Studie: Studenten und Rucksacktouristen in Australien systematisch unterbezahlt | Aktuell Welt | DW | 21.11.2017
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Australien

Studie: Studenten und Rucksacktouristen in Australien systematisch unterbezahlt

Mit "Work & Travel" die Reise durch Australien finanzieren? Laut einer Studie endet dieser Traum für viele Deutsche in der Ausbeutung.

Australien Ernte Riesling Weintrauben bei Canberra (picture-alliance/dpa/L. Coch)

Saisonarbeiter in der Landwirtschaft sind laut Studie in Australien besonders oft unterbezahlt

Für viele junge Deutsche ist es das teure Traum-Urlaubsziel auf der anderen Seite der Welt. Sie und tausend andere Reisende nutzen jedes Jahr das australische Working-Holiday-Visum, um den fünften Kontinent zu erkunden und sich die Reise gleichzeitig mit einem Nebenjob vor Ort zu finanzieren. Doch knapp ein Drittel solcher Rucksacktouristen und internationaler Studenten erhalten laut einer Studie zweier Universitäten in Sydney nur rund die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns für ihre Gelegenheitsarbeit.

Demnach gaben 30 Prozent der 4300 befragten Zeitarbeiter aus über hundert Ländern an, nur 12 australische Dollar (rund 7,75 Euro) oder weniger pro Stunde verdient zu haben. Laut Mindestlohn stünden ihnen eigentlich 22,13 australische Dollar (rund 14,30 Euro) zu. Unter den Betroffenen waren auch sechs Prozent Deutsche. Diese Gelegenheitsjobber machen insgesamt etwa elf Prozent des australischen Arbeitsmarkts aus. Besonders oft unterbezahlt waren Arbeiter in der Landwirtschaft und der Gastronomie.

Asiatische Arbeiter noch stärker benachteiligt

Außerdem seien Arbeiter aus asiatischen Ländern laut Studie noch stärker von der Ungleichbehandlung betroffen. Demnach gaben rund drei Viertel der Befragten aus China, Taiwan und Vietnam an, 17 Dollar Stundenlohn oder weniger bekommen zu haben. Unter den Befragten aus den USA, Großbritannien und Irland waren es nur zwischen 35 und 41 Prozent.

"Unsere gebrochenen Gesetze ermöglichen nicht nur den Lohndiebstahl, sie erlauben es auch großen Unternehmen, mit Hilfe der temporären Visa eine Art Sklavenarbeiterklasse zu importieren", kommentierte der australische Gewerkschaftschef Ged Kearney. Arbeitsministerin Michaelia Cash erklärte, die Regierung sei das Thema Ausbeutung in den vergangenen Monaten mit "mehreren wichtigen Reformen" angegangen. "Es ist entscheidend, dass alle Arbeitgeber das Gesetz befolgen und angemessene Löhne zahlen, unabhängig von der Herkunft ihrer Angestellten", ergänzte sie.

tcw/uh (afp, dpa)