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Klimawandel

Studie: Massiver Anstieg der Hitze-Todesfälle in Europa erwartet

In diesem Sommer haben weite Teile Deutschlands mit Überschwemmungen zu kämpfen. Doch auch Hitze kann tückisch werden. Im Jahr 2100 könnten Wetterextreme in Europa zu fünfzig Mal mehr Todesfällen führen als heute.

Ende des Jahrhunderts drohen 152.000 Menschen an den Folgen von Hitzewellen, Überschwemmungen und Unwettern zu sterben, falls der Klimawandel ungebremst voranschreite, warnen Forscher der EU-Kommission in der Zeitschrift "The Lancet Planetary Health". Aktuell sterben jährlich geschätzt 3000 Menschen an Extremwetterfolgen.

Die größte Gefahr geht laut den Wissenschaftlern von außergewöhnlich heißen Temperaturen aus: 99 Prozent der Extremwetter-Toten in Europa könnten im Jahr 2100 auf Hitzewellen zurückzuführen sein.

Vergangene Katastrophen ausgewertet

In der Studie wurden in den 28 EU-Staaten sowie in der Schweiz, in Norwegen und Island die Auswirkungen der schwersten Katastrophen untersucht, die mit Wetter zusammenhängen: Hitze- und Kältewellen, Waldbrände, Dürren, Stürme sowie Hochwasser an Küsten und Flüssen. Ausgewertet wurden Berichte über solche Katastrophen aus den Jahren 1981 bis 2010. Die Forscher kombinierten dies mit Modellrechnungen über die Bevölkerungsentwicklung und den Klimawandel.

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Extreme Wetterphänomene weltweit

Nach Ansicht der Forscher ist zu 90 Prozent der Klimawandel für die steigenden Todesfallzahlen verantwortlich. Zudem spiele auch das Bevölkerungswachstum und der Zuzug von Menschen in küstennahe und deshalb risikoreiche Ballungsgebiete eine Rolle.

Wenn gegen die globale Erwärmung nicht dringend etwas getan würde, könnten bis Ende des Jahrhunderts jährlich zwei von drei Europäern den schädlichen Klimaextremen ausgesetzt sein, warnen die Forscher. Im ausgewerteten Zeitraum seien im Vergleich dazu rund fünf Prozent der Europäer betroffen gewesen.

Drei-Grad-Marke als Grundlage  

Für ihre Prognose stützen sich die Wissenschaftler auf die eher pessimistische Annahme einer Temperaturerhöhung von drei Grad Celsius bis 2100. Gemäß den Vorgaben des Pariser Klimaabkommens von 2015 soll die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter beschränkt werden.

Zwei kürzlich im Journal "Nature Climate Change" veröffentlichte Studien halten es für äußerst unrealistisch, dass die Temperaturerhöhung unter 1,5 Grad Celsius gehalten werden kann. Auch die Chance, die Zwei-Grad-Marke nicht zu überschreiten, liege bei nur fünf Prozent, schreiben Forscher der University of Washington in Seattle.

In sozialen Netzwerken kursiert zurzeit ein Video, das weltweite Temperaturanomalien seit 1900 veranschaulicht - aufgeschlüsselt nach Ländern und Kontinenten. Es zeigt eine deutliche Erwärmung in den vergangenen 30 Jahren. Dass kein einzelnes Land heraussticht, ist für den Urheber der Grafik, Antti Lipponen von der finnischen Wetterbehörde, ein deutliches Zeichen, dass es sich bei der Erwärmung um ein globales und kein lokales Phänomen handelt, wie er im Interview mit der Webseite Climatecentral.org sagte.

Kritik: Mensch kann sich anpassen

Wissenschaftler der Universität Seoul warnten indes, die Ergebnisse der EU-Studie, die für Europa mehr Hitzetote vorhersagt, könnten "überbewertet" werden. Die Prognose ließe die Anpassungsfähigkeit des Menschen außer Acht, gaben die Forscher Jae Young Lee und Ho Kim zu bedenken. Ihr Kommentar ist in derselben Ausgabe des "The Lancet Planetary Health" erschienen. Menschen seien dafür bekannt, "sich anzupassen und weniger verwundbar gegenüber Extrembedingungen" zu werden. Denkbar sind ihnen zufolge etwa Fortschritte in der Medizintechnik, der Klimatisierung und der Wärmeisolierung von Häusern.

ust/uh (afp, rtr, climatechange.org, Youtube)

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