der Partei DIE LINKE nahesteht. Sie möchte unter anderem zur Demokratisierung politischer Willensbildung und zu sozialer Gerechtigkeit beitragen.

Seit 1999 vergibt das Studienwerk der Rosa Luxemburg Stiftung Stipendien an in- und ausländische Studierende und DoktorandInnen, die ihr Studium oder ihr Promotionsvorhaben in Deutschland absolvieren. Hohe fachliche Leistungen sowie ein starkes gesellschaftliches und soziales Engagement im Sinne der Stiftung sind dabei ausschlaggebend. Frauen und Menschen mit Behinderung werden bei vergleichbaren Leistungen und Engagement bevorzugt. Das Stipendium richtet sich besonders an Studierende der naturwissenschaftlichen, technischen und ingenieurswissenschaftlichen Studiengänge.

Hans-Böckler-Stiftung – Vor allem für sozial Bedürftige

Hans Böckler (Foto: dpa)

Hans Böckler (1875-1951), Politiker und Gewerkschafter

Die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbunds fördert und unterstützt gesellschaftspolitisch engagierte Studentinnen und Studenten. Ein Ziel der Stiftung ist der Wissensaustausch zwischen Wissenschaft, Arbeitswelt und Gewerkschaft. Bei der Vergabe von Stipendien werden diejenigen bevorzugt, die einerseits besonders begabt, aber auf der anderen Seite auch sozial bedürftig sind und deshalb ein Studium nicht aus eigener Kraft finanzieren können. Wer dazu noch vor dem Studium beruflich tätig war, hat besonders gute Chancen, gefördert zu werden.


Autorin: Claudia Unseld
Redaktion: Gaby Reucher

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